Manchmal beginnt eine Ausstellung mit einer sehr einfachen Form. Bei Jasmin Blasco ist es das Gefäss. In seiner aktuellen Ausstellung „Vessels“ in der Lea Bischofberger Gallery in Zürich wird daraus ein Motiv, das sich immer wieder verändert – und gleichzeitig eine sehr persönliche Geschichte erzählt.
Nach dem Tod seines Vaters Claude Picasso im August 2023 begann Blasco wieder regelmässig zu zeichnen. In den Tagen rund um dessen Einäscherung beschäftigte ihn die Vorstellung der Urne als Gefäss: Wie kann ein Objekt ein Leben aufnehmen, bewahren oder überhaupt repräsentieren? Gleichzeitig erinnerte er sich an antike griechische Keramiken, die ihm sein Vater bereits in seiner Kindheit nähergebracht hatte.
Daraus entwickelte sich eine tägliche zeichnerische Praxis. Von Ende 2023 bis September 2024 wurde das Gefäss zum wiederkehrenden Motiv, teilweise entstanden mehrere Zeichnungen am Tag. Mit wenigen Mitteln – Papier und Farbstiften – variierte Blasco Form, Linie, Farbe und Ornament immer wieder neu. Nicht das fertige Ergebnis stand dabei am Anfang, sondern ein Prozess, dessen Entwicklung bewusst offenblieb.
Bemerkenswert ist auch ihre Präsentation. Lea Bischofberger nutzt Farbe immer wieder sehr bewusst als Teil ihrer Ausstellungen. Auch bei „Vessels“ bleiben die Wände nicht neutral: warme Terrakotta- und Rosétöne bilden den Hintergrund für die teilweise sehr feinen und zurückhaltenden Zeichnungen.
Gerade dieser Kontrast gibt den Arbeiten Präsenz. Die farbigen Räume konkurrieren nicht mit ihnen, sondern scheinen sie regelrecht einzufassen. Besonders deutlich wird das bei einer Gruppe von zwölf kleinformatigen Zeichnungen, die streng angeordnet gemeinsam an einer Wand hängen. Aus einzelnen Variationen eines Motivs entsteht ein Gesamtbild.
Auch die grösseren Gefässzeichnungen wirken in dieser Umgebung weniger wie isolierte Arbeiten als vielmehr wie Bestandteile eines Raumes, in dem Kunst und Inszenierung zusammengedacht werden.
Eine Geschichte über mehrere Generationen
Ganz im Hintergrund schwingt dabei eine bekannte Kunstgeschichte mit. Jasmin Blasco ist der Sohn von Claude Picasso und damit Enkel von Pablo Picasso. Claude hatte selbst eine enge Beziehung zur Keramik, nicht zuletzt durch seinen Vater, der sich intensiv mit diesem Medium beschäftigte. Blasco greift diese Familiengeschichte nach eigener Darstellung jedoch nicht bewusst als kunsthistorisches Programm auf. Sie bildet vielmehr einen Hintergrund, aus dem das Motiv des Gefässes hervorgegangen ist.
Auch zur Familie Bischofberger besteht eine lange persönliche Verbindung. Wie Nina Baier-Bischofberger bei der Vernissage erzählte, kennt die Familie Jasmin Blasco bereits seit seiner Kindheit. Eine kleine Randnotiz, die an diesem Abend dennoch gut zur persönlichen Atmosphäre der Ausstellung passte.
Zeichnung trifft Sound
„Vessels“ beschränkt sich zudem nicht auf die Arbeiten an den Wänden. Jasmin Blasco arbeitet eigentlich medienübergreifend mit Sound, Sprache, Film, Installation, Zeichnung und Performance. Für die Ausstellung erscheint auch eine signierte und nummerierte Publikation, die eines seiner ursprünglichen Skizzenbücher vollständig wiedergibt. Ergänzt wird sie durch eine Vinylplatte mit den Soundarbeiten „Water“ und „Ash“.
Damit lässt sich die Serie auf unterschiedliche Weise erleben: als einzelne Zeichnung an der Wand, als Abfolge im Skizzenbuch und über den Klang.
Interessant war schliesslich auch der Zeitpunkt der Vernissage. Nur einen Tag zuvor hatte Zürich mit dem gemeinsamen Saisonstart der Galerien einen der dichtesten Kunstabende des Jahres erlebt. Lea Bischofberger entschied sich mit ihrer Eröffnung bewusst für den darauffolgenden Abend.
Der Galerie geschadet hat das offensichtlich nicht. Zahlreiche Freunde und Wegbegleiter waren gekommen, und die Atmosphäre bot viel Raum für Gespräche. Vielleicht passt gerade diese Eigenständigkeit ziemlich gut zu einer Galerie, die auch bei der Gestaltung ihrer Räume selten den neutralen Weg wählt.
Jasmin Blasco – Vessels 18. September bis 31. Oktober 2026 Lea Bischofberger Gallery, Rämistrasse 23, Zürich
Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.
Manche der interessantesten Kunstorte entdeckt man ungeplant.
Vernissagen sind nicht nur Orte für Kunst, sondern auch für Begegnungen und Austausch. So ergab sich bei „VESSELS“ in der Galerie Lea Bischofberger im Zürcher Seefeld aus einem Gespräch die spontane Einladung, anschliessend noch eine weitere Vernissage ganz in der Nähe zu besuchen: TWELVE ROOMS.
Ich kannte den Ort bis dahin nicht. Aus einem kurzen Abstecher wurde ein überraschend langer und besonderer Abend.
Denn TWELVE ROOMS ist alles andere als eine gewöhnliche Galerie.
Zwölf Fächer werden zu zwölf Ausstellungsräumen
An der Seefeldstrasse 9 befindet sich in einer Aussenfassade ein alter Verkaufsautomat mit zwölf verglasten Fächern. Wo früher Kaffee und Tee verkauft wurden, ist heute zeitgenössische Kunst zu sehen – in zwölf Ausstellungsräumen, Room I bis Room XII.
Hinter TWELVE ROOMS steht der Architekt Roman Sokalski. Die Idee entstand, wie er erzählt, eigentlich durch Zufall. Seit Jahren kam er an dem Automaten vorbei. Seine Büros und Firmen befinden sich zwischen Bellevue und Seefeld, ein befreundeter Geigenbauer arbeitet im selben Haus. Der ungenutzte Automat war einfach immer da – etwas vergessen und gleichzeitig erstaunlich präsent.
Irgendwann begann Sokalski, das Objekt mit anderen Augen zu betrachten. Gerade aus architektonischer Perspektive lag sein Potenzial eigentlich offen vor ihm: zwölf kleine Räume hinter Glas, mitten in der Stadt und jederzeit für alle sichtbar.
„Man muss eigentlich gar nicht viel hinzufügen“, sagt Sokalski.
So entstand 2026 TWELVE ROOMS – verbunden mit einem ebenso einfachen wie treffenden Gedanken:
Nothing to buy and everything to discover.
Ein Automat mit eigener Geschichte
Auch die Geschichte des Ortes macht das Projekt besonders.
Bis ungefähr zum Jahr 2000 befand sich in dem Haus das Café Gleich, eines der frühen vegetarischen Restaurants Zürichs. Das Gebäude gehört bis heute der Familie Gleich. An der Hausecke wurde der Automat eingebaut, um geröstete Kaffeebohnen und Tee zu verkaufen – jeweils für einen Franken.
Und er funktioniert vollständig mechanisch. Eine Einfrankenmünze wird eingeworfen, danach lässt sich das entsprechende Fach öffnen.
Irgendwann wurde ausgerechnet dieser Preis zum Problem. Für einen Franken liess sich kaum noch etwas sinnvoll verkaufen. Das Café verschwand, der Automat blieb – rund 25 Jahre weitgehend ungenutzt. Als Sokalski ihn übernahm, existierten nicht einmal mehr die Schlüssel.
Gerade diese Vorgeschichte ist für TWELVE ROOMS wesentlich. Der Automat wurde nie als Kunstraum entworfen. Seine Proportionen, seine Mechanik und seine zwölf Fächer waren längst vorhanden.
Aus zwölf Warenfächern wurden zwölf Ausstellungsräume.
Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
Florian Graf – Common Grounds
An diesem Abend eröffnete mit „Common Grounds“ von Florian Graf bereits die zweite Ausstellung bei TWELVE ROOMS.
Graf richtet den Blick auf Dinge, die uns im Alltag so selbstverständlich umgeben, dass wir sie kaum noch wahrnehmen: eine Tasse, einen Bleistift, eine Tube Kondensmilch. In seinen Arbeiten werden daraus Objekte, die von Sprache, Gewohnheiten, gesellschaftlichen Übereinkünften und gemeinsamer Erinnerung erzählen.
