Autor: Yulia Virts

  • Wings of the Soul

    Wings of the Soul

    Anfang April wird eine Heuscheune am Rand von Zürich zu einem Ort der stillen Konzentration. Zur Chalte Hose in Forch zeigt mit Wings of the Soul eine Ausstellung, die bewusst zwischen Aussenwelt und innerer Erfahrung angesiedelt ist.

    Schon der Ort setzt den Ton: Holz, Licht, eine gewisse Rauheit. Nichts wirkt neutral oder inszeniert wie im White Cube. Die ehemalige Scheune bleibt, was sie war – und genau darin liegt ihre Qualität. Sie schafft einen Raum im Übergang: zwischen Funktion und Reflexion, zwischen Realität und Vorstellung.

    Inhaltlich bezieht sich die Ausstellung auf zwei sehr unterschiedliche, aber überraschend verwandte Texte: Die Konferenz der Vögel von Farid ud-Din Attar und Der Steppenwolf von Hermann Hesse. Beide kreisen um die gleiche Frage: Was ist das Selbst – und ist es überhaupt einheitlich?

    Die Malereien von Shirin Babazadeh, Jade Rousson und Yadolah Dodge geben darauf keine direkten Antworten. Sie übersetzen literarische Gedanken in Bilder – offen, vieldeutig, in Bewegung. Figuration löst sich auf, Formen tauchen auf und verschwinden wieder. Es entsteht ein Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz, zwischen individueller Erfahrung und etwas Gemeinsamen.

    Die Konferenz der Vögel bildet dabei eine Art leises Rückgrat der Ausstellung. Die Geschichte der Vögel, die sich auf die Suche nach dem mythischen Simurgh machen, ist weniger eine Reise nach aussen als nach innen. Am Ende erkennen sie sich selbst – und damit, dass die gesuchte Wahrheit immer schon Teil von ihnen war.

    Ganz anders, und doch verwandt, blickt Der Steppenwolf auf das Ich. Hermann Hesse beschreibt Identität nicht als Einheit, sondern als Vielheit. Der Mensch ist nicht eins, sondern viele – widersprüchlich, fragmentiert, in ständiger Veränderung. Das «Magische Theater» macht diese innere Bewegung sichtbar.

    Diese Gedanken setzen sich im Raum fort. Einzelne Elemente treten aus der Malerei heraus: ein Käfig mit beschriebenen Blättern, fast wie festgehaltene Stimmen. Ein Spiegel, der den Blick zurückwirft. Ein frei hängendes Buch, das sich leicht bewegt – als würde selbst die Bedeutung nicht stillstehen.

    Wings of the Soul erklärt nichts. Die Ausstellung öffnet vielmehr einen Raum, in dem man sich selbst begegnet – leise, tastend, ohne feste Antworten. Vielleicht liegt genau darin ihre Stärke.

    Kuratorin: Yulia Virts
    2.–16. April
    Zur Chalte Hose, Hohrütistrasse 12, 8127 Forch


    Website

    Zur Chalte Hose - Wings of the Soul
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    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.

  • Valentina Pini: Décorps – Eröffnung in der Galerie Lullin + Ferrari

    Valentina Pini: Décorps – Eröffnung in der Galerie Lullin + Ferrari

    Mit Décorps führt Valentina Pini ihre Auseinandersetzung mit dem Körper als Fragment und Vorstellung konsequent weiter. Bereits im Titel steckt die Idee der Ausstellung: eine Verbindung von décor (Dekor) und corps (Körper). Daraus entsteht ein Spannungsfeld, in dem Dekoration zur Spur des Körpers wird – während der Körper selbst zunehmend als Konstruktion erscheint.

    Die Arbeiten bewegen sich zwischen Objekt und Inszenierung. Metall, Epoxidharz und skulpturale Fragmente wirken wie Relikte einer Bühne, auf der der Mensch selbst abwesend bleibt. In der Serie Autour du cou à la hauteur des yeux, leicht über Augenhöhe installiert, entsteht genau dieser Eindruck: Ketten, Krägen und ornamentale Elemente definieren eine Form, die an einen Körper erinnert – ohne dass dieser tatsächlich vorhanden ist.

