Xiao Guo Hui bei Galerie Fabian Lang in Zürich
Beim Saisonstart der Zürcher Galerien am 17. September ist das Angebot gross, die Qualität hoch – und die Zeit für die einzelnen Stationen entsprechend knapp. Umso bemerkenswerter, wenn aus einem geplanten kurzen Besuch einer der längeren Aufenthalte des Abends wird. So geschehen bei Fabian Lang.
Dafür gab es gleich mehrere Gründe: die herzliche Begrüssung durch das Galerieteam, vertraute Begegnungen, gute Gespräche mit Fabian Lang und dem Künstler selbst – und vor allem Kunstwerke, vor denen man nicht einfach nach einem kurzen Blick weitergeht.
Denn je länger man die Arbeiten von Xiao Guo Hui betrachtet, desto mehr beginnt man zu entdecken.
Mit „This Side of the Mountain, the Other Side of the Water“ zeigt die Galerie Fabian Lang die zweite Einzelausstellung des Künstlers in Zürich. Die aktuelle Werkgruppe entstand über einen Zeitraum von rund zwei Jahren. Xiao Guo Hui arbeitet mit Eitempera auf Leinen – einer traditionellen Maltechnik, die seinen Bildern ihre besondere, beinahe entrückte Wirkung verleiht.
Doch es ist nicht allein die Technik, die den Blick festhält.
Vertraut – und doch vollkommen anders
Auf den ersten Blick begegnen uns Szenen und Kompositionen, die bisweilen etwas historisch Vertrautes besitzen. Xiao Guo Hui bezieht sich unter anderem auf die Bildwelten der Frührenaissance und Künstler wie Giotto oder Piero della Francesca. Auch bekannte Motive und Bildordnungen scheinen immer wieder auf.
Doch das vermeintlich Vertraute beginnt schnell zu kippen.
Historische Referenzen werden aufgegriffen, verfremdet und mit Elementen unserer Gegenwart verbunden. Religiöse und kunsthistorische Anklänge treffen auf moderne Symbole, gesellschaftliche Konflikte und irritierende Details. Manche Szenen erinnern in ihrer Komposition an Bilder, die tief im kollektiven visuellen Gedächtnis verankert sind – und erzählen dennoch etwas vollkommen anderes.
Gerade diese Überlagerungen machen die Arbeiten so spannend.
Je länger man hinsieht, desto mehr entdeckt man
Man kann Xiao Guo Huis Bilder aus der Distanz betrachten. Ihre eigentliche Faszination entfalten sie jedoch, wenn man näher herantritt und sich Zeit nimmt.
Dann beginnt das Auge zu wandern.
Über Figuren und Gesten, Gegenstände und Symbole, über kleine Nebenszenen bis hin zu winzigen Details, die beim ersten Blick kaum auffallen. Was zunächst nebensächlich erscheint, kann plötzlich eine neue Bedeutungsebene öffnen oder die Wahrnehmung der gesamten Szene verändern.
Das Betrachten wird fast zu einer Form des Lesens – nur ohne vorgegebene Reihenfolge.
Und genau darin liegt für mich eine besondere Qualität dieser Arbeiten: Sie erschliessen sich nicht auf einen Blick. Man entdeckt etwas, schaut weiter, kehrt zurück und entdeckt erneut etwas, das vorher übersehen wurde.
Gleichzeitig bleiben die Bilder offen für unterschiedliche Lesarten. Historische Referenzen treffen auf sehr gegenwärtige Themen. Krieg, gesellschaftliche Konflikte und unsere zunehmend medial vermittelte Wahrnehmung von Ereignissen spielen in der aktuellen Werkgruppe eine wichtige Rolle. Wie verändert sich unser Verhältnis zu einem Geschehen, wenn wir es vor allem über Bilder und Bildschirme erleben? Wie nah ist uns etwas, das wir sehen – und wie weit entfernt bleiben wir dennoch?
Xiao Guo Hui beantwortet diese Fragen nicht. Seine Bilder lassen sie im Raum stehen.
Wenn aus Kunst Gespräche entstehen
Die Vernissage war ausgesprochen gut besucht. Trotzdem blieb der Abend nicht bei der klassischen Betrachtung der Werke.
Fabian Lang führte persönlich in die Ausstellung ein und sprach über Xiao Guo Huis Arbeit und die Hintergründe der neuen Werkgruppe. Anschliessend kam auch der Künstler selbst zu Wort. Xiao Guo Hui und seine Frau waren zur Eröffnung in Zürich, und auch nach der offiziellen Einführung setzte sich der Austausch fort.
Der Künstler sprach mit den Gästen über seine Arbeiten, beantwortete Fragen und gab im persönlichen Gespräch weitere Einblicke in seine Gedanken und seine Arbeitsweise. Auch ich hatte Gelegenheit, mich sowohl mit ihm als auch etwas länger mit Fabian Lang auszutauschen.
Hinzu kamen spontane Begegnungen – unter anderem mit einer kunstinteressierten Bekannten, die ich dort traf. Genau solche Momente machen eine Vernissage für mich interessant: Kunst wird nicht nur betrachtet, sondern zum Ausgangspunkt für Gespräche und neue Perspektiven.
Vielleicht war genau das der Grund, warum aus dem geplanten kurzen Besuch einer der längeren Aufenthalte des Abends wurde.
Die herzliche Atmosphäre in der Galerie, interessante Begegnungen und Gespräche – und vor allem Bilder, bei denen man auch nach längerem Betrachten das Gefühl hat, noch längst nicht alles gesehen zu haben.
Xiao Guo Hui
This Side of the Mountain, the Other Side of the Water
17. September – 7. November 2026
Galerie Fabian Lang
Obere Zäune 12, 8001 Zürich

Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui

Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui

Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui

Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui

Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui

Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui

Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui

Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui

Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui

Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui

Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui

Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui

Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hu

Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui

Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui

Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui

Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui
Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.