Besonders unmittelbar verbindet sich „Botany of Distribution“ mit der Geschichte des Ortes. Die Keramik-Edition erinnert an die ursprüngliche Funktion des Verkaufsautomaten und zugleich an eines unserer alltäglichsten sozialen Rituale: gemeinsam Tee oder Kaffee zu trinken und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Andere Arbeiten spielen mit Sprache und Bedeutung. „2B or not 2B“ und „Bilateral“ nehmen den Bleistift als Werkzeug des Zeichnens, Schreibens, Korrigierens und Verhandelns auf. Bei „Konsensmilch“ wird sogar die Kondensmilch zum Ausgangspunkt einer Reflexion über gesellschaftlichen Konsens – etwas vermeintlich Gemeinsames, das immer wieder neu hergestellt und ausgehandelt werden muss.
In den zwölf Fächern entsteht daraus keine lineare Erzählung. Vielmehr kreisen die Arbeiten um eine Frage: Wie bekommen alltägliche Gegenstände eine gemeinsame Bedeutung?
Der Ort könnte dafür kaum passender sein. Wo früher Waren ausgegeben wurden, werden heute Gedanken in Umlauf gebracht.
Wenn der Massstab plötzlich ein anderer wird
Bei der Auswahl der Künstlerinnen und Künstler spielt für Sokalski bisher auch der Zufall eine Rolle. Die ersten Positionen verbindet jedoch ein Interesse an Raum und eine gewisse Nähe zur Architektur.
Gerade Künstler, die normalerweise mit grossen Räumen oder Installationen arbeiten, stehen hier vor einer ungewöhnlichen Aufgabe. Statt einer Halle oder eines klassischen Galerieraums bleiben zwölf winzige Fächer.
„Der Automat zwingt zu einem völlig anderen Massstab“, beschreibt Sokalski diesen Reiz.
Zu einem starren kuratorischen Prinzip soll das allerdings nicht werden. Sokalski möchte den eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern möglichst grosse Freiheit lassen. Es gibt keine Vorgaben dafür, wie die zwölf Räume zu bespielen sind. Nicht ein festgelegtes Ausstellungsschema, sondern die Auseinandersetzung der jeweiligen Position mit diesem ungewöhnlichen Ort soll bestimmen, was entsteht.
Damit wird die räumliche Beschränkung paradoxerweise zu einer Form von Freiheit: Der Rahmen ist extrem klein – was darin passiert, bleibt weitgehend offen.
Von Sicherheit und Sehnsucht
Wie unterschiedlich das aussehen kann, zeigte bereits die erste Ausstellung „Halo Konsum / What Remains Is the Longing“ von Matthias Megyeri.
Megyeri beschäftigt sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit den kulturellen, sozialen und psychologischen Dimensionen von Sicherheit. Zäune, Stacheldraht, Schlösser, Ketten oder Alarmanlagen verlieren bei ihm ihre rein funktionale Bedeutung und werden zu eigentümlich verführerischen Objekten zwischen Schutz und Kontrolle, Anziehung und Abgrenzung.
Für TWELVE ROOMS wurden Arbeiten aus seinem „Sweet Dreams Security®“-Universum zu Miniaturen und beinahe zu Reliquien. Gerade in einem ehemaligen Verkaufsautomaten bekommt diese Verschiebung eine zusätzliche Ebene: Konsum, Begehren und das Versprechen von Sicherheit treffen auf einen Ort, der ursprünglich für den automatisierten Verkauf geschaffen wurde.
Megyeri lebt und arbeitet zwischen Stuttgart und London. Seine Arbeiten wurden international gezeigt, unter anderem im Museum of Modern Art in New York, im Design Museum London und im Israel Museum in Jerusalem. Werke seiner „Sweet Dreams Security®“-Serie befinden sich unter anderem in den Sammlungen des MoMA und des Ludwig Museums Budapest.
Dass sowohl Matthias Megyeri als auch Florian Graf an diesem Abend anwesend waren, machte es möglich, nicht nur die Arbeiten zu betrachten, sondern den Ort und seine Idee unmittelbar im Austausch zu erleben.
Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf (links) und Roman Sokalski (rechts) in Zürich Seefeld
Wenn die Galerie auf die Strasse wächst
Was mich an diesem Abend mindestens genauso beeindruckt hat wie das Ausstellungskonzept, spielte sich vor den zwölf Räumen ab.
Die Vernissage war sehr gut besucht. Menschen standen vor der Fassade und auf dem Trottoir, unterhielten sich bei Sekt und Wein, dazu gab es ein Buffet. Viele kannten sich, andere kamen hinzu. Menschen aus Kunst, Architektur und dem kreativen Umfeld trafen aufeinander, Gespräche entstanden und neue Bekanntschaften ebenso.
Aus einer Vernissage vor zwölf winzigen Ausstellungsräumen wurde im Laufe des Abends fast eine kleine Party, die bis in die späten Stunden dauerte.
Und damit passierte etwas Interessantes: Die eigentliche Galerie blieb unverändert klein, aber ihr Raum wurde immer grösser.
Das Trottoir wurde zum Treffpunkt, die Strasse zum Kommunikationsraum.
Vielleicht liegt genau darin eine besondere Qualität von TWELVE ROOMS. Kunst wird hier nicht durch Quadratmeter definiert. Die zwölf Fächer geben den Werken einen konzentrierten Rahmen – und alles, was daraus an Begegnungen, Gesprächen und Gedanken entsteht, breitet sich davor aus.
Vom Verkaufsautomaten zum Kunstraum – und wieder zurück
Sokalski interessiert gerade das Spannungsfeld zwischen der heutigen künstlerischen Nutzung und der ursprünglichen Funktion des Automaten.
In der Adventszeit soll deshalb aus „Nothing to buy“ vorübergehend wieder etwas werden, das man tatsächlich kaufen kann. Geplant ist, handgeschriebene Witze von Künstlerinnen und Künstlern für einen Franken anzubieten.
Dann funktioniert der alte Mechanismus wieder wie früher: Münze einwerfen, Fach öffnen, etwas entnehmen.
Nur dass statt Kaffee oder Tee diesmal eine Idee verkauft wird.
Es ist eine kleine Intervention, die sehr gut zu TWELVE ROOMS passt. Die Geschichte des Ortes wird nicht nostalgisch konserviert, sondern immer wieder neu aufgegriffen und weitergedacht.
Was als Nächstes kommt
Auch die nächste Ausstellung zeigt, wie unterschiedlich die zwölf Räume interpretiert werden können. Im November folgt „Persona Hotel“ von lu:nu einer anonymen dänischen Künstlerin.
Dann verwandeln sich die Fächer in zwölf identische Hotelzimmer und zugleich in kleine Kinos. In jedem erscheint dasselbe Bild einer einzelnen Figur mit geometrischer Maske. Durch die Wiederholung verschiebt sich der Blick vom Individuum hin zu Fragen nach Identität, sozialer Rolle und dem, was Menschen miteinander verbindet.
Wieder werden die zwölf Räume also nicht einfach gefüllt. Ihre Architektur wird zum Ausgangspunkt der künstlerischen Idee.
Vielleicht ist es genau das, was TWELVE ROOMS so interessant macht: ein fast übersehbarer Ort mitten in Zürich, eine vorhandene Struktur, die niemand als Galerie geplant hat, und ein Initiator, der darin das Potenzial für Kunst erkannt hat.
Für mich begann der Abend mit einer spontanen Einladung. Ich wollte eigentlich nur kurz vorbeischauen und blieb viel länger als gedacht.
Es sind solche Orte und Begegnungen, die zeigen, wie vielfältig eine Kunstszene sein kann – gerade auch abseits der grossen Museen und etablierten Galerien.
Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich SeefeldVernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich SeefeldVernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich SeefeldVernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich SeefeldVernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich SeefeldVernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich SeefeldVernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich SeefeldVernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich SeefeldVernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich SeefeldVernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich SeefeldVernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich SeefeldVernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich SeefeldVernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.
Beim Saisonstart der Zürcher Galerien am 17. September ist das Angebot gross, die Qualität hoch – und die Zeit für die einzelnen Stationen entsprechend knapp. Umso bemerkenswerter, wenn aus einem geplanten kurzen Besuch einer der längeren Aufenthalte des Abends wird. So geschehen bei Fabian Lang.
Dafür gab es gleich mehrere Gründe: die herzliche Begrüssung durch das Galerieteam, vertraute Begegnungen, gute Gespräche mit Fabian Lang und dem Künstler selbst – und vor allem Kunstwerke, vor denen man nicht einfach nach einem kurzen Blick weitergeht.
Denn je länger man die Arbeiten von Xiao Guo Hui betrachtet, desto mehr beginnt man zu entdecken.
Mit „This Side of the Mountain, the Other Side of the Water“ zeigt die Galerie Fabian Lang die zweite Einzelausstellung des Künstlers in Zürich. Die aktuelle Werkgruppe entstand über einen Zeitraum von rund zwei Jahren. Xiao Guo Hui arbeitet mit Eitempera auf Leinen – einer traditionellen Maltechnik, die seinen Bildern ihre besondere, beinahe entrückte Wirkung verleiht.
