Kategorie: Museen

  • Als Plakate die Welt verändern wollten

    Als Plakate die Welt verändern wollten

    Avantgarde – Grafikdesign im Aufbruch: Das Museum für Gestaltung Zürich zeigt, wie gesellschaftliche Umbrüche vor hundert Jahren eine neue visuelle Sprache hervorbrachten. Und warum uns diese Zeit heute noch erstaunlich nahe ist.

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch

    Was passiert mit der Gestaltung, wenn eine Gesellschaft ihre bisherigen Vorstellungen von der Welt infrage stellt? Wenn politische Systeme zerbrechen, technische Entwicklungen den Alltag verändern und eine neue Generation nicht länger bereit ist, die Regeln der Vergangenheit zu akzeptieren?

    Vor rund hundert Jahren waren diese Fragen von brennender Aktualität. Die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg waren geprägt von politischen Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheit, aber auch von einem beinahe grenzenlosen Glauben an den Fortschritt. Eine neue Gesellschaft sollte entstehen. Und mit ihr eine neue Gestaltung.

    Die Ausstellung «Avantgarde – Grafikdesign im Aufbruch» im Museum für Gestaltung Zürich führt zurück in diese bewegte Epoche. Sie zeigt eindrucksvoll, dass Design weit mehr sein kann als die ästhetische Gestaltung unserer Umwelt.

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch

    Eine neue Welt braucht eine neue Formensprache

    Die Avantgarde wollte nicht einfach schönere Plakate entwerfen. Sie wollte mit den gestalterischen Konventionen ihrer Zeit brechen.

    Ornamente verschwanden, geometrische Formen rückten in den Vordergrund. Klare Linien, starke Kontraste und eine neue, experimentelle Typografie ersetzten die dekorative Bildsprache früherer Jahrzehnte. Fotografie und Fotomontage eröffneten zusätzliche Ausdrucksmöglichkeiten.

    Dieser Wandel beschränkte sich keineswegs auf die Grafik. Auch Architektur, Möbel, Alltagsgegenstände und Mode veränderten sich grundlegend. Funktionalität, Sachlichkeit und die Möglichkeiten industrieller Fertigung prägten ein neues Verständnis von Gestaltung.

    Es war eine Zeit, in der die Grenzen zwischen Kunst und Design zunehmend durchlässig wurden. Künstler wurden zu Gestaltern, Gestaltung wurde zum gesellschaftlichen Statement.

    Besonders faszinierend ist dabei, wie eng die neuen ästhetischen Vorstellungen mit politischen und sozialen Utopien verbunden waren. Gestaltung sollte nicht nur die neue Welt abbilden, sondern aktiv zu ihrer Entstehung beitragen.

    Plakate als Spiegel ihrer Zeit

    Mehr als 150 Plakate sowie Fotografien, Filme und Objekte der visuellen Alltagskultur machen diesen Aufbruch in Zürich sichtbar.

    Zu entdecken sind Arbeiten bedeutender Vertreter der internationalen Avantgarde. El Lissitzky und Valentina Kulagina stehen für die radikale Bildsprache des russischen Konstruktivismus. Adolphe Mouron Cassandre verbindet grafische Präzision mit der Eleganz des Art Déco. Jan Tschichold revolutionierte die Typografie, während Fotografinnen wie Lucia Moholy und Binia Bill neue Perspektiven auf die sichtbare Welt eröffneten.

    Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich die gestalterischen Antworten auf dieselbe Epoche ausfallen konnten. Mal streng geometrisch und rational, mal expressiv, dynamisch oder überraschend poetisch.

    Besonders eindrucksvoll ist das berühmte Plakat für den Nord Express von Cassandre. Die monumentale Lokomotive, die dramatische Perspektive und die auf wenige Elemente reduzierte Komposition vermitteln bis heute eine beinahe körperlich spürbare Vorstellung von Geschwindigkeit und technischem Fortschritt.

    Dass diese Arbeiten teilweise fast hundert Jahre alt sind, gerät beim Betrachten schnell in Vergessenheit. Viele wirken noch immer erstaunlich modern.

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
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    Wenn die Ausstellung selbst zur Gestaltung wird

    Bemerkenswert ist nicht nur, was gezeigt wird, sondern auch, wie.

    Die von Dr. Bettina Richter kuratierte Ausstellung überzeugt durch eine Präsentation, die weit über eine klassische Plakatschau hinausgeht. Mehr als 150 Plakate, Fotografien, Filme und Objekte treten miteinander in einen Dialog. Dabei werden nicht nur gestalterische Entwicklungen sichtbar, sondern auch die gesellschaftlichen Ideen und Widersprüche, aus denen sie hervorgegangen sind.

    Die Plakate hängen nicht einfach in einer konventionellen Abfolge an den Wänden. Stattdessen stehen sie auf offenen, teilweise raumhohen Trägerstrukturen, die den Ausstellungsraum gliedern und immer neue Blickbeziehungen ermöglichen.

    Man bewegt sich zwischen den Arbeiten, entdeckt Motive aus unterschiedlichen Perspektiven und erlebt die Ausstellung als räumliche Komposition.

    Besonders reizvoll ist das Zusammenspiel mit der Architektur des Museums. Die klaren Linien, die sichtbare Konstruktion und die sachliche Formensprache des Gebäudes treten in einen fast selbstverständlichen Dialog mit den ausgestellten Werken.

    Hier begegnen sich Architektur und Grafikdesign auf Augenhöhe. Beide folgen einer gestalterischen Haltung, die auf Klarheit, Konstruktion und bewusste Reduktion setzt.

    Es sind gerade diese sorgfältig entwickelten Zusammenhänge, die erkennen lassen, wie intensiv sich das Ausstellungsteam mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Die Geschichte des Grafikdesigns wird nicht einfach dokumentiert, sondern in ihren vielfältigen Beziehungen erfahrbar gemacht.

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
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    Zwischen Aufbruch und Widerspruch

    Bei aller Begeisterung für die gestalterischen Experimente darf man eines nicht übersehen: Die Avantgarde war keine einheitliche Bewegung.

    Ihre Vertreter verband häufig der Wunsch nach Veränderung, doch ihre politischen Überzeugungen und gesellschaftlichen Vorstellungen konnten weit auseinanderliegen.

    Während manche Künstler und Gestalter auf eine gerechtere, offenere Gesellschaft hofften, wurden die neuen visuellen Ausdrucksmittel später auch von autoritären und totalitären Bewegungen vereinnahmt.

    Die Ausstellung verschweigt diese Widersprüche nicht. Sie zeigt eine Epoche voller kreativer Energie, aber auch voller Konflikte. Mit dem Erstarken totalitärer Regime endete Mitte der 1930er-Jahre eine aussergewöhnlich intensive Phase gestalterischer Experimente.

    Ihre Ideen allerdings überlebten.

    Wie viel Avantgarde steckt noch in unserer Gegenwart?

