Lea Bischofberger Gallery versammelt in der Gruppenausstellung YELLOW sieben künstlerische Positionen rund um eine einzige Farbe. Ein überraschend vielschichtiges Konzept – und eine Inszenierung, die zeigt, wie sehr auch der Raum unsere Wahrnehmung von Kunst verändert.
Ein Montagabend in Gelb
Montagabend ist nicht unbedingt der klassische Termin für eine Vernissage. Vielleicht war gerade das ein guter Grund, die neue Ausstellung der Lea Bischofberger Gallery an diesem Abend zu eröffnen. Denn YELLOW war ausgesprochen gut besucht – von einem interessierten und interessanten Publikum, das sich sichtbar Zeit für die Werke und für Gespräche nahm.
Im Mittelpunkt des Abends stand eine Farbe, die wir alle zu kennen glauben: Gelb.
Die Gruppenausstellung vereint Arbeiten von Geraldina Bassani Antivari, Kate Daudy, Tilly Joos, Emma Larsson, Sarah Richani, Amanda Sandberg und Anna Skladmann. Malerei, Fotografie und Mixed Media treffen dabei aufeinander – verbunden nicht durch ein gemeinsames Thema oder eine Erzählung, sondern durch eine Farbe.
Und genau darin liegt der Reiz.
Eine Farbe, sieben Perspektiven
Gelb kann leuchten, wärmen und Energie ausstrahlen. Es kann an Sonne, Spätsommer oder Licht erinnern. Gleichzeitig kann dieselbe Farbe irritieren, warnen oder beinahe künstlich wirken. Kaum eine Farbe scheint sich so selbstverständlich zwischen positiven und ambivalenten Assoziationen zu bewegen.
YELLOW versucht nicht, diese Gegensätze aufzulösen. Im Gegenteil: Die Ausstellung lässt sie nebeneinander bestehen.
In manchen Arbeiten tritt Gelb selbstbewusst in den Vordergrund, in anderen ist es eher eine atmosphärische Präsenz. Mal bestimmt es die Komposition, mal scheint es nur aufzuleuchten. Dadurch wird beim Rundgang schnell deutlich, wie erstaunlich unterschiedlich eine einzige Farbe wahrgenommen und künstlerisch interpretiert werden kann.
Das verbindende Element schafft keine Gleichförmigkeit. Es macht vielmehr die Unterschiede sichtbar.
Rosa statt White Cube
Bemerkenswert ist aber nicht nur die Auswahl der Werke. Lea Bischofberger zeigt einmal mehr, dass eine Ausstellung nicht an der Kante des Bilderrahmens endet.
Während sich viele Galerien nach wie vor auf das vermeintlich neutrale Weiss des klassischen White Cube verlassen, geht sie einen anderen Weg. Für YELLOW wurden die Wände der Galerie in einem zurückhaltenden Rosaton gestrichen.
Gelb vor Rosa – das klingt zunächst fast gewagt.
Im Raum funktioniert es erstaunlich selbstverständlich.
Der warme Hintergrund nimmt den Werken nichts von ihrer Eigenständigkeit, sondern verleiht ihnen eine ungewöhnliche Präsenz. Farben reagieren aufeinander, Kontraste verändern sich, einzelne Arbeiten scheinen sich stärker vom Raum zu lösen, andere treten mit ihm regelrecht in einen Dialog.
Die Wand wird damit nicht zur Kulisse, sondern zum Bestandteil der Inszenierung.
Präsentation aus Überzeugung
Gerade dieser Umgang mit dem Raum macht den Besuch interessant. Denn Kunst wird nie vollkommen neutral betrachtet. Licht, Architektur, Abstand – und eben auch die Farbe einer Wand – beeinflussen, wie wir ein Werk wahrnehmen.
Bei YELLOW wird daraus kein aufdringliches Ausstellungskonzept. Die Inszenierung bleibt hinter den Arbeiten zurück und verändert dennoch subtil ihre Wirkung.
Vielleicht ist das eine der Qualitäten dieser Ausstellung: Sie nimmt eine denkbar einfache Idee – eine Farbe – und zeigt, wie viele Möglichkeiten darin stecken.
Sieben künstlerische Positionen. Unterschiedliche Medien und Handschriften. Gelb als einziger gemeinsamer Nenner.
Und am Ende verlässt man die Galerie mit dem Eindruck, diese vermeintlich so vertraute Farbe ein wenig anders gesehen zu haben.














LEA BISCHOFBERGER GALLERY
Rämistrasse 23
8001 Zürich
Schweiz
+41 79 824 55 55
Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.