Doch es ist nicht allein die Technik, die den Blick festhält.
Impressionen Vernissage Galerie Fabian Lang Xiao Guo_ Hui
Vertraut – und doch vollkommen anders
Auf den ersten Blick begegnen uns Szenen und Kompositionen, die bisweilen etwas historisch Vertrautes besitzen. Xiao Guo Hui bezieht sich unter anderem auf die Bildwelten der Frührenaissance und Künstler wie Giotto oder Piero della Francesca. Auch bekannte Motive und Bildordnungen scheinen immer wieder auf.
Doch das vermeintlich Vertraute beginnt schnell zu kippen.
Historische Referenzen werden aufgegriffen, verfremdet und mit Elementen unserer Gegenwart verbunden. Religiöse und kunsthistorische Anklänge treffen auf moderne Symbole, gesellschaftliche Konflikte und irritierende Details. Manche Szenen erinnern in ihrer Komposition an Bilder, die tief im kollektiven visuellen Gedächtnis verankert sind – und erzählen dennoch etwas vollkommen anderes.
Gerade diese Überlagerungen machen die Arbeiten so spannend.
Je länger man hinsieht, desto mehr entdeckt man
Man kann Xiao Guo Huis Bilder aus der Distanz betrachten. Ihre eigentliche Faszination entfalten sie jedoch, wenn man näher herantritt und sich Zeit nimmt.
Dann beginnt das Auge zu wandern.
Über Figuren und Gesten, Gegenstände und Symbole, über kleine Nebenszenen bis hin zu winzigen Details, die beim ersten Blick kaum auffallen. Was zunächst nebensächlich erscheint, kann plötzlich eine neue Bedeutungsebene öffnen oder die Wahrnehmung der gesamten Szene verändern.
Das Betrachten wird fast zu einer Form des Lesens – nur ohne vorgegebene Reihenfolge.
Und genau darin liegt für mich eine besondere Qualität dieser Arbeiten: Sie erschliessen sich nicht auf einen Blick. Man entdeckt etwas, schaut weiter, kehrt zurück und entdeckt erneut etwas, das vorher übersehen wurde.
Gleichzeitig bleiben die Bilder offen für unterschiedliche Lesarten. Historische Referenzen treffen auf sehr gegenwärtige Themen. Krieg, gesellschaftliche Konflikte und unsere zunehmend medial vermittelte Wahrnehmung von Ereignissen spielen in der aktuellen Werkgruppe eine wichtige Rolle. Wie verändert sich unser Verhältnis zu einem Geschehen, wenn wir es vor allem über Bilder und Bildschirme erleben? Wie nah ist uns etwas, das wir sehen – und wie weit entfernt bleiben wir dennoch?
Xiao Guo Hui beantwortet diese Fragen nicht. Seine Bilder lassen sie im Raum stehen.
Wenn aus Kunst Gespräche entstehen
Die Vernissage war ausgesprochen gut besucht. Trotzdem blieb der Abend nicht bei der klassischen Betrachtung der Werke.
Fabian Lang führte persönlich in die Ausstellung ein und sprach über Xiao Guo Huis Arbeit und die Hintergründe der neuen Werkgruppe. Anschliessend kam auch der Künstler selbst zu Wort. Xiao Guo Hui und seine Frau waren zur Eröffnung in Zürich, und auch nach der offiziellen Einführung setzte sich der Austausch fort.
Der Künstler sprach mit den Gästen über seine Arbeiten, beantwortete Fragen und gab im persönlichen Gespräch weitere Einblicke in seine Gedanken und seine Arbeitsweise. Auch ich hatte Gelegenheit, mich sowohl mit ihm als auch etwas länger mit Fabian Lang auszutauschen.
Hinzu kamen spontane Begegnungen – unter anderem mit einer kunstinteressierten Bekannten, die ich dort traf. Genau solche Momente machen eine Vernissage für mich interessant: Kunst wird nicht nur betrachtet, sondern zum Ausgangspunkt für Gespräche und neue Perspektiven.
Vielleicht war genau das der Grund, warum aus dem geplanten kurzen Besuch einer der längeren Aufenthalte des Abends wurde.
Die herzliche Atmosphäre in der Galerie, interessante Begegnungen und Gespräche – und vor allem Bilder, bei denen man auch nach längerem Betrachten das Gefühl hat, noch längst nicht alles gesehen zu haben.
Xiao Guo Hui This Side of the Mountain, the Other Side of the Water 17. September – 7. November 2026 Galerie Fabian Lang Obere Zäune 12, 8001 Zürich
Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hu Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui
Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.
Opening bei Mai 36 Galerie: Hiroki Tsukuda, Markus Saile und «flowers» auf drei Etagen
Drei Etagen, sehr unterschiedliche künstlerische Positionen und eine Ausstellung, bei der nicht nur die Werke, sondern auch ihre Beziehung zum Raum in Erinnerung bleibt. Beim Opening der Mai 36 Galerie begegnen sich die futuristisch anmutenden Bildwelten von Hiroki Tsukuda und die vielschichtige Malerei von Markus Saile – ergänzt durch die Gruppenausstellung «flowers». Ein Abend voller Kunst, überraschender Perspektiven und guter Gespräche.
Wenn aus einem Galeriebesuch eine Begegnung wird
Es gibt Vernissagen, bei denen man die Kunst betrachtet. Und es gibt Abende, an denen aus dem Betrachten Gespräche entstehen – mit Künstlern, Galeristen und anderen Besuchern. Das Opening bei Mai 36 gehörte für mich eindeutig zur zweiten Kategorie.
Über drei Etagen verteilten sich sehr unterschiedliche künstlerische Positionen und ebenso unterschiedliche Stimmungen. Hiroki Tsukuda und Markus Saile waren beide persönlich anwesend, ebenso Victor Gisler, Inhaber der Mai 36 Galerie. Ich hatte Gelegenheit, mich mit allen drei auszutauschen. Und auch mit anderen Gästen entstanden immer wieder Gespräche über einzelne Arbeiten, Wahrnehmungen und persönliche Favoriten.
Diese kommunikative und offene Atmosphäre passte erstaunlich gut zu einem Ausstellungsabend, bei dem es ohnehin viel zu entdecken gab.
Denn schon der Weg durch die drei Etagen wurde zu einer kleinen Dramaturgie.
Hiroki Tsukuda: Welten zwischen Realität und Fiktion
Im Erdgeschoss beginnt der Rundgang mit Hiroki Tsukudas Ausstellung «Inferno».
Der 1978 in Japan geborene Künstler entwickelt eine Bildsprache, die sich einer schnellen Einordnung entzieht. Zeichnung, Architektur, technische Strukturen und organisch anmutende Formen verbinden sich zu komplexen Bildwelten, die gleichzeitig vertraut und vollkommen fremd erscheinen.
Tsukuda arbeitet dabei an der Schnittstelle von digitalen und analogen Prozessen. Eigene Zeichnungen und Fotografien ebenso wie gefundene Bildmotive können zunächst digital kombiniert, verändert und aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen gelöst werden. Die eigentlichen Arbeiten entstehen anschliessend von Hand.
Gerade dieser Gegensatz ist faszinierend.
Auf den ersten Blick könnte man meinen, Ausschnitte einer digital konstruierten Zukunft vor sich zu haben. Doch je näher man den Arbeiten kommt, desto stärker offenbaren sie ihre zeichnerische Präzision und ihren Detailreichtum.
Architektonische Fragmente treffen auf technische Systeme, geometrische Konstruktionen auf Formen, die beinahe organisch wirken. Manche Arbeiten erinnern an Stadtlandschaften einer unbekannten Zukunft, andere an Pläne oder Kartografien von Orten, die möglicherweise gar nicht existieren.
Zwischen Kontrolle und Chaos
Was mich an Tsukudas Arbeiten besonders interessiert, ist dieses permanente Wechselspiel zwischen Ordnung und Kontrollverlust.
Man versucht, Strukturen zu erkennen, Zusammenhänge herzustellen und sich innerhalb der Bilder zu orientieren. Doch kaum glaubt man, einen Zugang gefunden zu haben, öffnet sich bereits die nächste Ebene.
Das macht die Arbeiten ausgesprochen eigenständig.
Science-Fiction klingt darin ebenso an wie urbane Architektur, digitale Bildwelten oder die Ästhetik technischer Systeme. Gleichzeitig bleiben die Arbeiten weit genug von eindeutigen Erzählungen entfernt, um Raum für die eigene Vorstellung zu lassen.
Tsukuda zeigt keine Zukunft, die sich einfach entschlüsseln lässt. Er entwirft vielmehr Parallelwelten, die unserer eigenen erstaunlich nahekommen und dennoch nach anderen Regeln zu funktionieren scheinen.