    Vielleicht liegt gerade darin die besondere Aktualität dieser Ausstellung.

    Auch heute erleben wir tiefgreifende Veränderungen. Neue Technologien stellen vertraute Arbeitsweisen infrage, gesellschaftliche Gewissheiten geraten ins Wanken und die Möglichkeiten visueller Kommunikation entwickeln sich in rasantem Tempo.

    Vor hundert Jahren waren es unter anderem Fotografie, Film und industrielle Reproduktion, die neue Ausdrucksformen ermöglichten. Heute verändern digitale Medien und künstliche Intelligenz die Art, wie Bilder entstehen und verbreitet werden.

    Natürlich lassen sich die beiden Epochen nicht einfach gleichsetzen. Doch die grundlegende Frage ist erstaunlich ähnlich geblieben: Wie reagieren Kunst und Design auf eine Welt im Wandel?

    Und können sie selbst zu diesem Wandel beitragen?

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
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    Eine Ausstellung, die zum Nachdenken anregt

    Bereits die ausgesprochen gut besuchte Vernissage Anfang September zeigte, auf welches Interesse dieses Thema stösst. Nach der Begrüssung durch Karin Mairitsch, Rektorin der Zürcher Hochschule der Künste, führte Kuratorin Dr. Bettina Richter in die Ausstellung ein.

    Bei dieser Gelegenheit hatte ich auch die Möglichkeit, die Kuratorin persönlich kennenzulernen. Im Gespräch wurde deutlich, mit wie viel Überzeugung sie sich diesem Thema widmet.

    Bei einem weiteren Besuch, diesmal mit mehr Zeit zum Betrachten und Fotografieren, erschloss sich mir die Vielschichtigkeit der Ausstellung noch einmal auf andere Weise.

    Es geht nicht allein um herausragende Plakatgestaltung. Es geht um Ideen, gesellschaftliche Hoffnungen und den Versuch, mit gestalterischen Mitteln eine neue Wirklichkeit zu schaffen.

    Die Ausstellung macht sichtbar, wie sehr unsere heutige visuelle Kultur von diesen Experimenten geprägt wurde.

    Und sie erinnert daran, dass wirklich neue Gestaltung selten dort entsteht, wo man sich mit dem Bestehenden zufriedengibt.

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
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    Avantgarde – Grafikdesign im Aufbruch

    Museum für Gestaltung Zürich
    Ausstellungsstrasse 60, 8005 Zürich

    Ausstellungsdauer: 3. September 2026 bis 21. Februar 2027

    Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10–17 Uhr; Donnerstag bis 20 Uhr, ab 17 Uhr freier Eintritt.

    Weitere Informationen: museum-gestaltung.ch
    Download Flyer zur Ausstellung

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
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    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

  • Was bleibt von Kunst, wenn sie niemand sieht?

    Was bleibt von Kunst, wenn sie niemand sieht?

    Die Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich bringt Werke ans Licht, die seit mindestens 50 Jahren nicht mehr öffentlich zu sehen waren. Einen Stock höher verschwindet die Kunst dagegen vollständig. Eine Ausstellung über Sichtbarkeit – und darüber, was mit Kunst passiert, wenn niemand sie sieht.

    Man weiss zunächst gar nicht, wohin man schauen soll.

    Bilder hängen dicht an dicht, teilweise bis fast unter die Decke. Grosse Gemälde neben kleinen Zeichnungen, Porträts neben Landschaften, Abstraktion neben Gegenständlichem. Dazwischen stehen rohe Holzregale, in denen weitere Werke stecken. Manche sieht man vollständig, von anderen nur einen Ausschnitt, einen Rahmen oder sogar nur die Rückseite.

    So sieht eine Ausstellung normalerweise nicht aus.

    Museen und Galerien geben Kunst Raum. Werke werden ausgewählt, auf Abstand gebracht, ins richtige Licht gesetzt. Im ersten Stock des Helmhaus passiert fast das Gegenteil.

    Die Fülle ist überwältigend – und genau darin liegt die besondere Wirkung von «In der Sonne sitzen».

    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich

    50 Jahre nicht gesehen

    Was hier so dicht nebeneinander hängt und steht, stammt aus öffentlichen Kunstsammlungen. Und keines dieser Werke wurde in den vergangenen 50 Jahren öffentlich ausgestellt. Manche waren vermutlich noch wesentlich länger nicht zu sehen.

    Plötzlich bekommt die Präsentation in den Holzregalen eine zusätzliche Bedeutung. Sie erinnert nicht nur an ein Depot. Sie macht sichtbar, was normalerweise tatsächlich hinter verschlossenen Türen geschieht.

    Und damit auch eine Realität des Kunstbetriebs, über die man als Besucher selten nachdenkt.

    Wir kennen Kunst vor allem dann, wenn sie gezeigt wird. Im Museum. In einer Galerie. Auf einer Messe. In einer Sammlung oder vielleicht in einer Wohnung. Doch hinter jedem ausgestellten Werk stehen unzählige andere, die gerade nirgendwo hängen.

    Sie lagern.

    In Museumsdepots, Archiven, Galerielagern, Ateliers, Kellern oder privaten Sammlungen. Manche für einige Monate, andere für Jahre oder Jahrzehnte.

    Gerade wenn man selbst Künstlerinnen und Künstler kennt, bekommt dieser Gedanke eine andere Dimension. Denn ein Bild ist zunächst kein Inventarstück. Jemand hat es geschaffen. Eine Idee entwickelt, Entscheidungen getroffen, verworfen, neu begonnen. Zeit investiert. Vielleicht gezweifelt.

    Und irgendwann entschieden: Jetzt ist es fertig.

    Meist verbunden mit dem Wunsch, dass jemand dieses Werk sieht.

    Was passiert also mit Kunst, wenn genau das nicht geschieht?

    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich

    Sehen – und trotzdem nicht alles sehen können

    Das Helmhaus beantwortet diese Frage nicht. Stattdessen verschärft es sie.

    Denn nun sind all diese Werke endlich wieder öffentlich zu sehen – und gleichzeitig sind es so viele, dass man unmöglich jedem einzelnen die Aufmerksamkeit schenken kann, die es in einer klassischen Ausstellung bekommen würde.

    Vor einer Museumswand kann man zurücktreten und sich auf ein Werk konzentrieren. Hier wandert der Blick ständig weiter. Ein Bild zieht das nächste nach sich. Manche Arbeiten entdeckt man erst auf den zweiten Blick. Andere verschwinden beinahe in der Menge.

    Auch in den Regalen lassen sich nicht alle Werke vollständig betrachten.

    Eigentlich müsste das frustrieren.

    Stattdessen beginnt man zu suchen.

    Man geht näher heran, schaut zwischen Rahmen, entdeckt eine Rückseite, bleibt an einem Gesicht hängen oder an einer Farbe. Und plötzlich schafft es doch wieder ein einzelnes Werk, sich aus der Masse zu lösen.

