Schlagwort: Lea Bischofberger Gallery

  • Vessels – wenn ein Gefäss zur Erinnerung wird

    Vessels – wenn ein Gefäss zur Erinnerung wird

    Manchmal beginnt eine Ausstellung mit einer sehr einfachen Form. Bei Jasmin Blasco ist es das Gefäss. In seiner aktuellen Ausstellung „Vessels“ in der Lea Bischofberger Gallery in Zürich wird daraus ein Motiv, das sich immer wieder verändert – und gleichzeitig eine sehr persönliche Geschichte erzählt.

    Nach dem Tod seines Vaters Claude Picasso im August 2023 begann Blasco wieder regelmässig zu zeichnen. In den Tagen rund um dessen Einäscherung beschäftigte ihn die Vorstellung der Urne als Gefäss: Wie kann ein Objekt ein Leben aufnehmen, bewahren oder überhaupt repräsentieren? Gleichzeitig erinnerte er sich an antike griechische Keramiken, die ihm sein Vater bereits in seiner Kindheit nähergebracht hatte. 

    Daraus entwickelte sich eine tägliche zeichnerische Praxis. Von Ende 2023 bis September 2024 wurde das Gefäss zum wiederkehrenden Motiv, teilweise entstanden mehrere Zeichnungen am Tag. Mit wenigen Mitteln – Papier und Farbstiften – variierte Blasco Form, Linie, Farbe und Ornament immer wieder neu. Nicht das fertige Ergebnis stand dabei am Anfang, sondern ein Prozess, dessen Entwicklung bewusst offenblieb.

    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS

    Zarte Arbeiten, starke Räume

    Bemerkenswert ist auch ihre Präsentation. Lea Bischofberger nutzt Farbe immer wieder sehr bewusst als Teil ihrer Ausstellungen. Auch bei „Vessels“ bleiben die Wände nicht neutral: warme Terrakotta- und Rosétöne bilden den Hintergrund für die teilweise sehr feinen und zurückhaltenden Zeichnungen.

    Gerade dieser Kontrast gibt den Arbeiten Präsenz. Die farbigen Räume konkurrieren nicht mit ihnen, sondern scheinen sie regelrecht einzufassen. Besonders deutlich wird das bei einer Gruppe von zwölf kleinformatigen Zeichnungen, die streng angeordnet gemeinsam an einer Wand hängen. Aus einzelnen Variationen eines Motivs entsteht ein Gesamtbild.

    Auch die grösseren Gefässzeichnungen wirken in dieser Umgebung weniger wie isolierte Arbeiten als vielmehr wie Bestandteile eines Raumes, in dem Kunst und Inszenierung zusammengedacht werden.

    Eine Geschichte über mehrere Generationen

    Ganz im Hintergrund schwingt dabei eine bekannte Kunstgeschichte mit. Jasmin Blasco ist der Sohn von Claude Picasso und damit Enkel von Pablo Picasso. Claude hatte selbst eine enge Beziehung zur Keramik, nicht zuletzt durch seinen Vater, der sich intensiv mit diesem Medium beschäftigte. Blasco greift diese Familiengeschichte nach eigener Darstellung jedoch nicht bewusst als kunsthistorisches Programm auf. Sie bildet vielmehr einen Hintergrund, aus dem das Motiv des Gefässes hervorgegangen ist. 

    Auch zur Familie Bischofberger besteht eine lange persönliche Verbindung. Wie Nina Baier-Bischofberger bei der Vernissage erzählte, kennt die Familie Jasmin Blasco bereits seit seiner Kindheit. Eine kleine Randnotiz, die an diesem Abend dennoch gut zur persönlichen Atmosphäre der Ausstellung passte.

    Zeichnung trifft Sound

    „Vessels“ beschränkt sich zudem nicht auf die Arbeiten an den Wänden. Jasmin Blasco arbeitet eigentlich medienübergreifend mit Sound, Sprache, Film, Installation, Zeichnung und Performance. Für die Ausstellung erscheint auch eine signierte und nummerierte Publikation, die eines seiner ursprünglichen Skizzenbücher vollständig wiedergibt. Ergänzt wird sie durch eine Vinylplatte mit den Soundarbeiten „Water“ und „Ash“. 

    Damit lässt sich die Serie auf unterschiedliche Weise erleben: als einzelne Zeichnung an der Wand, als Abfolge im Skizzenbuch und über den Klang.

    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS

    Eigenständig – auch beim Termin

    Interessant war schliesslich auch der Zeitpunkt der Vernissage. Nur einen Tag zuvor hatte Zürich mit dem gemeinsamen Saisonstart der Galerien einen der dichtesten Kunstabende des Jahres erlebt. Lea Bischofberger entschied sich mit ihrer Eröffnung bewusst für den darauffolgenden Abend.

    Der Galerie geschadet hat das offensichtlich nicht. Zahlreiche Freunde und Wegbegleiter waren gekommen, und die Atmosphäre bot viel Raum für Gespräche. Vielleicht passt gerade diese Eigenständigkeit ziemlich gut zu einer Galerie, die auch bei der Gestaltung ihrer Räume selten den neutralen Weg wählt.