Gerade deshalb lohnt es sich, vor diesen Arbeiten Zeit zu verbringen. Sie erschliessen sich nicht mit einem schnellen Blick – und genau darin liegt ihre Qualität.
«flowers»: ein vertrautes Motiv, viele Perspektiven
Eine Etage höher verändert sich die Atmosphäre.
Mit «flowers» versammelt Mai 36 Arbeiten unterschiedlicher Künstlerinnen und Künstler, darunter Jacopo Benassi, Roe Ethridge, Pia Fries, Gowoon Lee, Robert Mapplethorpe, Matt Mullican, Thomas Ruff, Paul Thek, Jack Warne und Leon Xu.
Was sie verbindet, ist eines der ältesten und vermeintlich vertrautesten Motive der Kunstgeschichte: die Blume.
Doch eine klassische Blumenausstellung ist «flowers» gerade nicht.
Das Motiv wird fotografisch, malerisch, konzeptuell oder beinahe beiläufig aufgegriffen. Die Blume kann Schönheit und Vergänglichkeit symbolisieren, formaler Ausgangspunkt sein oder zur Projektionsfläche ganz anderer Themen werden.
Gerade zwischen den beiden Einzelausstellungen funktioniert diese Etage wie ein bewusst gesetzter Zwischenraum. Nach Tsukudas dichten, futuristisch anmutenden Welten öffnet sich der Blick, bevor sich im zweiten Obergeschoss das Verhältnis von Kunst und Raum noch einmal vollkommen verändert.
Markus Saile: Wenn die Wand Teil des Bildes wird
Bei Markus Saile und seiner Ausstellung «False Horizon» beginnt man zunächst mit den Bildern – und stellt irgendwann fest, dass man längst auch die Wände betrachtet.
Der in Köln lebende Künstler arbeitet mit stark verdünnter Ölfarbe auf Holz. In zahlreichen Schichten entstehen Malereien, in denen Farben, Flächen und Gesten einander überlagern. Etwas scheint aufzutauchen, anderes wieder zu verschwinden. Räume entstehen, ohne tatsächlich dargestellt zu werden.
Schon diese Malerei spielt mit unserer Wahrnehmung von Fläche und Tiefe.
Doch in den Räumen von Mai 36 kam für mich noch eine zweite Ebene hinzu: die aussergewöhnliche Art der Präsentation.
Eine Hängung gegen die Erwartung
Die Arbeiten waren nicht einfach an den dafür naheliegenden Wandflächen platziert. Ganz im Gegenteil.
Bilder wurden teilweise an Raumkanten und über Ecken hinweg positioniert. An anderer Stelle hingen mehrere Arbeiten unterschiedlicher Formate – darunter extrem schmale – dicht an einem Türrahmen. Gleichzeitig blieb ausgerechnet jene zentrale Wandfläche leer, an der man bei einer klassischen Galeriehängung wahrscheinlich das Hauptwerk erwartet hätte.
Das klingt zunächst nach einem Detail der Ausstellungsgestaltung. Vor Ort verändert es jedoch die Wahrnehmung des gesamten Raumes.
Denn wir haben gelernt, wie wir uns in einer Ausstellung verhalten sollen. Wir betreten einen Raum, suchen die grossen freien Wandflächen und erwarten dort die Kunst.
Hier funktioniert diese Orientierung plötzlich nicht mehr.
Der Blick wandert zu den Rändern. Zu einer Ecke. An einen Türrahmen. In den Übergang zum nächsten Raum. Und irgendwann bemerkt man, dass auch die bewusst leer gelassene Wand Teil der Inszenierung geworden ist.
Kunst und Architektur auf Augenhöhe
Gerade diese Präsentation gehörte für mich zu den überraschendsten Erfahrungen des Abends. Ich habe viele unterschiedliche Ausstellungskonzepte gesehen – eine derart konsequente und zugleich selbstverständlich wirkende Einbeziehung der vorhandenen Architektur ist mir bisher jedoch kaum begegnet.
Entscheidend ist dabei, dass die ungewöhnliche Hängung nicht wie ein gestalterischer Effekt wirkt.
Sie entspricht vielmehr erstaunlich genau Sailes eigener Auseinandersetzung mit Raum, Fläche und Wahrnehmung.
Die Bilder besetzen die Architektur nicht einfach. Sie reagieren auf sie.
Plötzlich werden Ecken, Durchgänge, Wandflächen, Abstände und Leerräume relevant. Der schmale Streifen neben einem Türrahmen bekommt ebenso viel Aufmerksamkeit wie eine grosse freie Wand.
Damit verschiebt sich auch eine ganz grundlegende Frage: Es geht nicht mehr nur darum, was an einer Wand hängt, sondern ebenso darum, wo es hängt – und was dieser Ort mit dem Bild macht.
Die Architektur ist nicht länger neutraler Hintergrund für die Kunst. Sie wird zu ihrem Gegenüber.
Drei Etagen – drei Arten des Sehens
Vielleicht war genau das die Stärke dieses Abends bei Mai 36: Die drei Etagen wollten nicht dasselbe erzählen.
Im Erdgeschoss zieht Hiroki Tsukuda den Betrachter in hochkomplexe imaginäre Welten hinein. Seine Arbeiten fordern dazu auf, genauer hinzusehen, Strukturen zu suchen und sich immer wieder neu zu orientieren.
Eine Etage darüber zeigt «flowers», wie unterschiedlich ein scheinbar vertrautes Motiv künstlerisch interpretiert werden kann.
Und bei Markus Saile im zweiten Obergeschoss richtet sich der Blick schliesslich nicht mehr nur auf die Bilder. Er beginnt, durch die Bilder hindurch auch den Raum selbst neu wahrzunehmen.
Drei vollkommen unterschiedliche Erfahrungen – und gerade deshalb ein spannender Rundgang.
Kunst findet nicht nur an der Wand statt
Was von diesem Opening bleibt, sind deshalb nicht nur einzelne Werke.
Es ist auch die Erfahrung, wie unterschiedlich Kunst unsere Wahrnehmung verändern kann: Tsukuda erschafft Räume innerhalb seiner Bilder. Saile lässt seine Malerei mit dem realen Raum in Beziehung treten. Und dazwischen öffnet «flowers» ein bekanntes Motiv für ganz unterschiedliche Interpretationen.
Hinzu kamen die Begegnungen des Abends. Dass beide Künstler anwesend waren, Victor Gisler als Galerist ebenso präsent war und sich auch unter den Gästen immer wieder Gespräche entwickelten, machte aus dem Ausstellungsbesuch mehr als einen Rundgang durch drei Etagen.
Vielleicht ist das ohnehin eine der schönsten Eigenschaften einer guten Vernissage.
Man kommt wegen der Kunst. Man beginnt zu schauen. Man kommt ins Gespräch. Und manchmal verlässt man die Galerie mit einem anderen Blick auf die Dinge, als man sie betreten hat.
Opening: Hiroki Tsukuda Mai 36 GalerieOpening: Hiroki Tsukuda Mai 36 GalerieOpening: Hiroki Tsukuda Mai 36 GalerieOpening: Hiroki Tsukuda Mai 36 GalerieOpening: Hiroki Tsukuda Mai 36 GalerieOpening: Hiroki Tsukuda Mai 36 GalerieOpening: Hiroki Tsukuda Mai 36 GalerieOpening: Markus Saile Mai 36 GalerieOpening: Markus Saile Mai 36 GalerieOpening: Markus Saile Mai 36 GalerieOpening: Markus Saile Mai 36 GalerieOpening: Markus Saile Mai 36 GalerieOpening: Markus Saile Mai 36 GalerieOpening: Markus Saile Mai 36 GalerieOpening: Markus Saile Mai 36 GalerieOpening: Markus Saile Mai 36 GalerieOpening: Markus Saile Mai 36 GalerieOpening: Flowers Mai 36 GalerieOpening: Flowers Mai 36 GalerieOpening: Flowers Mai 36 GalerieOpening: Flowers Mai 36 GalerieOpening: Flowers Mai 36 Galerie
Hiroki Tsukuda – «Inferno» 10. September – 7. November 2026
Markus Saile – «False Horizon» 10. September – 7. November 2026
«flowers» – Group Exhibition 11. September – 7. November 2026
Opening bei Mai 36 Galerie: Hiroki Tsukuda, Markus Saile und «flowers»
Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.
Ein ehemaliges Büro im Zürcher Seefeld, ein Fotograf mit jahrzehntelanger New-York-Geschichte und Arbeiten, die Fotografie, Malerei, Glamour und Irritation miteinander verbinden. Die Artist Residency von Rafael Fuchs zeigt, warum sich der zweite Blick lohnt.
Der zweite Blick lohnt sich
Manchmal beginnt eine interessante Kunsterfahrung dort, wo man sie nicht unbedingt erwartet. An der Seefeldstrasse 147 in Zürich ist für einige Wochen eine Pop-up-Galerie entstanden. Kein White Cube, keine spektakuläre Architektur, sondern ehemalige Büroräume eines Copyshops. Auf den ersten Blick wirkt die Präsentation entsprechend zurückhaltend.