    Vielleicht liegt genau darin eine der stärksten Erfahrungen dieser Ausstellung.

    Und dann geht man einen Stock höher.

    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich

    Und plötzlich gibt es nichts mehr zu sehen

    Der zweite Stock dreht das Prinzip vollständig um.

    Während unten Hunderte Werke um den Blick der Besucher konkurrieren, werden oben zeitgenössische Kunstwerke präsentiert, die man überhaupt nicht sehen kann.

    Sie wurden eigens für «In der Sonne sitzen» entwickelt. Doch anstatt ihnen gegenüberzustehen, erfährt man von ihnen durch Erzählerinnen und Erzähler. Alle 15 Minuten wird von diesen Arbeiten berichtet.

    Die sichtbare Kunst des ersten Stocks trifft auf unsichtbare Kunst im zweiten.

    Und plötzlich stellt sich dieselbe Frage noch einmal – nur unter vollkommen anderen Vorzeichen.

    Was braucht ein Kunstwerk eigentlich, um in unserer Vorstellung zu existieren?

    Müssen wir es sehen? Oder reicht eine Beschreibung, aus der im Kopf ein eigenes Bild entsteht? Und ist dieses Bild dann noch das Werk der Künstlerin oder des Künstlers – oder bereits ein Stück weit unser eigenes?

    Gerade der Kontrast zwischen den beiden Stockwerken macht das Konzept so spannend.

    Unten möchte man mehr sehen, als man sehen kann.

    Oben kann man nur sehen, was man sich selbst vorstellt.

    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich

    Hinter jedem Bild steht ein Name. Meistens.

    An einer Wand des Helmhaus stehen die Namen der Künstlerinnen und Künstler des ersten Stocks dicht an dicht. Hunderte Namen werden zu einer beinahe grafischen Fläche.

    Bekannte Namen finden sich darunter, andere sind heute nur noch wenigen geläufig. Und zwischen all den Namen taucht immer wieder ein Wort auf: «Unbekannt».

    Auch das bleibt hängen.

    Denn plötzlich wird aus der überwältigenden Menge wieder etwas sehr Individuelles. Hinter fast jedem dieser Werke stand einmal ein Mensch mit einer eigenen Geschichte, einer eigenen Vorstellung davon, was Kunst sein kann – und vermutlich auch mit dem Wunsch, damit wahrgenommen zu werden.

    Erfolg in der Kunst ist dabei erstaunlich relativ.

    Wer wird ausgestellt? Wer wird gesammelt? Welche Werke schaffen es in die Kunstgeschichte? Welche verschwinden für Jahrzehnte in einem Depot? Und welche werden irgendwann wieder hervorgeholt und mit vollkommen anderen Augen betrachtet?

    Darauf gibt es keine einfache Antwort.

    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich

    Vielleicht muss Kunst nicht ständig sichtbar sein

    Es wäre allerdings zu einfach, ein Depot nur als einen Ort zu verstehen, an dem Kunst verschwindet.

    Museen bewahren Werke gerade deshalb auf, damit sie bleiben können. Nicht alles kann gleichzeitig gezeigt werden. Sammlungen überdauern Ausstellungen, Moden und manchmal auch die Aufmerksamkeit, die einem Künstler oder einer Künstlerin zu Lebzeiten zuteilwird.

    Ein Werk kann 50 Jahre nicht zu sehen sein – und trotzdem weiter existieren.

    Bis jemand es wieder hervorholt.

    «In der Sonne sitzen» führt diesen Gedanken auf ungewöhnliche Weise weiter. Die Ausstellung zeigt Kunst, die lange unsichtbar war, und erzählt gleichzeitig von Kunst, die bewusst unsichtbar bleibt.

    Dazwischen stehen wir als Besucher.

    Wir schauen, suchen, entdecken und stellen uns etwas vor.

    Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Stärke dieser Ausstellung. Sie zeigt nicht einfach möglichst viele Kunstwerke. Sie macht bewusst, wie sehr Kunst davon abhängt, dass jemand ihr Aufmerksamkeit schenkt.

    Und wie unterschiedlich diese Aufmerksamkeit aussehen kann.

    Manchmal genügt ein Blick.

    Manchmal braucht es Zeit.

    Und manchmal entsteht das Bild erst im Kopf.

    In der Sonne sitzen
    Helmhaus Zürich
    2. Oktober 2026 bis 3. Januar 2027
    Limmatquai 31, Zürich
    Eintritt frei

    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
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    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
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    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

  • Architektur, die nicht um Aufmerksamkeit kämpfen muss

    Architektur, die nicht um Aufmerksamkeit kämpfen muss

    Der Chipperfield-Bau des Kunsthaus Zürich zeigt seine Qualität nicht auf den ersten Blick. Gerade darin liegt seine Stärke.

    Auf den ersten Blick wirkt er streng, monumental, beinahe hermetisch: der Erweiterungsbau des Kunsthaus Zürich von David Chipperfield. Ein grosser, klar geschnittener Kubus aus Stein, der seit 2021 dem historischen Kunsthaus am Heimplatz gegenübersteht.

    Doch je länger man sich mit dem Gebäude beschäftigt, desto mehr beginnt sich dieser erste Eindruck aufzulösen. Hinter der scheinbaren Strenge steckt eine Architektur, die überraschend stark von Licht, Material, Proportionen und feinen Bezügen zur Umgebung lebt.

    Vor allem aber ist es ein Gebäude, das nicht selbst zum Kunstwerk werden will. Es schafft einen Rahmen für die Kunst – mit einer architektonischen Qualität, die sich oft erst auf den zweiten Blick erschliesst.

    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)

    Ein neues Haus, das die alten nicht ignoriert

    Das Kunsthaus ist selbst ein Stück Architekturgeschichte. Der Moser-Bau stammt von 1910, 1958 folgte der Pfister-Bau, 1976 der Erweiterungsbau von Erwin Müller. Chipperfield fügte diesem Ensemble ein weiteres Haus aus einer vollkommen anderen Zeit hinzu.

    Dabei ging es nicht darum, historische Architektur zu imitieren. Chipperfield suchte nach einer zeitgenössischen Antwort auf das Bestehende.

    Das zeigt sich besonders an der Fassade. Ihre schmalen vertikalen Lisenen aus Jurakalkstein erzeugen einen Rhythmus, der Bezüge zu den steinernen Fassaden des historischen Kunsthauses und anderer öffentlicher Zürcher Gebäude herstellt.

    Der Stein selbst ist dabei alles andere als steril. Seine Oberfläche und natürliche Struktur bringen Bewegung in die streng geometrische Ordnung. Je nach Licht verändert sich die Wirkung der Fassade, Schatten wandern über die vertikalen Elemente und lassen den massiven Baukörper lebendiger erscheinen.