    Besonders prägnant zeigt sich dieses Prinzip in der Skulptur Amplification. Zwei Epauletten auf Metallschienen genügen, um Autorität und Hierarchie anzudeuten. Die Symbolik bleibt lesbar, doch der Körper, der sie tragen würde, fehlt. Es entsteht eine fast theatrale Leerstelle.

    Auch in der fotografischen Serie Displaced Fractures verschiebt Pini den Blick. Statt auf die monumentalen Skulpturen von Vincenzo Vela richtet sie die Aufmerksamkeit auf deren fragile Details – Risse, Verbindungen, Trägerstrukturen. Was sichtbar wird, ist nicht das Bild selbst, sondern seine Konstruktion.

    Eine weitere Ebene bringen die Reliefs aus ihrer Residency in der Bogliasco Foundation ein. Pflanzliche Elemente, Fundstücke und persönliche Objekte verbinden sich zu Kompositionen, die zwischen Archiv, Bühne und Experiment oszillieren. Die Materialien wirken, als befänden sie sich in einem Prozess der Verwandlung – eher alchemistisch als naturalistisch.

    Décorps bewegt sich bewusst zwischen Material und Bild, zwischen Präsenz und Abwesenheit. Der Körper wird nicht gezeigt, sondern angedeutet, zerlegt und neu gedacht. Für die Betrachter:innen entsteht ein offenes Geflecht von Hinweisen – und die Einladung, den eigenen Blick neu zu justieren.

    Die Ausstellung ist vom 13. März bis 2. Mai 2026 in der Galerie Lullin + Ferrari zu sehen.

    Valentina Pini: Décorps – Eröffnung in der Galerie Lullin + Ferrari
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    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.

  • „Oh lueg, en Wolf“ – Ausstellung der Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg 

    „Oh lueg, en Wolf“ – Ausstellung der Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg 

    26. Februar – 25. April 2026

    Bei der Eröffnung der Ausstellung der Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg wird der Geist einer Stadt spürbar, die sich permanent verändert. Die Künstler Lorenz Bachofner Bošković und Vincent Scarth arbeiten gewissermassen «Schulter an Schulter» und stehen in einem kontinuierlichen, offenen Austausch über Unsicherheiten, Dilemmata, Fragen und Entscheidungen innerhalb ihrer künstlerischen Praxis.

    Entstanden sind lebendige und zugleich feinfühlige Collagen des Alltags, in denen Grosses und Kleines – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn – ineinanderfliessen. Was aus persönlichen Erfahrungen, Träumen und Vorstellungen hervorgeht, wirkt auf den ersten Blick beinahe ruhig und zurückhaltend. Doch die Bildwelten sind präzise komponiert, klug verdichtet und von bemerkenswerter Schärfe. Sie lesen sich wie ein sensibles Protokoll einer Zeit, die von Orientierungslosigkeit geprägt ist.

    Die Leinwände zeigen Szenen des täglichen Lebens: einzelne Passanten, Innenhöfe, urbane Details, Krähen über Bahngleisen. Jedes Motiv ist ein Fragment von Gegenwart – aufmerksam beobachtet, ohne Sentimentalität, aber mit Empathie für das oft Übersehene.

    Die Arbeiten dieser jungen Künstler stehen in Resonanz mit dem Vermächtnis von Albert Rüegg. Während er die Spannungen einer Nachkriegsstadt erfasste, richten sich die aktuellen Werke auf heutige Transformationsprozesse: Entfremdung, Veränderungen sozialer Interaktion und die Fragilität gemeinsamer Räume.

    „Oh lueg, en Wolf“ ist eine konzentrierte Beobachtung unserer Umgebung – von Menschen, Tieren, Architektur und Zwischenräumen. Ohne Pathos, ohne programmatische Statements. Stattdessen ein klarer, präziser Blick, der dazu einlädt, die Details des zeitgenössischen urbanen Lebens neu wahrzunehmen.