Doch dann beginnt man zu schauen.
Und ziemlich schnell wird deutlich, dass hier ein Künstler zu entdecken ist, dessen Biografie und Werk weit über diesen temporären Zürcher Ausstellungsort hinausreichen: Rafael Fuchs, Fotograf und Künstler aus New York.
Von Tel Aviv über Manhattan nach Brooklyn
Rafael Fuchs wurde in Tel Aviv geboren, studierte Fotografie an der Bezalel Academy in Jerusalem und machte später New York zu seinem Lebensmittelpunkt. Dort arbeitete er über viele Jahre erfolgreich als Fotograf für Fashion-, Lifestyle- und Editorial-Magazine und porträtierte zahlreiche Persönlichkeiten.
Diese Erfahrung ist seinen freien Arbeiten anzusehen. Fuchs kennt die Mechanismen inszenierter Bilder. Er weiss, wie Glamour entsteht, wie Menschen vor der Kamera zu Figuren werden und wie Fotografie unsere Wahrnehmung von Schönheit, Status und Persönlichkeit beeinflusst.
Doch als Künstler belässt er es nicht bei der perfekten Aufnahme.
Wenn Bilder ihre Eindeutigkeit verlieren
Besonders interessant wird das Werk von Rafael Fuchs dort, wo unterschiedliche Bildwelten aufeinandertreffen. Fotografie verbindet sich mit malerischen Eingriffen, Motive werden überlagert oder in neue Zusammenhänge gestellt.
Was zunächst vertraut erscheint, beginnt zu irritieren.
Besonders eindrücklich zeigte sich das in Zürich in einer Serie mit Motiven aus St. Moritz. Man sieht jene Welt, die untrennbar mit dem Ort verbunden scheint: luxuriöse Hotels, gesellschaftliche Ereignisse, elegante Besucher eines Poloturniers. Bilder einer Welt, die sich ihrer eigenen Inszenierung durchaus bewusst ist.
Doch Fuchs konfrontiert diese Fotografien mit erotischen Aufnahmen nackter oder leicht bekleideter Frauen in offensiven Posen.
Luxus trifft auf Körperlichkeit, gesellschaftliche Inszenierung auf Intimität, Hochglanz auf Provokation. Gerade aus dieser Reibung entsteht eine Spannung, die den Bildern ihre vermeintliche Eindeutigkeit nimmt. Man kann sie schön finden, irritierend, provokant oder widersprüchlich – gleichgültig lassen sie einen kaum.
Vielleicht erklärt das auch die vielen Gespräche an diesem Abend. Die Ausstellung war gut besucht, doch wichtiger als die Zahl der Gäste war die spürbare Neugier: Vor den Arbeiten wurde stehen geblieben, diskutiert und immer wieder genauer hingesehen.
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Fotografie trifft Malerei
Auch formal verweigert sich Fuchs einer klaren Grenze zwischen den Disziplinen. Fotografie ist bei ihm nicht zwangsläufig das fertige Bild, sondern häufig dessen Ausgangspunkt.
Malerische Elemente, Überzeichnungen, Farbflächen und weitere Eingriffe verändern das fotografische Material. Realität und Interpretation liegen plötzlich übereinander.
Gerade darin liegt ein besonderer Reiz seiner Arbeiten. Wer Fuchs ausschliesslich als Fotografen betrachtet, greift zu kurz. Seine Bilder bewegen sich zwischen Fotografie, Malerei und Collage und nutzen die unterschiedlichen Medien, um neue Ebenen zu öffnen.
Und dann geht es eine Treppe hinunter
Der vielleicht spannendste Teil des Abends befand sich allerdings nicht in den eigentlichen Ausstellungsräumen.
Im Keller hat Rafael Fuchs während seiner Zürcher Artist Residency ein temporäres Atelier eingerichtet. Und plötzlich verändert sich die Perspektive vollkommen.
Hier begegnet man nicht mehr nur fertigen Arbeiten an der Wand, sondern ihrem Entstehungsprozess. Materialien, Farben, Fotografien, Arbeitsflächen und Spuren des künstlerischen Prozesses schaffen eine Atmosphäre, die sich kaum inszenieren lässt.
Es ist ein Atelier auf Zeit – und gerade deshalb wirkt es erstaunlich authentisch.
Wer hier hinuntergeht, bekommt etwas zu sehen, das Ausstellungen normalerweise verbergen: den Raum zwischen Idee und fertigem Werk.
Vielleicht ist genau das die besondere Qualität dieser Artist Residency. Rafael Fuchs wird in Zürich nicht nur ausgestellt. Für einige Wochen arbeitet er hier, spricht über seine Kunst und ermöglicht Begegnungen, die über die klassische Betrachtung von Bildern hinausgehen.
Drei Wochen, drei Perspektiven
Das Programm der Seefeld Gallery ist in drei Themenwochen gegliedert. Die erste widmet sich Rafael Fuchs und seinem Weg als Fotograf und Künstler von Tel Aviv über Manhattan bis nach Brooklyn.
In der zweiten Woche steht die Hauri Collection im Mittelpunkt – eine Sammlung, die zwischen Montreal, New York, St. Petersburg und Zürich entstanden ist. Gemeinsam mit Dr. Luca Gurtner werden Einblicke in ihre Entstehung gegeben.
Die dritte Woche richtet den Blick schliesslich auf New York: SoHo, Chelsea, Lower East Side, Brooklyn und Tribeca – erzählt aus der Perspektive eines Künstlers, für den die Stadt über Jahrzehnte Lebens- und Arbeitsraum geworden ist.
Die einzelnen Veranstaltungen verbinden Ausstellung, Gespräch und Apéro und schaffen damit bewusst einen persönlichen Rahmen.
Eine seltene Gelegenheit in Zürich
Vielleicht braucht diese Ausstellung gerade keinen perfekten White Cube.
Denn nach einiger Zeit tritt der Raum ohnehin in den Hintergrund. Was bleibt, sind die Bilder, die Gespräche und die ungewöhnliche Möglichkeit, einem international erfahrenen Künstler nicht nur über seine fertigen Werke, sondern auch über seinen Arbeitsprozess zu begegnen.
Rafael Fuchs bringt ein Stück New Yorker Fotografie- und Kunstgeschichte ins Zürcher Seefeld – für wenige Wochen und in einem Rahmen, der näher am Künstler ist, als es viele klassische Ausstellungen ermöglichen.
Und manchmal zeigt sich Qualität eben erst auf den zweiten Blick.
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im SeefeldRafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im SeefeldRafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im SeefeldRafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im SeefeldRafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im SeefeldRafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im SeefeldRafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im SeefeldRafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im SeefeldRafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im SeefeldRafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im SeefeldRafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im SeefeldRafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im SeefeldRafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs – Artist Residency
Seefeld Gallery Seefeldstrasse 147 8008 Zürich
Die Residency umfasst drei Themenwochen mit Veranstaltungen jeweils mittwochs und donnerstags ab 18 Uhr sowie sonntags ab 13 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist limitiert; eine Anmeldung ist erforderlich.
Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.
Zwischen magischem Realismus, Erinnerung und Spiritualität: Valentin Rilliets Ausstellung Look at You entfaltet in den aussergewöhnlichen Räumen der Galerie Peter Kilchmann in Zürich-West eine faszinierende eigene Welt.
Wenn Bilder ihre eigenen Welten erschaffen
Manche Ausstellungen beginnen nicht erst mit dem ersten Bild. Sie beginnen mit dem Raum.
Wer die Galerie Peter Kilchmann an der Zahnradstrasse 21 in Zürich-West betritt, erlebt Dimensionen, die man eher mit einem Museum als mit einer Galerie verbindet. Grosszügigkeit, Höhe und Weite schaffen eine beinahe institutionelle Atmosphäre – und gleichzeitig jene Ruhe und Distanz, die Kunst braucht, um ihre Wirkung entfalten zu können.
Für die Ausstellung Look at You von Valentin Rilliet erweisen sich diese Räume als aussergewöhnlich passender Rahmen. Denn auch Rilliets Malerei verlangt nach Raum: physisch ebenso wie gedanklich.
Zwischen Wirklichkeit und Vorstellung
Valentin Rilliet erzählt Geschichten – aber er erzählt sie nicht zu Ende.
Geisterhafte Gestalten, Puppen, fragmentierte Körper und rätselhafte Figuren bevölkern seine Bilder. Vertrautes trifft auf Unwirkliches, Realität auf Imagination. Mit Look at You setzt sich der 1996 in Genf geborene und heute in Zürich lebende Künstler mit Leben und Tod, Spiritualität und Transzendenz auseinander.
Dabei bewegt er sich zunehmend in einem magischen Realismus, in dem die Grenzen zwischen alltäglicher und übernatürlicher Welt durchlässig werden.