    Was aus der Entfernung fast geschlossen wirkt, wird aus der Nähe differenzierter. Hinter und zwischen den steinernen Elementen liegen Fenster und Öffnungen, die asymmetrisch über die Fassade verteilt sind. Dadurch entsteht eine zweite Ebene innerhalb der strengen Ordnung.

    Gerade darin liegt eine Qualität dieses Gebäudes: Es drängt sich nicht mit spektakulären Formen auf. Seine Wirkung entsteht aus Rhythmus, Material, Licht und Proportion.

    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)

    Ein Museum, das nicht selbst zur Skulptur werden will

    Viele zeitgenössische Museumsbauten sind längst selbst zu Attraktionen geworden. Die Architektur wird zur weithin sichtbaren Skulptur und manchmal sogar zum eigentlichen Grund für einen Besuch.

    Der Chipperfield-Bau verfolgt einen anderen Ansatz.

    Sein Konzept basiert auf einem «Haus der Räume». Unterschiedlich grosse und proportionierte Säle bilden eine Folge von Räumen mit jeweils eigenem Charakter. Entscheidend ist dabei auch das Licht: Manche Ausstellungsbereiche lassen sich vollständig kontrollieren, andere beziehen gezielt Tageslicht ein.

    Damit reagiert die Architektur auf sehr unterschiedliche Anforderungen der Kunst – von klassischer Malerei über die Moderne bis zu zeitgenössischen Installationen, Fotografie und neuen Medien.

    Genau diese Funktionalität spielte bereits beim Architekturwettbewerb 2008 eine wesentliche Rolle. Chipperfields Entwurf setzte sich gegen 19 weitere Projekte durch. Die Jury sah darin eine besonders überzeugende Lösung der komplexen städtebaulichen, architektonischen und funktionalen Anforderungen.

    Das Museum sollte nicht nur mehr Fläche bekommen. Es brauchte Räume, die unterschiedlichste Formen der Präsentation ermöglichen und gleichzeitig effizient organisiert sind.

    Die Architektur ist damit nicht nur Hülle. Sie ist ein präzise entwickeltes Instrument für das Zeigen von Kunst.

    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)

    Der vielleicht eindrucksvollste Raum liegt zwischen den Ausstellungen

    Wer das Gebäude betritt, erlebt zunächst keine klassische Museumssituation.

    Die zentrale Eingangshalle nutzt die gesamte Höhe des Gebäudes und entwickelt dadurch eine fast monumentale Raumwirkung. Über mehrere Geschosse hinweg öffnet sich ein Raum, dessen Dimensionen man in Zürich kaum erwartet.

    Gleichzeitig verhindern die grossen Glasflächen, dass diese Monumentalität schwer oder abgeschlossen wirkt. Auf der einen Seite öffnet sich der Blick zum Heimplatz und zum historischen Kunsthaus, auf der anderen zum Garten der Kunst.

    So entsteht eine starke Sichtachse. Die Halle verbindet Altbau und Neubau, Stadt und Museum, Architektur und Umgebung.

    Interessant ist dabei auch, dass die grosse Glasfront nicht unmittelbar als Eingang dient. Der Zugang ist seitlich versetzt und über einen Vorraum organisiert. Diese Schleusensituation hat neben der räumlichen Inszenierung auch eine klimatische Funktion und schützt die grosse Halle vor einem direkten Austausch mit dem Aussenraum.

    Bemerkenswert ist vor allem die Materialität. Sichtbeton, weisser Marmor, helles Eichenholz und Messing bestimmen die Architektur. Eigentlich eine sehr reduzierte und puristische Materialwelt – und trotzdem wirkt der Raum nicht kalt.

    Vor allem das Messing spielt dabei eine wichtige Rolle. Es findet sich an Wandflächen, Türen, Handläufen, Liften und in der Signaletik und setzt warme Akzente gegenüber Beton und Stein.

    Hier zeigt sich das Prinzip des gesamten Gebäudes besonders deutlich: Die Architektur sucht nicht den schnellen Effekt. Ihre Qualität erschliesst sich über Proportionen, Materialien und Details – und oft erst auf den zweiten Blick.

    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)

    Die Qualität steckt auch im Detail

    Je länger man sich durch das Gebäude bewegt, desto stärker fallen die kleinen Dinge auf.

    Übergänge, Brüstungen und Handläufe sind sorgfältig ausgearbeitet. Harte geometrische Formen werden an manchen Stellen überraschend weich. Kanten sind gerundet, Messingelemente tauchen immer wieder auf und selbst Türgriffe werden zu kleinen gestalterischen Entdeckungen – teilweise in Form von Tierköpfen.

    Solche Details verändern nicht die Architektur als Ganzes. Aber sie verändern die Wahrnehmung.

    Der grosse, zunächst streng wirkende Bau bekommt dadurch etwas Menschliches. Man spürt, dass hier nicht nur über Kubatur und Quadratmeter nachgedacht wurde, sondern darüber, wie sich Menschen durch Räume bewegen, Materialien berühren und Architektur unmittelbar erleben.

    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)

    Architektur, die vom Licht lebt

    Vielleicht lässt sich der Chipperfield-Bau ohnehin weniger über seine Form als über sein Licht verstehen.

    Von aussen verändert der Schatten der steinernen Fassadengliederung die Wahrnehmung des Gebäudes. Innen wird Tageslicht gezielt eingesetzt, ohne die Anforderungen empfindlicher Kunstwerke aus den Augen zu verlieren.

    Besonders deutlich wird das in der zentralen Halle. Die grossen Glasflächen machen die Stadt zum Teil der Architektur. Der historische Moser-Bau gegenüber wird plötzlich selbst zum Bild.

    So entsteht eine interessante Umkehrung: Der Neubau steht nicht einfach neben dem alten Kunsthaus. Er inszeniert den Blick darauf.

    Alt und Neu treten miteinander in Beziehung, ohne dass das eine das andere imitieren muss.

    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)

    Vom Museum in die Stadt

    Chipperfields Entwurf endet nicht an der Fassade.

    Im Norden schliesst der Garten der Kunst an. Bereits im städtebaulichen Konzept war vorgesehen, zwei unterschiedliche öffentliche Räume zu schaffen: den urbanen Heimplatz auf der einen und einen offenen, grünen Raum auf der anderen Seite. Die zentrale Halle verbindet beide.

    Auch bei der Gestaltung des Gartens wurde die Umgebung mitgedacht. Statt einen vollkommen eigenständigen Landschaftsraum zu schaffen, nimmt die Bepflanzung Bezüge zu den Gärten des Quartiers auf. Der Übergang zwischen Museum und Umgebung soll fliessend wirken.

    Dieser Gedanke ist wesentlich für das Verständnis des Gebäudes. Das Kunsthaus sollte nicht nur zusätzliche Ausstellungsfläche erhalten, sondern sich stärker zur Stadt öffnen.