    „Oh lueg, en Wolf“ – Eröffnung der Ausstellung der Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg
    „Oh lueg, en Wolf“ – Eröffnung der Ausstellung der Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg
    „Oh lueg, en Wolf“ – Eröffnung der Ausstellung der Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg
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    „Oh lueg, en Wolf“ – Eröffnung der Ausstellung der Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg
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    „Oh lueg, en Wolf“ – Eröffnung der Ausstellung der Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg
    „Oh lueg, en Wolf“ – Eröffnung der Ausstellung der Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg
    „Oh lueg, en Wolf“ – Eröffnung der Ausstellung der Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien. 

  • Chūshō Tōsa (抽象踏查) – Eine Feldstudie zur japanischen abstrakten Kunst

    Chūshō Tōsa (抽象踏查) – Eine Feldstudie zur japanischen abstrakten Kunst

    Die Ausstellung Chūshō Tōsa in der Anthracite Gallery untersucht zeitgenössische japanische abstrakte Kunst aus der Perspektive von Materialprozess und räumlichem Bewusstsein. Kuratiert von Ebba Wallmén in Zusammenarbeit mit Jesper Dahl und Jens Petersen versteht sich das Projekt nicht als klassische Überblicksschau, sondern als feldorientierte Untersuchung – als eine Entwicklungslinie, die aus einer Atelier-Reise durch Japan im vergangenen Sommer, aus materiellen Experimenten und einer ortsspezifischen Präsentation hervorgegangen ist.

    Die Ausstellung vereint Werke einer geografisch wie materiell vielfältigen Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern, deren Praxis Malerei, Keramik, Textil, Skulptur und Zeichnung umfasst. In allen Positionen entsteht Abstraktion nicht aus formaler Doktrin, sondern aus physischer Auseinandersetzung. Leinwände aus kultivierten Fasern rücken Wachstum, Verdichtung und strukturelle Unregelmässigkeit als wesentliche Bestandteile des Bildfeldes ins Zentrum. Malerei wird nicht auf einen neutralen Bildträger aufgetragen; sie tritt in Beziehung zu einer Oberfläche, die bereits eigene Zeitlichkeit und Widerständigkeit in sich trägt.

    Keramische Arbeiten führen diese Untersuchung von Volumen und Gewicht fort. Pigment und Glasur verbergen den Tonkörper nicht, sondern betonen dessen Masse und taktile Qualität. Der Dialog zwischen Oberfläche und Struktur verschiebt die Grenze zwischen Bild und Objekt und begreift Abstraktion als räumlichen Zustand statt als rein optisches Phänomen.

    In der gesamten Ausstellung entzieht sich die Komposition festen Zentren. Farbschichten wirken als autonome Zonen, verschieben visuelle Gewichte und aktivieren den umgebenden Raum. Transparenz, Opazität und Intervalle fungieren als strukturelle Mittel. Die Werke entwickeln keine narrativen Abfolgen; vielmehr formulieren sie Beziehungen – zwischen Faser und Pigment, Ton und Temperatur, Geste und Dauer.

    Innerhalb der industriellen Architektur der Anthracite Gallery tritt die Materialität der Arbeiten besonders deutlich hervor. Betonoberflächen und offene Raumstrukturen verstärken die physische Präsenz der Werke und laden zu einer konzentrierten, andauernden Betrachtung ein.

    Chūshō Tōsa positioniert die japanische Abstraktion als fortlaufenden Aushandlungsprozess – zwischen materieller Autonomie und künstlerischer Intention, zwischen Oberfläche und Tiefe, zwischen Ruhe und Bewegung.