Das Faszinierende daran ist die Offenheit seiner Bilder. Rilliet erklärt nicht. Er lässt Gesichter hinter Händen oder Haaren verschwinden, unterbricht vermeintliche Erzählungen und schafft Leerstellen. Man sieht genug, um einer Geschichte folgen zu wollen – aber nie genug, um sich ihrer sicher sein zu können.
Vielleicht liegt gerade darin die besondere Spannung dieser Arbeiten.
Bilder mit Erinnerung
Rilliets Bildwelten entstehen nicht im kunsthistorischen Vakuum. Ihre Referenzen reichen weit zurück und gleichzeitig quer durch unterschiedliche Kulturen: von chinesischen Comics und Pamphleten des 20. Jahrhunderts über Theater und Folklore bis zur europäischen Kunstgeschichte.
Besonders deutlich wird dies in Painting of a Dream. Die Landschaft ist von chinesischen Lian-Huan-Hua-Comics inspiriert, während die zentrale Figur auf Ferdinand Hodlers The Dream of the Shepherd von 1896 zurückgeht.
Rilliet übernimmt diese Quellen jedoch nicht einfach. Er löst sie aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen und fügt sie zu einer neuen visuellen Wirklichkeit zusammen. Erinnerung, Kunstgeschichte, persönliche Erfahrung und Fantasie überlagern sich.
Das Ergebnis sind Bilder, die seltsam vertraut erscheinen und sich gleichzeitig einer eindeutigen Einordnung entziehen.
Eine Prozession ins Ungewisse
Besonders eindrucksvoll zeigt sich diese erzählerische Offenheit in Low tide (Procession), dem mit 200 × 259 Zentimetern monumentalsten Werk der Ausstellung.
Transzendente Wesen ziehen durch eine Landschaft, Spuren markieren ihren Weg. Doch die vermeintlich bedeutungsvolle Prozession wird ausgerechnet durch etwas höchst Irdisches gestört: Krabben im Vordergrund ziehen die Aufmerksamkeit der Figuren auf sich.
Das Erhabene und das Banale begegnen sich. Vielleicht sogar das Spirituelle und das Komische.
Genau solche Verschiebungen machen Rilliets Arbeiten interessant. Seine Bilder besitzen zwar eine starke narrative Qualität, verweigern aber die eindeutige Geschichte. Statt Antworten entstehen Möglichkeiten.
Kunst braucht Raum
Und dann sind da noch die Räume selbst.
Peter Kilchmann hat an der Zahnradstrasse einen Ort geschaffen, der für eine kommerzielle Galerie aussergewöhnlich ist. Die Dimensionen, die grossen Wandflächen und die industrielle Architektur erinnern eher an Ausstellungshallen eines Museums.
Das ist weit mehr als eine Frage der Repräsentation. Es zeigt einen hohen Anspruch an die Präsentation von Kunst.
Gerade bei Look at You wird deutlich, was gute Ausstellungsarchitektur leisten kann. Die Werke bekommen Abstand zueinander, können einzeln wirken und treten dennoch miteinander in Beziehung. Grossformatige Arbeiten müssen sich nicht gegen ihre Umgebung behaupten, kleinere Arbeiten gehen darin trotzdem nicht verloren.
Der Raum drängt sich nicht vor die Kunst. Er gibt ihr Präsenz.
Vielleicht ist das die eigentliche Qualität dieser Galerie: Kunst nicht einfach auszustellen, sondern Bedingungen zu schaffen, unter denen sie ihre Wirkung vollständig entfalten kann.
Look at You – und zurück
Der Titel der Ausstellung lässt sich dabei fast als Aufforderung verstehen: Look at You.
Denn so rätselhaft Rilliets Figuren erscheinen, so sehr werfen seine Bilder den Blick zurück auf den Betrachter. Was sehen wir in einer Szene, deren Geschichte wir nicht kennen? Welche Zusammenhänge stellen wir selbst her? Wo endet das, was der Künstler vorgibt – und wo beginnt unsere eigene Vorstellung?
Valentin Rilliet lässt diese Fragen offen.
Und genau deshalb bleiben seine Bilder im Kopf
Vernissage Ausstellung Peter Kilchmann Valentin Rilliet – Look at YouVernissage Ausstellung Peter Kilchmann Valentin Rilliet – Look at YouVernissage Ausstellung Peter Kilchmann Valentin Rilliet – Look at YouVernissage Ausstellung Peter Kilchmann Valentin Rilliet – Look at YouVernissage Ausstellung Peter Kilchmann Valentin Rilliet – Look at YouVernissage Ausstellung Peter Kilchmann Valentin Rilliet – Look at YouVernissage Ausstellung Peter Kilchmann Valentin Rilliet – Look at YouVernissage Ausstellung Peter Kilchmann Valentin Rilliet – Look at YouVernissage Ausstellung Peter Kilchmann Valentin Rilliet – Look at YouVernissage Ausstellung Peter Kilchmann Valentin Rilliet – Look at YouVernissage Ausstellung Peter Kilchmann Valentin Rilliet – Look at YouVernissage Ausstellung Peter Kilchmann Valentin Rilliet – Look at YouVernissage Ausstellung Peter Kilchmann Valentin Rilliet – Look at YouVernissage Ausstellung Peter Kilchmann Valentin Rilliet – Look at You
Valentin Rilliet – Look at You 5. September bis 17. Oktober 2026 Galerie Peter Kilchmann Zahnradstrasse 21 8005 Zürich
Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.
Mit «Imprints» zeigt die Pascal Robert Gallery in Zürich eine Ausstellung über Erinnerung, Geschichte und die Macht der Bilder. Anspruchsvoll, vielschichtig – und von einer Präsenz, die weit über einen klassischen Galerieabend hinausreicht.
Wenn Geschichte ihre Spuren hinterlässt
«Imprints» von Deimantas Narkevičius bei Pascal Robert Gallery
Manche Ausstellungen erschliessen sich auf den ersten Blick. Andere beginnen genau dort, wo der erste Blick nicht ausreicht. «Imprints» von Deimantas Narkevičius gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Pascal Robert hat in seiner Galerie an der Zürcher Rämistrasse eine ungewöhnlich konzentrierte Ausstellung geschaffen. Eine Präsentation, die weniger auf den schnellen visuellen Effekt setzt als auf das Nachdenken über Bilder, Erinnerung und Geschichte. Der Abend der Vernissage am 3. September hatte dadurch stellenweise fast musealen Charakter – und eine Atmosphäre, die bemerkenswert gut zu den Arbeiten des litauischen Künstlers passte.
Die Vergangenheit ist nicht vorbei
Deimantas Narkevičius, 1964 in Utena geboren und heute in Vilnius lebend, gehört seit den 1990er-Jahren zu den wichtigen Stimmen der europäischen Gegenwartskunst. Im Zentrum seiner Arbeit steht immer wieder die Frage, wie Geschichte entsteht – und vor allem, wie sie erinnert, dargestellt und weitergegeben wird.
Das ist gerade vor dem Hintergrund seiner Herkunft von besonderer Bedeutung. Der Zerfall der Sowjetunion, politische Umbrüche, wechselnde gesellschaftliche Systeme und die Frage nach einer post-sowjetischen Identität bilden einen Resonanzraum seiner Arbeit. Doch Narkevičius dokumentiert Geschichte nicht einfach. Er untersucht ihre Bilder.
Was bleibt von einem Ereignis? Was geschieht, wenn Bilder aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst werden? Und wie zuverlässig ist eigentlich das, was wir für kollektive Erinnerung halten?
Zwischen Dokument und Illusion
Fotografie und Film gelten gemeinhin als Medien, die Wirklichkeit festhalten. Bei Narkevičius wird genau diese vermeintliche Sicherheit fragwürdig.
Ein besonders prägnantes Beispiel dafür ist sein Film «Once in the XX Century» von 2004. Historisches Filmmaterial vom Sturz eines Lenin-Denkmals wird rückwärts abgespielt. Aus der Demontage wird plötzlich eine Errichtung, aus dem Ende eines politischen Symbols dessen scheinbare Wiederauferstehung.
Eine einfache filmische Umkehrung verändert die Bedeutung eines historischen Dokuments vollständig.
Genau darin liegt eine der Qualitäten von Narkevičius: Seine Arbeiten erklären nicht, was wir denken sollen. Sie bringen vielmehr Gewissheiten ins Wanken.
Steine, Bilder und die Magie des Archivs
In der neuen Fotoserie «Blessed and Deuced» richtet Narkevičius seinen Blick auf alte heilige Steine in der litauischen Landschaft. Eng angeschnitten und von oben fotografiert, verlieren sie beinahe ihren Charakter als Landschaftsobjekte. Oberfläche, Moos, Gestein und fotografisches Korn beginnen sich miteinander zu verbinden.