    Heute sind die Eingangshalle und der Garten auch ohne Besuch einer Ausstellung zugänglich. Menschen treffen sich hier, durchqueren die Halle oder halten sich im Aussenraum auf.

    Aus Museumsfläche wird öffentlicher Raum – ein Ort für Begegnung und Kommunikation.

    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)

    Ein Bau, der Zeit braucht

    Seit seiner Planung und Eröffnung wurde der Chipperfield-Bau kontrovers diskutiert. Seine Grösse, die strenge Geometrie und die steinerne Fassade boten genügend Stoff für Kritik. Gleichzeitig hatte die Zürcher Bevölkerung der Erweiterung des Kunsthauses 2012 in einer Volksabstimmung zugestimmt.

    Vielleicht gehört diese Ambivalenz sogar zu diesem Gebäude.

    Denn der Chipperfield-Bau versucht nicht, durch eine spektakuläre Geste unmittelbar zu gefallen. Er setzt auf etwas anderes: Proportion, Material, Licht, Rhythmus und eine konsequente Umsetzung bis ins Detail.

    Gerade deshalb lohnt es sich, näher hinzusehen.

    Denn hinter dem vermeintlich einfachen Kubus steckt ein erstaunlich komplexes Zusammenspiel aus Stadt, Architektur und Kunst. Der Bau nimmt sich nicht zurück, weil seine Architektur weniger wichtig wäre. Seine Stärke liegt vielmehr darin, präsent zu sein, ohne ständig Aufmerksamkeit einzufordern.

    Vielleicht ist genau das eine seiner grössten Qualitäten: eine Architektur, die nicht um Aufmerksamkeit kämpfen muss.

    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
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    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
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    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

    Ronald Wissler, Gründer von Artcircle
    Ronald Wissler, Gründer von Artcircle
  • Wenn abstrakte Kunst körperlich wird

    Wenn abstrakte Kunst körperlich wird

    The Body Within Abstraction im Museum Haus Konstruktiv

    Was hat der menschliche Körper mit abstrakter Kunst zu tun? Auf den ersten Blick vielleicht wenig. Gerade die konstruktiv-konkrete Kunst hat sich lange auf Linie, Farbe, Fläche, Geometrie und mathematische Systeme konzentriert. Der menschliche Körper schien darin kaum eine Rolle zu spielen.

    Die neue Ausstellung «The Body Within Abstraction» im Museum Haus Konstruktiv zeigt, dass diese Trennung weit weniger eindeutig ist. Acht international renommierte Künstlerinnen und Künstler machen auf sehr unterschiedliche Weise sichtbar, wie der Körper zum Massstab, Ausgangspunkt oder sogar zum eigentlichen Material abstrakter Kunst werden kann.

    Zu sehen sind Werke von Heidi Bucher, Eva Fàbregas, Kimsooja, Dóra Maurer, Bruce Nauman, Steven Parrino, Chiharu Shiota und Franz West. Die von Sabine Schaschl und Muriel Pérez kuratierte Gruppenausstellung erstreckt sich über den Ost- und Westteil des Museums.

    Der Körper als Massstab

    Besonders interessant ist dabei, wie unterschiedlich die Künstlerinnen und Künstler den Körper in ihre Arbeiten einbeziehen. Manchmal ist er unmittelbar präsent, manchmal nur durch seine Spuren, Bewegungen oder Proportionen.

    Bei Dóra Maurer wird der eigene Körper beispielsweise zum Messinstrument. In ihrer Filmarbeit «Proportions» von 1979 untersucht sie die Verhältnisse ihrer Gliedmassen zur eigenen Körperlänge und übersetzt diese in ein geometrisches System. Die Arbeit aus der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv bildet einen thematischen Ausgangspunkt der Ausstellung.

    Auch bei Bruce Nauman wird der Körper Teil eines Systems. In «Body Pressure» von 1974 besteht das Werk zunächst lediglich aus einer Anweisung: Der eigene Körper soll gegen eine Wand gedrückt und die Berührungspunkte bewusst wahrgenommen werden. Die Skulptur entsteht damit nicht als Objekt, sondern erst durch die körperliche Erfahrung der Betrachtenden.

    Noch unmittelbarer wird dieses Verhältnis in Naumans «Dance or Exercise on the Perimeter of a Square». Der Künstler bewegt sich entlang eines auf dem Boden markierten Quadrats. Aus einer geometrischen Linie wird Bewegung, aus dem abstrakten System eine körperliche Erfahrung.

    Zwischen Haut, Raum und Erinnerung

    Ganz anders nähert sich Heidi Bucher dem Thema. Ihre «Bodyshells» von 1972 umhüllen den menschlichen Körper wie eine zweite Haut und lassen die Grenze zwischen Mensch, Objekt und Raum verschwimmen. In der Ausstellung sind 2024 gefertigte Ausstellungskopien der vier Bodyshells zu sehen. Ein Film zeigt ihre ursprüngliche Performance am Venice Beach im Jahr 1972.

    Bei Kimsooja wiederum wird Textil zum Träger menschlicher Erfahrung. Ihre «Bottari» – Bündel aus Stoff – verweisen auf Reisen, Aufbruch und die Dinge, die Menschen mit sich tragen. In der Gegenüberstellung mit ihren auf Rahmen gespannten «Meta-Paintings» wird derselbe Stoff zugleich Fläche, Volumen und potenzielle Hülle des menschlichen Körpers.

    Eva Fàbregas lässt ihre Installationen fast selbst zu Körpern werden. Ihre organischen Latexformen erinnern an Haut, Gewebe oder innere Organe. Durch wiederholtes Aufblasen und Entleeren verändern sie sich: Die Oberflächen verlieren ihre Spannung, bilden Falten und werden zunehmend fragiler. Abstraktion erscheint hier beinahe als lebender Organismus.

    Spuren körperlicher Energie

    Bei Steven Parrino schreibt sich körperliche Energie direkt in die Leinwand ein. Er verschiebt, zerknittert und deformiert monochrome Bildflächen. Die klassische Geometrie des Bildträgers bleibt sichtbar, wird aber durch den physischen Eingriff aus ihrer Ordnung gebracht.

    Auch Franz West hinterfragt mit seinen berühmten «Passstücken» die Grenze zwischen Skulptur und Körper. Die abstrakten Gebilde aus Papiermaché und Gips waren ursprünglich dafür gedacht, vom Publikum aufgenommen und wie Erweiterungen oder Prothesen an den eigenen Körper angelegt zu werden.

    Den Abschluss bildet Chiharu Shiota mit «Endless Connections». Rote Fäden verdichten sich zu einem raumgreifenden Netzwerk, das an Blutgefässe oder neuronale Strukturen denken lässt. Unter dem Geflecht liegen Bronzeabgüsse der Hände der Künstlerin. Der Körper selbst ist nicht zu sehen – und scheint dennoch im gesamten Raum präsent.