    18. Februar – 30. Mai
    Anthracite Gallery

    Chūshō Tōsa (抽象踏查) A Field Survey of Japanese Abstract Art 18 February – 30 May Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查)
    A Field Survey of Japanese Abstract Art
    18 February – 30 May
    Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查) A Field Survey of Japanese Abstract Art 18 February – 30 May Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查)
    A Field Survey of Japanese Abstract Art
    18 February – 30 May
    Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查) A Field Survey of Japanese Abstract Art 18 February – 30 May Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查)
    A Field Survey of Japanese Abstract Art
    18 February – 30 May
    Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查) A Field Survey of Japanese Abstract Art 18 February – 30 May Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查)
    A Field Survey of Japanese Abstract Art
    18 February – 30 May
    Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查) A Field Survey of Japanese Abstract Art 18 February – 30 May Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查)
    A Field Survey of Japanese Abstract Art
    18 February – 30 May
    Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查) A Field Survey of Japanese Abstract Art 18 February – 30 May Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查)
    A Field Survey of Japanese Abstract Art
    18 February – 30 May
    Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查) A Field Survey of Japanese Abstract Art 18 February – 30 May Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查)
    A Field Survey of Japanese Abstract Art
    18 February – 30 May
    Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查) A Field Survey of Japanese Abstract Art 18 February – 30 May Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查)
    A Field Survey of Japanese Abstract Art
    18 February – 30 May
    Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查) A Field Survey of Japanese Abstract Art 18 February – 30 May Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查)
    A Field Survey of Japanese Abstract Art
    18 February – 30 May
    Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查) A Field Survey of Japanese Abstract Art 18 February – 30 May Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查)
    A Field Survey of Japanese Abstract Art
    18 February – 30 May
    Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查) A Field Survey of Japanese Abstract Art 18 February – 30 May Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查)
    A Field Survey of Japanese Abstract Art
    18 February – 30 May
    Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查) A Field Survey of Japanese Abstract Art 18 February – 30 May Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查)
    A Field Survey of Japanese Abstract Art
    18 February – 30 May
    Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查) A Field Survey of Japanese Abstract Art 18 February – 30 May Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查)
    A Field Survey of Japanese Abstract Art
    18 February – 30 May
    Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查) A Field Survey of Japanese Abstract Art 18 February – 30 May Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查)
    A Field Survey of Japanese Abstract Art
    18 February – 30 May
    Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查) A Field Survey of Japanese Abstract Art 18 February – 30 May Anthracite Gallery
    Chūshō Tōsa (抽象踏查)
    A Field Survey of Japanese Abstract Art
    18 February – 30 May
    Anthracite Gallery

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.

  • Richard Paul Lohse – Vernissage im Haus Konstruktiv

    Richard Paul Lohse – Vernissage im Haus Konstruktiv

    Das Haus Konstruktiv eröffnete das Jahr mit einer Einzelausstellung von Richard Paul Lohse (1902–1988), einem der bedeutendsten Schweizer Künstler und Theoretiker der konstruktiv-konkreten Kunst. Über fünfzig Werke veranschaulichen seinen berühmten systematischen Ansatz: Kompositionen, die strenger Logik folgen, Farben und Formen als grundsätzlich gleichwertige Elemente und eine Bildfläche, die sich in eine rhythmische, beinahe musikalische Struktur verwandelt, in der jedes Element sowohl mit dem Raum als auch mit den Betrachtenden in Beziehung tritt.

    Bereits in den 1940er-Jahren entwickelte Lohse seine eigene Bildsprache – lange bevor konzeptuelle und minimalistische Strömungen in den folgenden Jahrzehnten an Bedeutung gewannen. Seine Malerei basierte auf Zahlensystemen, Konstruktionsschemata und Farbtabellen. Hinter dieser Rationalität stand jedoch stets eine klare gesellschaftliche Haltung. Das Prinzip der quantitativen Gleichwertigkeit der Farben war für Lohse ein politisches Statement – ein visuelles Pendant zu einer Gesellschaft ohne Privilegien, in der kein Element eine hierarchische Überlegenheit besitzt.