    Jasmin Blasco – Vessels
    18. September bis 31. Oktober 2026
    Lea Bischofberger Gallery, Rämistrasse 23, Zürich 

    Website Lea Bischlofberger Gallery

    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.

  • YELLOW – wenn eine Farbe den Raum übernimmt

    YELLOW – wenn eine Farbe den Raum übernimmt

    Lea Bischofberger Gallery versammelt in der Gruppenausstellung YELLOW sieben künstlerische Positionen rund um eine einzige Farbe. Ein überraschend vielschichtiges Konzept – und eine Inszenierung, die zeigt, wie sehr auch der Raum unsere Wahrnehmung von Kunst verändert.

    Ein Montagabend in Gelb

    Montagabend ist nicht unbedingt der klassische Termin für eine Vernissage. Vielleicht war gerade das ein guter Grund, die neue Ausstellung der Lea Bischofberger Gallery an diesem Abend zu eröffnen. Denn YELLOW war ausgesprochen gut besucht – von einem interessierten und interessanten Publikum, das sich sichtbar Zeit für die Werke und für Gespräche nahm.

    Im Mittelpunkt des Abends stand eine Farbe, die wir alle zu kennen glauben: Gelb.

    Die Gruppenausstellung vereint Arbeiten von Geraldina Bassani Antivari, Kate Daudy, Tilly Joos, Emma Larsson, Sarah Richani, Amanda Sandberg und Anna Skladmann. Malerei, Fotografie und Mixed Media treffen dabei aufeinander – verbunden nicht durch ein gemeinsames Thema oder eine Erzählung, sondern durch eine Farbe.

    Und genau darin liegt der Reiz.

    Eine Farbe, sieben Perspektiven

    Gelb kann leuchten, wärmen und Energie ausstrahlen. Es kann an Sonne, Spätsommer oder Licht erinnern. Gleichzeitig kann dieselbe Farbe irritieren, warnen oder beinahe künstlich wirken. Kaum eine Farbe scheint sich so selbstverständlich zwischen positiven und ambivalenten Assoziationen zu bewegen.

    YELLOW versucht nicht, diese Gegensätze aufzulösen. Im Gegenteil: Die Ausstellung lässt sie nebeneinander bestehen.

    In manchen Arbeiten tritt Gelb selbstbewusst in den Vordergrund, in anderen ist es eher eine atmosphärische Präsenz. Mal bestimmt es die Komposition, mal scheint es nur aufzuleuchten. Dadurch wird beim Rundgang schnell deutlich, wie erstaunlich unterschiedlich eine einzige Farbe wahrgenommen und künstlerisch interpretiert werden kann.

    Das verbindende Element schafft keine Gleichförmigkeit. Es macht vielmehr die Unterschiede sichtbar.

    Rosa statt White Cube

    Bemerkenswert ist aber nicht nur die Auswahl der Werke. Lea Bischofberger zeigt einmal mehr, dass eine Ausstellung nicht an der Kante des Bilderrahmens endet.

    Während sich viele Galerien nach wie vor auf das vermeintlich neutrale Weiss des klassischen White Cube verlassen, geht sie einen anderen Weg. Für YELLOW wurden die Wände der Galerie in einem zurückhaltenden Rosaton gestrichen.

    Gelb vor Rosa – das klingt zunächst fast gewagt.

    Im Raum funktioniert es erstaunlich selbstverständlich.

    Der warme Hintergrund nimmt den Werken nichts von ihrer Eigenständigkeit, sondern verleiht ihnen eine ungewöhnliche Präsenz. Farben reagieren aufeinander, Kontraste verändern sich, einzelne Arbeiten scheinen sich stärker vom Raum zu lösen, andere treten mit ihm regelrecht in einen Dialog.

    Die Wand wird damit nicht zur Kulisse, sondern zum Bestandteil der Inszenierung.

    Präsentation aus Überzeugung

    Gerade dieser Umgang mit dem Raum macht den Besuch interessant. Denn Kunst wird nie vollkommen neutral betrachtet. Licht, Architektur, Abstand – und eben auch die Farbe einer Wand – beeinflussen, wie wir ein Werk wahrnehmen.

    Bei YELLOW wird daraus kein aufdringliches Ausstellungskonzept. Die Inszenierung bleibt hinter den Arbeiten zurück und verändert dennoch subtil ihre Wirkung.

    Vielleicht ist das eine der Qualitäten dieser Ausstellung: Sie nimmt eine denkbar einfache Idee – eine Farbe – und zeigt, wie viele Möglichkeiten darin stecken.

    Sieben künstlerische Positionen. Unterschiedliche Medien und Handschriften. Gelb als einziger gemeinsamer Nenner.

    Und am Ende verlässt man die Galerie mit dem Eindruck, diese vermeintlich so vertraute Farbe ein wenig anders gesehen zu haben.

    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich
    Vernissage YELLOW Lea Bischofberger Gallery Zürich

    LEA BISCHOFBERGER GALLERY

    Rämistrasse 23
    8001 Zürich
    Schweiz

    +41 79 824 55 55

    Website

    Lea Bischofberger Gallery Ausstellung YELLOW – wenn eine Farbe den Raum übernimmt

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.