    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction

    Eine Ausstellung, die den Raum braucht

    Gerade in den grosszügigen Räumen des neuen Museum Haus Konstruktiv entwickelt die Ausstellung eine besondere Wirkung. Die Arbeiten bekommen viel Raum, ohne isoliert zu wirken. Installationen, Filme, Skulpturen und konzeptuelle Arbeiten treten miteinander und mit der Architektur in Beziehung.

    Bei der Vernissage am 25. September wurde dies besonders spürbar. Trotz der vielen Besucherinnen und Besucher blieb die räumliche Wirkung der einzelnen Arbeiten erhalten. Die Präsentation wirkt grosszügig und präzise zugleich – und zeigt, welches Potenzial die neuen Räume im Löwenbräukunst-Areal für umfangreiche Ausstellungen besitzen.

    «The Body Within Abstraction» ist die erste Ausstellung seit dem Umzug, die sämtliche neuen Ausstellungsräume in Ost- und Westtrakt gemeinsam bespielt. Gleichzeitig feiert das Museum mit ihr sein 40-jähriges Bestehen.

    Vielleicht liegt genau darin eine zusätzliche Qualität dieser Ausstellung: Sie beschäftigt sich nicht nur mit Körpern, sondern auch mit deren Verhältnis zum Raum. Und diesen Raum kann man beim Rundgang selbst erfahren.

    The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv, Zürich
    26. September 2026 bis 10. Januar 2027
    Kuratiert von Sabine Schaschl und Muriel Pérez

    Weitere Informationen zur Ausstellung beim Museum Haus Konstruktiv

    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
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    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

  • Wann wird ein Kunstwerk zum Meisterwerk?

    Wann wird ein Kunstwerk zum Meisterwerk?

    Monet, Warhol, Picasso, Hodler, Taeuber-Arp oder Tinguely: Das Kunsthaus Zürich versammelt in seiner Ausstellung «Ikonen» Werke, die längst als Meisterwerke gelten. Doch wer entscheidet eigentlich darüber? Und was geschieht, wenn man Vertrautes aus seinem gewohnten Zusammenhang löst?

    Die Frage, wann ein Kunstwerk zum Meisterwerk wird, stand auch bei der Eröffnung von «Ikonen. Ausgewählte Werke der Sammlung» im Raum. Der Begriff «Meisterwerk» fiel an diesem Abend mehr als einmal – und tatsächlich verfügt das Kunsthaus Zürich über zahlreiche Arbeiten, die längst Teil unseres kollektiven Bildgedächtnisses geworden sind.

    Claude Monets Wasserlilien, Andy Warhols «Big Torn Campbell’s Soup Can», Franz Gertschs «Franz und Luciano» oder Werke von Pablo Picasso, Ferdinand Hodler und Sophie Taeuber-Arp: Manche davon kennt man, bevor man ihnen überhaupt im Original begegnet ist.

    Doch was macht ihren besonderen Status aus? Künstlerische Qualität, kunsthistorische Bedeutung, Bekanntheit – oder vielleicht auch die Art, wie wir ihnen begegnen?

    Ikonen – wenn Bekanntes plötzlich anders aussieht

    Für die Ausstellung wurden bekannte Werke aus ihren gewohnten Zusammenhängen gelöst und neu miteinander in Beziehung gesetzt. Das klingt zunächst nach einer einfachen kuratorischen Entscheidung. Tatsächlich verändert es den Blick erstaunlich stark.

    Auf rund 800 Quadratmetern im Chipperfield-Bau begegnen sich Werke, die zwischen 1622 und 1998 entstanden sind. Mal folgt die Präsentation einer zeitlichen Linie, mal setzt sie bewusst auf epochenübergreifende Dialoge.

    Claude Monet trifft auf Ferdinand Hodler, Paul Gauguin und Pierre Bonnard. Jean Tinguelys monumentale Maschinenskulptur begegnet einem Gemälde von H. R. Giger. Pablo Picassos «Grand Nu» wird Heidi Buchers «Das Bett» gegenübergestellt.

    Gerade solche Konstellationen machen den Reiz der von Maja Wismer, Leiterin Sammlung & Forschung am Kunsthaus Zürich, kuratierten Ausstellung aus. Nicht das einzelne Werk verändert sich – sein Umfeld tut es. Und damit verändert sich auch unsere Wahrnehmung.

    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung

    Wer entscheidet, was bedeutend ist?

    Damit berührt «Ikonen» eine weitere interessante Frage: Wer bestimmt eigentlich, welche Werke besondere Bedeutung erlangen?

    Kunstgeschichte, Museen und Sammlungen prägen unseren Blick darauf, was als bedeutend gilt. Doch Bedeutung entsteht ebenso auf einer persönlichen Ebene. Für «Ikonen» haben deshalb bekannte und weniger bekannte Zürcherinnen und Zürcher einzelne Werke aus der Sammlung ausgewählt und erzählen in begleitenden Texten, warum gerade diese Arbeiten für sie besonders sind.

    Das öffnet den Blick über die kunsthistorische Einordnung hinaus. Denn man kann erklären, weshalb ein Werk für die Kunstgeschichte von Bedeutung ist. Welche Wirkung es auf den einzelnen Menschen entfaltet, lässt sich dagegen kaum festlegen.

    Vielleicht ist es genau diese Spannung zwischen allgemein anerkannter Bedeutung und persönlicher Wahrnehmung, die eine Sammlung immer wieder neu interessant macht.

    Ein Kunsthaus für alle?

    Bemerkenswert war in diesem Zusammenhang auch die Eröffnung der Ausstellung am 10. September. Zunächst gehörte der Abend den Mitgliedern des Kunsthauses und ihren Gästen. Ab 20 Uhr öffneten sich die Türen dann unter dem Titel «Eröffnung für alle» kostenlos für die Öffentlichkeit. Die Plätze waren begrenzt, ein Gratis-Ticket beziehungsweise eine vorherige Registrierung war erforderlich.

    Um 20.30 Uhr begrüssten Kunsthaus-Direktorin Ann Demeester, Kuratorin Maja Wismer und weitere Gäste das Publikum im Festsaal des Chipperfield-Baus. Anschliessend blieb bis 22 Uhr Zeit, die Ausstellung selbst zu entdecken, miteinander ins Gespräch zu kommen und den Abend bei einem Glas Wein ausklingen zu lassen.

    Das mag zunächst nur ein Detail im Veranstaltungsprogramm sein. Gleichzeitig steht eine solche Öffnung für einen Gedanken, der weit über diesen Abend hinausgeht: Ein Museum bewahrt und präsentiert nicht nur Kunst. Es kann auch ein Ort der Begegnung sein – und Menschen dazu einladen, sich unabhängig von ihrem Vorwissen mit Kunst auseinanderzusetzen.

    Gerade bei einer Ausstellung, die sich mit herausragenden Werken einer bedeutenden Sammlung beschäftigt, bekommt dieser Aspekt eine zusätzliche Qualität. Denn die Frage, was als Meisterwerk gilt, gehört nicht nur in die Kunstgeschichte. Sie lässt sich auch vor dem Original immer wieder neu stellen.