    Zentrum der Ausstellung ist das Triptychon Serielles Reihenthema in achtzehn Farben (A, B, C) mit einer Gesamtlänge von beinahe sechs Metern. 108 gleich große Quadrate sind in sechs Reihen angeordnet, 18 Farben in identischen Anteilen verteilt. Dieses strenge Gleichgewicht verwandelt Abstraktion in eine politische Metapher: Die Struktur existiert als System des Zusammenlebens und entfaltet ihre Wirkung durch die Bewegung der Betrachtenden sowie durch die räumliche Dynamik der Ausstellung.

    Die Ausstellung ist vom 5. Februar bis zum 10. Mai 2026 im Museum Haus Konstruktiv in Zürich zu sehen. Sie zeigt Richard Paul Lohse als einen Künstler, für den Malerei zu einer Form sozialen Denkens wird – zurückhaltend, präzise und radikal in ihrem Glauben an Gleichheit als ordnendes Prinzip der Welt.

    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.

  • ANFÄNGE: Anthracite × ZHdK – Wenn künstlerische Wege beginnen

    ANFÄNGE: Anthracite × ZHdK – Wenn künstlerische Wege beginnen

    22. Januar – 11. Februar 2026 | Zürich

    Die Ausstellung ANFÄNGE: Anthracite × ZHdK in der Anthracite Gallery richtet den Fokus auf den Moment des Anfangs – auf eine Phase, in der künstlerische Praktiken entstehen und sich durch Experiment, Recherche und Auseinandersetzung kontinuierlich weiterentwickeln.

    Gezeigt werden Arbeiten von Bachelor- und Masterstudierenden der Zürcher Hochschule der Künste. Ihre künstlerischen Ansätze sind geprägt von fortlaufender Erkundung sowie einem bewussten Umgang mit Material, Konzept und Form.

    Die Ausstellung entfaltet sich als multimediales Feld, in dem Malerei, Keramik, Textil, Video und Audio nebeneinander bestehen. Anstelle einer linearen Erzählung steht die Vielfalt künstlerischer Strategien im Vordergrund – ebenso wie die individuellen Beziehungen der Künstler:innen zu ihren jeweiligen Medien und Materialien.

    Der industrielle Ausstellungsraum von Anthracite mit seinen sichtbaren Betonflächen unterstreicht die physische Präsenz der Werke und unterstützt eine direkte Begegnung mit ihren materiellen und räumlichen Qualitäten.

    Ein zentraler Aspekt des Projekts ist die Zusammenarbeit zwischen einer Ausbildungsinstitution und einer unabhängigen Galerie. Für die beteiligten Künstler:innen markiert dieser Kontext einen Übergang vom akademischen Umfeld in die Öffentlichkeit – einen Moment, in dem ihre Arbeiten in einen Dialog mit einem breiteren Publikum treten, jenseits interner Kritikformate und institutioneller Rahmen.

    ANFÄNGE schafft damit die Voraussetzungen für diese erste öffentliche Begegnung und verortet die Arbeiten in einem professionellen Ausstellungskontext.

    ANFAENGE Anthracite x ZHdK Foto: Yulia Virts
    ANFAENGE Anthracite x ZHdK Foto: Yulia Virts
    ANFAENGE Anthracite x ZHdK Foto: Yulia Virts
    ANFAENGE Anthracite x ZHdK Foto: Yulia Virts
    ANFAENGE Anthracite x ZHdK Foto: Yulia Virts
    ANFAENGE Anthracite x ZHdK Foto: Yulia Virts
    ANFAENGE Anthracite x ZHdK Foto: Yulia Virts
    ANFAENGE Anthracite x ZHdK Foto: Yulia Virts
    ANFAENGE Anthracite x ZHdK Foto: Yulia Virts
    ANFAENGE Anthracite x ZHdK Foto: Yulia Virts
    ANFAENGE Anthracite x ZHdK Foto: Yulia Virts
    ANFAENGE Anthracite x ZHdK Foto: Yulia Virts
    ANFAENGE Anthracite x ZHdK Foto: Yulia Virts
    ANFAENGE Anthracite x ZHdK Foto: Yulia Virts

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.