Die Fotografie wird dabei mehr als Dokumentation. Sie übersetzt etwas Physisches in ein Bild – und bewahrt gleichzeitig etwas von der symbolischen, beinahe spirituellen Bedeutung dieser Steine.
Auch «The Dud Effect» bewegt sich zwischen historischer Realität und Konstruktion. Archivmaterial, Architektur, Inszenierung und Spezialeffekte verbinden sich zu einem vermeintlich historischen Ereignis: dem Start einer sowjetischen Atomrakete. Nur hat dieser Start nie stattgefunden.
Die Grenze zwischen Dokument und Fiktion wird unscharf. Und plötzlich stellt sich eine sehr gegenwärtige Frage: Wie viel Wahrheit steckt eigentlich in einem überzeugenden Bild?
Eine Ausstellung, die Zeit verlangt
«Imprints» ist keine Ausstellung für den schnellen Rundgang. Die Arbeiten verlangen Aufmerksamkeit, Hintergrundwissen und die Bereitschaft, sich auf Zusammenhänge einzulassen.
Gerade das empfand ich an diesem Abend als besondere Qualität.
Die Galerie wurde nicht lediglich zum Raum, in dem Kunst präsentiert wird. Sie wurde zum Ort der Auseinandersetzung. Die ungewöhnlich konzentrierte Präsentation, die Filme, Fotografien und historischen Bezüge erzeugten eine Atmosphäre, wie man sie eher aus institutionellen Ausstellungen kennt.
Auch das Publikum spiegelte diesen Anspruch wider. Es war spürbar, dass dieser Abend weit über einen gesellschaftlichen Vernissagentermin hinaus Interesse geweckt hatte – auch bei Persönlichkeiten, die sich professionell und institutionell mit Kunst beschäftigen.
Wenn der Künstler Teil der Ausstellung wird
Besonders wertvoll war deshalb die Anwesenheit von Deimantas Narkevičius selbst.
Denn bei einem Werk, das so stark von historischen Zusammenhängen, Perspektivwechseln und konzeptuellen Überlegungen lebt, verändert das persönliche Gespräch den Zugang zur Kunst. Narkevičius begegnete den Besucherinnen und Besuchern ausgesprochen offen, freundlich und unprätentiös. Immer wieder entstanden Gespräche vor den Arbeiten, Fragen wurden gestellt, Gedanken weitergeführt.
Für einen Moment verschwand damit auch die klassische Distanz zwischen Künstler, Werk und Publikum.
Vielleicht ist genau das eine der schönsten Möglichkeiten einer Vernissage: Kunst nicht nur zu betrachten, sondern unmittelbar mit dem Menschen ins Gespräch zu kommen, der sie geschaffen hat.
Bilder erinnern anders als wir
Der Titel «Imprints» lässt sich als Abdruck, Spur oder Prägung lesen. Und tatsächlich zieht sich die Idee der Spur durch die Ausstellung: Spuren politischer Systeme, Spuren in Landschaften, Spuren persönlicher und kollektiver Erinnerung – und nicht zuletzt die Spuren, die Bilder selbst in unserem Verständnis von Vergangenheit hinterlassen.
Narkevičius zeigt Geschichte nicht als abgeschlossenen Zustand. Bei ihm bleibt sie beweglich. Sie kann neu montiert, rückwärts abgespielt, rekonstruiert oder aus einer anderen Perspektive betrachtet werden.
Vielleicht liegt darin die Aktualität dieser Ausstellung.
In einer Gegenwart, in der Bilder schneller denn je entstehen, verbreitet und manipuliert werden können, wird die Frage danach, wie Bilder Wirklichkeit erzeugen, noch dringlicher.
«Imprints» liefert darauf keine einfachen Antworten. Dafür stellt die Ausstellung die besseren Fragen.
Vernissage Einzelausstellung von Deimantas Narkevičius Pascal Robert Gallery Vernissage Einzelausstellung von Deimantas Narkevičius Pascal Robert Gallery Vernissage Einzelausstellung von Deimantas Narkevičius Pascal Robert Gallery Vernissage Einzelausstellung von Deimantas Narkevičius Pascal Robert Gallery Vernissage Einzelausstellung von Deimantas Narkevičius Pascal Robert Gallery Vernissage Einzelausstellung von Deimantas Narkevičius Pascal Robert Gallery Vernissage Einzelausstellung von Deimantas Narkevičius Pascal Robert Gallery Vernissage Einzelausstellung von Deimantas Narkevičius Pascal Robert Gallery Vernissage Einzelausstellung von Deimantas Narkevičius Pascal Robert Gallery
Deimantas Narkevičius – «Imprints» Pascal Robert Gallery Rämistrasse 5, Zürich 3. September – 17. Oktober 2026
Rämistrasse Gallery Night: 17. September 2026, 18:00–20:00 Uhr
Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.
Lea Bischofberger Gallery versammelt in der Gruppenausstellung YELLOW sieben künstlerische Positionen rund um eine einzige Farbe. Ein überraschend vielschichtiges Konzept – und eine Inszenierung, die zeigt, wie sehr auch der Raum unsere Wahrnehmung von Kunst verändert.
Ein Montagabend in Gelb
Montagabend ist nicht unbedingt der klassische Termin für eine Vernissage. Vielleicht war gerade das ein guter Grund, die neue Ausstellung der Lea Bischofberger Gallery an diesem Abend zu eröffnen. Denn YELLOW war ausgesprochen gut besucht – von einem interessierten und interessanten Publikum, das sich sichtbar Zeit für die Werke und für Gespräche nahm.
Im Mittelpunkt des Abends stand eine Farbe, die wir alle zu kennen glauben: Gelb.
Die Gruppenausstellung vereint Arbeiten von Geraldina Bassani Antivari, Kate Daudy, Tilly Joos, Emma Larsson, Sarah Richani, Amanda Sandberg und Anna Skladmann. Malerei, Fotografie und Mixed Media treffen dabei aufeinander – verbunden nicht durch ein gemeinsames Thema oder eine Erzählung, sondern durch eine Farbe.
Und genau darin liegt der Reiz.
Eine Farbe, sieben Perspektiven
Gelb kann leuchten, wärmen und Energie ausstrahlen. Es kann an Sonne, Spätsommer oder Licht erinnern. Gleichzeitig kann dieselbe Farbe irritieren, warnen oder beinahe künstlich wirken. Kaum eine Farbe scheint sich so selbstverständlich zwischen positiven und ambivalenten Assoziationen zu bewegen.
YELLOW versucht nicht, diese Gegensätze aufzulösen. Im Gegenteil: Die Ausstellung lässt sie nebeneinander bestehen.
In manchen Arbeiten tritt Gelb selbstbewusst in den Vordergrund, in anderen ist es eher eine atmosphärische Präsenz. Mal bestimmt es die Komposition, mal scheint es nur aufzuleuchten. Dadurch wird beim Rundgang schnell deutlich, wie erstaunlich unterschiedlich eine einzige Farbe wahrgenommen und künstlerisch interpretiert werden kann.
Das verbindende Element schafft keine Gleichförmigkeit. Es macht vielmehr die Unterschiede sichtbar.
Rosa statt White Cube
Bemerkenswert ist aber nicht nur die Auswahl der Werke. Lea Bischofberger zeigt einmal mehr, dass eine Ausstellung nicht an der Kante des Bilderrahmens endet.
Während sich viele Galerien nach wie vor auf das vermeintlich neutrale Weiss des klassischen White Cube verlassen, geht sie einen anderen Weg. Für YELLOW wurden die Wände der Galerie in einem zurückhaltenden Rosaton gestrichen.
Gelb vor Rosa – das klingt zunächst fast gewagt.
Im Raum funktioniert es erstaunlich selbstverständlich.
Der warme Hintergrund nimmt den Werken nichts von ihrer Eigenständigkeit, sondern verleiht ihnen eine ungewöhnliche Präsenz. Farben reagieren aufeinander, Kontraste verändern sich, einzelne Arbeiten scheinen sich stärker vom Raum zu lösen, andere treten mit ihm regelrecht in einen Dialog.
Die Wand wird damit nicht zur Kulisse, sondern zum Bestandteil der Inszenierung.
Präsentation aus Überzeugung
Gerade dieser Umgang mit dem Raum macht den Besuch interessant. Denn Kunst wird nie vollkommen neutral betrachtet. Licht, Architektur, Abstand – und eben auch die Farbe einer Wand – beeinflussen, wie wir ein Werk wahrnehmen.
Bei YELLOW wird daraus kein aufdringliches Ausstellungskonzept. Die Inszenierung bleibt hinter den Arbeiten zurück und verändert dennoch subtil ihre Wirkung.
Vielleicht ist das eine der Qualitäten dieser Ausstellung: Sie nimmt eine denkbar einfache Idee – eine Farbe – und zeigt, wie viele Möglichkeiten darin stecken.
Sieben künstlerische Positionen. Unterschiedliche Medien und Handschriften. Gelb als einziger gemeinsamer Nenner.