    Ein neuer Blick auf Bekanntes

    Vielleicht liegt eine der Stärken von «Ikonen» genau darin: Die Ausstellung zeigt bekannte Werke, verändert ihre Nachbarschaften und damit auch unseren Blick auf sie. Sie lässt Raum für kunsthistorische Einordnung ebenso wie für ganz persönliche Begegnungen.

    Und so bleibt am Ende jene Frage offen, die bereits am Anfang stand:

    Wann wird ein Kunstwerk zum Meisterwerk?

    Vielleicht muss eine gute Ausstellung darauf gar keine Antwort geben.

    Manchmal genügt es, die Frage neu zu stellen.

    «Ikonen. Ausgewählte Werke der Sammlung»
    Kunsthaus Zürich, Chipperfield-Bau
    11. September 2026 bis 10. Januar 2027

    Website Kunsthaus Zürich

    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung: Direktorin Ann Demeester
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
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    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.

  • Zurich Art Weekend 2026: Wenn die Stadt zur Kunstlandschaft wird

    Zurich Art Weekend 2026: Wenn die Stadt zur Kunstlandschaft wird

    Das Zurich Art Weekend 2026 hat erneut eindrucksvoll gezeigt, weshalb sich die Veranstaltung in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Kunstereignisse der Schweiz entwickelt hat. Während sich die internationale Kunstwelt traditionell auf Basel vorbereitet, bietet Zürich bereits einige Tage zuvor die Gelegenheit, die Vielfalt und Qualität der hiesigen Kunstszene in konzentrierter Form zu erleben.

    Über mehrere Tage hinweg öffneten Museen, Kunsthallen, Galerien und Off-Spaces ihre Türen für ein vielseitiges Programm aus Ausstellungen, Führungen, Gesprächen und Begegnungen. Besonders bemerkenswert ist dabei die professionelle Organisation des Formats: Die zahlreichen Programmpunkte greifen ineinander, Wege sind kurz, Informationen klar aufbereitet und die Veranstaltungen sorgfältig aufeinander abgestimmt. Dadurch entsteht nicht nur Orientierung, sondern auch die Möglichkeit, Kunst in unterschiedlichsten Kontexten zu entdecken.

    Besonders eindrücklich war die aussergewöhnliche Dichte hochkarätiger Ausstellungen im Bereich der Rämistrasse und der Zürcher Altstadt. Innerhalb weniger Gehminuten eröffnete sich ein bemerkenswert breites Spektrum zeitgenössischer Positionen – von Malerei und Skulptur über Fotografie bis hin zu installativen und konzeptuellen Arbeiten. Die unmittelbare Nachbarschaft zahlreicher Galerien ermöglicht dabei einen direkten Vergleich unterschiedlicher künstlerischer Ansätze und macht die Vielfalt der aktuellen Kunstproduktion auf besondere Weise erlebbar.

    Auch die grossen Institutionen der Stadt trugen wesentlich zum Erfolg des Wochenendes bei. Museen und Ausstellungshäuser präsentierten anspruchsvolle Programme und ergänzten das Angebot der Galerien um weitere Perspektiven. Dadurch entstand ein facettenreiches Gesamtbild, das sowohl erfahrene Sammlerinnen und Sammler als auch kunstinteressierte Besucherinnen und Besucher ansprach.

    Neben den Ausstellungen selbst lebt das Zurich Art Weekend jedoch auch von den Begegnungen. Künstlerinnen und Künstler, Galeristinnen und Galeristen, Kuratorinnen und Kuratoren, Sammlerinnen und Sammler sowie Kunstinteressierte kommen miteinander ins Gespräch. Viele dieser Begegnungen entstehen spontan und tragen dazu bei, dass die Veranstaltung weit mehr ist als die Summe ihrer einzelnen Programmpunkte.

    Was besonders in Erinnerung bleibt, ist die hohe Qualität der präsentierten Arbeiten. Über alle besuchten Stationen hinweg zeigte sich ein bemerkenswertes Niveau, das die internationale Ausrichtung und den Anspruch des Zürich Art Weekend unterstreicht. Die Veranstaltung macht sichtbar, wie vielfältig, offen und vernetzt die Zürcher Kunstszene heute ist.

    Das Zurich Art Weekend 2026 bestätigte damit eindrucksvoll seine Rolle als wichtiger Treffpunkt für zeitgenössische Kunst – und als inspirierende Einstimmung auf die Kunstwoche in Basel.

    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
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    Zurich Art Weekend 2026
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    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026
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    Zurich Art Weekend 2026
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    Zurich Art Weekend 2026
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    Zurich Art Weekend 2026
    Zurich Art Weekend 2026

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.

    Die Fotos der Zurich Art Week entstanden unter anderem an folgenden Orten:

    Löwenbräukunst Areal

    Migros Museum für Gegenwartskunst

    Museum Haus Konstruktiv

    Helmhaus

    Galerie Eva Presenhuber

    Galerie Haas Zürich

    Galerie Peter Kilchman

    Galerie & Editions Stephan Wistchi – Fazal Sheikh

    Galerie Urs Meile

    Galerie Fabian Lang

    Tobias Mueller Modern Art

    Mai 36 Galerie

    Lea Bischofberger Gallery

    Pascal Robert Gallery

  • Monumentale Präsenz und erzählerische Tiefe – Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich

    Monumentale Präsenz und erzählerische Tiefe – Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich

    Mit der Ausstellung von Kerry James Marshall setzt das Kunsthaus Zürich erneut ein starkes Zeichen. Wer die Preview und Vernissage am 26. Februar 2026 besucht hat, spürte sofort: Hier geht es nicht um eine gewöhnliche Ausstellung, sondern um ein kuratorisches Statement von außergewöhnlicher Qualität.

    Schon beim ersten Rundgang beeindruckt die monumentale Größe der Arbeiten. Diese Bilder hängen nicht einfach an der Wand – sie behaupten Raum. Sie stehen selbstbewusst im Raum, fordern Aufmerksamkeit und lassen den Betrachter nicht in Distanz verharren. Man tritt näher, geht wieder zurück, entdeckt neue Ebenen.

    Marshall arbeitet mit einer Farbigkeit, die kraftvoll und präzise zugleich wirkt. Die Töne sind bewusst gesetzt, intensiv, manchmal fast ikonisch. Doch die visuelle Wucht ist nur der Einstieg. Je länger man sich mit einem einzelnen Werk beschäftigt, desto deutlicher wird: In jedem Bild steckt eine Vielzahl an Ideen, Referenzen und erzählerischen Schichten.

    Es sind Werke, die Zeit verlangen – und diese Zeit auch belohnen. Man könnte sich mit jedem einzelnen Bild über Stunden auseinandersetzen. Details offenbaren sich erst beim zweiten oder dritten Blick. Kompositorische Entscheidungen, kunsthistorische Bezüge, subtile Hinweise auf gesellschaftliche Themen – alles ist durchdacht, nichts zufällig.

    Was mich besonders beeindruckt hat, ist diese Verbindung aus inhaltlicher Tiefe und formaler Souveränität. Die Bilder sind komplex, aber nie überladen. Monumental, aber nie dekorativ. Sie besitzen eine Selbstverständlichkeit, die nur große künstlerische Positionen erreichen.

    Eine Vernissage mit spürbarer Intensität

    Die Vernissage war außergewöhnlich gut besucht – ein sehr interessiertes Publikum: anspruchsvolle Kunstfreunde, Sammler, Kenner, Journalisten und geladene Gäste sowie der Künstler selbst. Die einzigartigen Werke sorgten für Gesprächsstoff.

    Es lag eine spürbare Energie in den Räumen. Kein oberflächliches Event-Flair, sondern echte Auseinandersetzung. Man sah Menschen lange vor einzelnen Werken stehen, diskutierend, vergleichend, nachdenklich.

    Das Kunsthaus Zürich hat hier einmal mehr bewiesen, dass es Ausstellungen auf höchstem internationalen Niveau realisieren kann. Die Präsentation ist klar, großzügig und präzise inszeniert. Die Werke erhalten den Raum, den sie benötigen – physisch wie atmosphärisch.

    Einmaligkeit und Relevanz

    Diese Ausstellung ist in ihrer Dichte und Qualität außergewöhnlich. Die gezeigten Werke wirken nicht austauschbar oder repräsentativ im üblichen Sinne – sie sind eigenständig, kraftvoll, singulär.

    Gerade in einer Zeit, in der Bilder allgegenwärtig und schnell konsumierbar sind, entsteht hier das Gegenteil: eine Einladung zur Verlangsamung. Zur konzentrierten Betrachtung. Zur gedanklichen Vertiefung.

    Für mich persönlich war diese Ausstellung eine der eindrücklichsten Präsentationen der letzten Zeit. Monumental in ihrer physischen Erscheinung – und ebenso monumental in ihrer gedanklichen Tiefe.

    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
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    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
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    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
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    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
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    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
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    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich
    Preview und Vernissage Kerry James Marshall im Kunsthaus Zürich

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien. 

  • Richard Paul Lohse – Vernissage im Haus Konstruktiv

    Richard Paul Lohse – Vernissage im Haus Konstruktiv

    Das Haus Konstruktiv eröffnete das Jahr mit einer Einzelausstellung von Richard Paul Lohse (1902–1988), einem der bedeutendsten Schweizer Künstler und Theoretiker der konstruktiv-konkreten Kunst. Über fünfzig Werke veranschaulichen seinen berühmten systematischen Ansatz: Kompositionen, die strenger Logik folgen, Farben und Formen als grundsätzlich gleichwertige Elemente und eine Bildfläche, die sich in eine rhythmische, beinahe musikalische Struktur verwandelt, in der jedes Element sowohl mit dem Raum als auch mit den Betrachtenden in Beziehung tritt.

    Bereits in den 1940er-Jahren entwickelte Lohse seine eigene Bildsprache – lange bevor konzeptuelle und minimalistische Strömungen in den folgenden Jahrzehnten an Bedeutung gewannen. Seine Malerei basierte auf Zahlensystemen, Konstruktionsschemata und Farbtabellen. Hinter dieser Rationalität stand jedoch stets eine klare gesellschaftliche Haltung. Das Prinzip der quantitativen Gleichwertigkeit der Farben war für Lohse ein politisches Statement – ein visuelles Pendant zu einer Gesellschaft ohne Privilegien, in der kein Element eine hierarchische Überlegenheit besitzt.

    Zentrum der Ausstellung ist das Triptychon Serielles Reihenthema in achtzehn Farben (A, B, C) mit einer Gesamtlänge von beinahe sechs Metern. 108 gleich große Quadrate sind in sechs Reihen angeordnet, 18 Farben in identischen Anteilen verteilt. Dieses strenge Gleichgewicht verwandelt Abstraktion in eine politische Metapher: Die Struktur existiert als System des Zusammenlebens und entfaltet ihre Wirkung durch die Bewegung der Betrachtenden sowie durch die räumliche Dynamik der Ausstellung.

    Die Ausstellung ist vom 5. Februar bis zum 10. Mai 2026 im Museum Haus Konstruktiv in Zürich zu sehen. Sie zeigt Richard Paul Lohse als einen Künstler, für den Malerei zu einer Form sozialen Denkens wird – zurückhaltend, präzise und radikal in ihrem Glauben an Gleichheit als ordnendes Prinzip der Welt.

    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich
    Richard Paul Lohse Vernissage Museum Haus Konstruktiv Zürich

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.

  • Der Beyeler Ball 2025 – Inspiriert von Yayoi Kusama

    Der Beyeler Ball 2025 – Inspiriert von Yayoi Kusama

    Wenn die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel zum Ball lädt, verwandelt sich das Museum in ein farbenfrohes Gesamtkunstwerk. Beim diesjährigen Beyeler Ball stand alles im Zeichen der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama, deren spektakuläre Retrospektive derzeit die Räume der Fondation erfüllt.

    Inspiriert von Kusamas ikonischen Polka Dots erschienen viele Gäste in fantasievollen, teils extravaganten Outfits – ein lebendiges Echo auf die unendlichen Punktewelten der Künstlerin. Trotz des kühlen, regnerischen Wetters und der beiden Dancefloors ausserhalb der Ausstellungsräume herrschte gute Stimmung. Die Besucher:innen konnten sich frei zwischen Performance, Dancefloors und Ausstellung bewegen – Kunst und Begegnung verschmolzen dabei auf spielerische Weise.

    So wurde der Abend weniger zu einem Ball im klassischen Sinn, sondern zu einer inspirierenden Begegnung zwischen Kunst, Mode und Publikum – getragen von Neugier, Stil und der besonderen Magie, die Kusamas Werk ausstrahlt.

    fondationbeyeler.ch

    Beyeler Ball in der Fondation Beyeler am 25.10.2025
    Beyeler Ball in der Fondation Beyeler am 25.10.2025
    Beyeler Ball in der Fondation Beyeler am 25.10.2025
    Beyeler Ball in der Fondation Beyeler am 25.10.2025
    Beyeler Ball in der Fondation Beyeler am 25.10.2025
    Beyeler Ball in der Fondation Beyeler am 25.10.2025
    Beyeler Ball in der Fondation Beyeler am 25.10.2025
    Beyeler Ball in der Fondation Beyeler am 25.10.2025
    Beyeler Ball in der Fondation Beyeler am 25.10.2025
    Beyeler Ball in der Fondation Beyeler am 25.10.2025
    Beyeler Ball in der Fondation Beyeler am 25.10.2025

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.