Und am Ende verlässt man die Galerie mit dem Eindruck, diese vermeintlich so vertraute Farbe ein wenig anders gesehen zu haben.
Lea Bischofberger Gallery Ausstellung YELLOW – wenn eine Farbe den Raum übernimmt
Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.
Mit „Renaissance Paintings Reloaded“ zeigt die Galerie Peter Kilchmann in Zürich neue Arbeiten von Andy Denzler. Historische Bildwelten treffen auf eine unverwechselbar zeitgenössische Malerei – und auf einen Künstler, dessen eigene Handschrift stärker denn je erscheint.
Alte Meister, neue Bilder
Was geschieht, wenn Bilder der Renaissance nicht als abgeschlossene Kunstgeschichte betrachtet werden, sondern als Material für etwas Neues?
Andy Denzler gibt darauf in seiner aktuellen Ausstellung „Renaissance Paintings Reloaded“ eine ebenso kraftvolle wie eigenständige Antwort. Für seine neuesten Arbeiten greift der Schweizer Künstler auf Bildmotive bedeutender Renaissancekünstler wie Tizian und Tintoretto zurück. Ihn interessieren dabei insbesondere Bewegung, Licht und Dramatik – Qualitäten, die er aus ihrem historischen Kontext löst und in seine eigene malerische Sprache überführt.
Dabei geht es nicht um Neuinterpretationen im Sinne moderner Kopien. Die historischen Vorbilder bilden vielmehr einen Ausgangspunkt. Denzler zerlegt, überlagert und verfremdet sie, bis etwas entsteht, das eindeutig in der Gegenwart verankert ist.
Zwischen Präzision und Auflösung
Charakteristisch ist Denzlers Technik der horizontalen Verwischung. Pastose Farbschichten, fliessende Pinselbewegungen und bewusst gesetzte Verzerrungen lassen Figuren und Räume gleichzeitig präsent und flüchtig erscheinen. Konturen lösen sich auf, Körper werden fragmentiert, einzelne Partien treten mit grosser malerischer Intensität hervor.
Gerade darin liegt für mich eine der grossen Qualitäten der Ausstellung: Denzlers Arbeiten besitzen einen hohen Wiedererkennungswert, ohne sich zu wiederholen. Trotz unterschiedlicher Formate und Motive zieht sich seine unverwechselbare Handschrift konsequent durch die gesamte Präsentation.
Interessant ist auch, wie diese Wirkung entsteht. Denzler beginnt häufig mit einer relativ präzisen Darstellung und führt sie anschliessend durch Übermalung, Zerstörung und erneute Bearbeitung immer weiter in die Verfremdung. Die Spuren dieses Prozesses bleiben im fertigen Bild sichtbar.
Renaissance ohne Nostalgie
Die Beschäftigung mit historischen Vorbildern könnte leicht in kunsthistorischer Referenz oder Nostalgie enden. Bei Denzler passiert das Gegenteil.
Seine intensive Farbigkeit, die gestische Malerei und die teilweise fast wie Bildstörungen wirkenden Verschiebungen schaffen eine bemerkenswerte Distanz zum Original. Vergangenheit und Gegenwart existieren gleichzeitig im Bild – Wiedererkennbarkeit trifft auf Auflösung, Schönheit auf Irritation, klassische Komposition auf eine visuelle Erfahrung, die ebenso von Fotografie und Film wie von unserer heutigen, medial geprägten Wahrnehmung beeinflusst scheint.
Das passt zu einer zentralen Idee hinter der Werkgruppe: Historische Meisterwerke versteht Denzler nicht als statische Relikte, sondern als Teil eines visuellen Archivs, das immer wieder neu gelesen werden kann.
Eine Ausstellung, die unmittelbar funktioniert
Bei der Vernissage war auffällig, wie unmittelbar die Arbeiten auf das Publikum wirkten. In den Gesprächen, die ich an diesem Abend führte, war die Begeisterung durchgängig gross. Das ist durchaus bemerkenswert bei einer Malerei, die weder gefällig noch einfach dekorativ ist.
Vielleicht liegt genau darin eine Stärke dieser Ausstellung: Man muss die kunsthistorischen Bezüge nicht kennen, um von den Bildern angesprochen zu werden. Wer Tizian oder Tintoretto wiedererkennt, entdeckt zusätzliche Ebenen. Wer ohne dieses Wissen vor den Arbeiten steht, erlebt zunächst Farbe, Bewegung, Körperlichkeit und eine enorme malerische Präsenz.
Beides funktioniert.
Und vielleicht ist das die überzeugendste Form, historische Kunst in die Gegenwart zu holen: nicht indem man sie erklärt, sondern indem man aus ihr Bilder schafft, die wieder ganz selbstverständlich für sich selbst stehen können.
Vernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann ZürichVernissage Andy Denzler in der Galerie Peter Kilchmann Zürich
ANDY DENZLER Renaissance Paintings Reloaded 29. August – 17. Oktober 2026 Galerie Peter Kilchmann Rämistrasse 33, 8001 Zürich
Die Ausstellung ist Denzlers zweite Einzelausstellung in der Galerie Peter Kilchmann und umfasst neue gross- und mittelformatige Gemälde sowie Arbeiten auf Papier.
Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.
Nicht jede Ausstellung verfolgt das Ziel, Kunst zu verkaufen. Manche schaffen einen Raum, in dem allein das Werk im Mittelpunkt steht. Mit «Bildtheater» präsentiert die Pascal Robert Gallery in Zürich eine Ausstellung, die bewusst als museumsartige Hommage an das Lebenswerk des Schweizer Malers Balz Baechi (geb. 1937) konzipiert wurde.
Die ausgestellten Werke sind unverkäuflich – ein bewusstes Zeichen dafür, dass hier die künstlerische Auseinandersetzung wichtiger ist als der Kunstmarkt. Statt einer klassischen Verkaufsausstellung entsteht ein Ort der Begegnung mit einem Werk, das über mehr als sechs Jahrzehnte gewachsen ist.
Ein Lebenswerk auf drei Etagen
Die Ausstellung erstreckt sich über drei Etagen und vereint abstrakte Gemälde, Landschaften sowie figurative Arbeiten. Dadurch entsteht ein vielschichtiger Einblick in das Schaffen eines Künstlers, dessen Bildsprache sich über Jahrzehnte kontinuierlich weiterentwickelt hat.
Ebenso überzeugend wie die Auswahl der Werke ist ihre Inszenierung. Die grossformatigen Gemälde wurden mit grosser Sorgfalt gehängt und entfalten in den hellen Galerieräumen eine eindrucksvolle Präsenz. Die Ausstellung wirkt ruhig, klar und konzentriert – ganz im Sinne der Malerei selbst.
Eine Galerie als kultureller Ort
Mit «Bildtheater» setzt die Pascal Robert Gallery zugleich ein bemerkenswertes Zeichen für die Rolle von Galerien. Die Ausstellung versteht sich ausdrücklich nicht als kommerzielle Präsentation, sondern als kulturelle Würdigung eines bedeutenden Schweizer Künstlers.
Gerade in den ruhigeren Sommermonaten schafft die Galerie damit einen Ort, an dem Kunst unabhängig von Marktmechanismen erlebt werden kann. Eine Haltung, die heute nicht selbstverständlich ist und die zeigt, dass Galerien weit mehr sein können als Ausstellungs- und Verkaufsräume.
Ein gelungener Vernissage-Abend
Die Vernissage war hervorragend besucht. Das kunstinteressierte Publikum nahm sich Zeit für die Ausstellung, viele Besucherinnen und Besucher verweilten lange in den Räumen, diskutierten über die Werke und nutzten den Abend für intensive Gespräche und Begegnungen.
Besonders eindrucksvoll war die Anwesenheit von Balz Baechi selbst. Den Künstler unmittelbar vor einem seiner grossformatigen Gemälde zu erleben, verlieh der Ausstellung eine zusätzliche Authentizität und machte deutlich, dass hier nicht nur einzelne Werke präsentiert werden, sondern ein ganzes künstlerisches Lebenswerk.
Artcircle-Fazit
«Bildtheater» ist weit mehr als eine Ausstellung. Sie ist eine stille und zugleich eindrucksvolle Würdigung eines Künstlers, der über Jahrzehnte konsequent seinen eigenen Weg gegangen ist.
Wer sich auf Balz Baechis Bildwelt einlässt, entdeckt ein beeindruckendes Lebenswerk, das in dieser Form nur selten öffentlich zugänglich ist. Die gelungene Inszenierung der Werke, die besondere Atmosphäre der Galerie und die Offenheit des Vernissage-Abends machten den Besuch zu einem der kulturellen Höhepunkte dieses Zürcher Kunstsommers.
Informationen
Pascal Robert Gallery Rämistrasse 5 8001 Zürich Schweiz
Öffnungszeiten Dienstag bis Samstag: 10:00–20:00 Uhr Sonntag: geschlossen
Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.