Schlagwort: Kunst

  • Sabine Marcelis – Wenn Kreativität Licht und Material neu definiert

    Sabine Marcelis – Wenn Kreativität Licht und Material neu definiert

    Eine Ausstellung über kreative Visionen, experimentelle Gestaltung und die Suche nach neuen Möglichkeiten. Artcircle war beim Pressrundgang im Museum für Gestaltung Zürich dabei.

    Wo endet Design, wo beginnt Kunst? Für Sabine Marcelis scheint diese Frage keine besondere Bedeutung zu haben. Die niederländisch-neuseeländische Designerin denkt nicht in festen Kategorien, sondern in Möglichkeiten. Licht, Farbe und Material sind für sie Ausgangspunkte einer gestalterischen Forschung, bei der das Experiment ebenso wichtig ist wie das Ergebnis.

    Ihre Ausstellung «Light and Color» im Museum für Gestaltung Zürich zeigt eindrucksvoll, wie aus dieser Haltung aussergewöhnliche Objekte und räumliche Erlebnisse entstehen. Was auf den ersten Blick selbstverständlich und mühelos erscheint, ist häufig das Ergebnis komplexer Entwicklungsprozesse, technischer Herausforderungen und höchster Präzision.

    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color

    Einblicke in eine aussergewöhnliche Arbeitsweise

    Beim Pressrundgang am 29. Oktober führten Sabine Marcelis und Kurator Damian Fopp gemeinsam durch die Ausstellung. Weniger eine klassische Führung als vielmehr ein lebendiger Dialog, in dem die Künstlerin Einblicke in ihre Ideen, ihre Arbeitsweise und die Entstehung einzelner Werke gab.

    Dabei zeigte sich Marcelis als ausgesprochen offene, sympathische und kreative Persönlichkeit. Ihre Begeisterung für das Experimentieren war ebenso spürbar wie ihre Neugier auf neue Materialien, Verfahren und technische Möglichkeiten.

    Bemerkenswert ist dabei ihr Umgang mit Herausforderungen. Was zunächst kaum realisierbar erscheint, wird zum Ausgangspunkt weiterer Überlegungen. Nicht die vorhandenen technischen Möglichkeiten bestimmen allein den Entwurf. Vielmehr entsteht aus einer gestalterischen Vision die Frage, wie sich diese tatsächlich verwirklichen lässt.

    Dass solche Projekte nur mit einem erfahrenen Team und spezialisierten Partnern umgesetzt werden können, betonte Marcelis ausdrücklich. Ein Film in der Ausstellung vermittelt zusätzliche Einblicke in die aufwendigen Entwicklungs- und Fertigungsprozesse. Kreativität zeigt sich hier nicht als isolierte Leistung einer einzelnen Person, sondern als Zusammenspiel von Vorstellungskraft, Erfahrung und technischem Können.

    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color / Kurator Damian Fopp und Sabine Marcelis

    Wenn aus Experimenten neue Dimensionen entstehen

    Besonders anschaulich wird diese Haltung bei den monumentalen «Mathmos Lava Columns». Die vertraute Lavalampe, seit Jahrzehnten ein populäres Designobjekt, wird in eine völlig neue Grössenordnung übertragen. Die raumhohen Leuchtkörper verwandeln das bekannte Prinzip in eine eindrucksvolle Installation aus Licht, Farbe und Bewegung.

    Dabei geht es um weit mehr als die blosse Vergrösserung eines bestehenden Objekts. Neue Dimensionen verlangen neue technische Lösungen. Die Installation zeigt exemplarisch, wie Marcelis vertraute Formen hinterfragt und ihnen durch experimentelle Weiterentwicklung eine neue Wirkung verleiht.

    Ein anderes Beispiel ist «Plume Fountain», eine mehrere Meter hohe Skulptur, deren Realisierung aussergewöhnliche Präzision erfordert. Bereits kleinste Material- oder Verarbeitungsfehler können das gesamte Werk unbrauchbar machen. Die scheinbar selbstverständliche Eleganz der fertigen Arbeit lässt kaum erahnen, welcher technische Aufwand dahintersteht.

    Gerade dieser Gegensatz zwischen ästhetischer Leichtigkeit und komplexer Herstellung macht viele ihrer Arbeiten so faszinierend.

    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color / Sabine Marcelis

    Licht und Farbe als räumliches Erlebnis

    Die Ausstellung vereint zentrale Werke aus rund fünfzehn Jahren ihres Schaffens mit eigens für Zürich entwickelten Installationen. Möbel, Leuchten, Spiegel und skulpturale Objekte zeigen die Vielfalt ihres gestalterischen Ansatzes.

    Charakteristisch ist der Umgang mit Materialien wie Glas, Kunstharz und Naturstein. Transparenz, Reflexion und gezielte Lichtführung verändern deren Wirkung. Farben erscheinen nicht einfach als Oberflächen, sondern entwickeln eine eigene räumliche Präsenz.

    Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies im «VARMBLIXT Tunnel», einer Installation mit Leuchten aus Marcelis‘ Zusammenarbeit mit IKEA. Durch Spiegelungen entsteht ein scheinbar unendlicher Lichtraum, in dem sich die gewohnten räumlichen Grenzen auflösen.

    Auch Arbeiten wie die «Candy Cubes» verdeutlichen, wie stark sich die Wahrnehmung eines Objekts durch Lichteinfall, Materialstärke und Blickwinkel verändern kann.

    Die reduzierte Formensprache ist dabei kein Selbstzweck. Sie schafft Raum für die eigentlichen Protagonisten ihrer Gestaltung: Licht, Farbe und Material.

    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color

    Zwischen Kunst, Design und technischer Innovation

    Sabine Marcelis arbeitet für internationale Unternehmen und Marken, entwickelt aber ebenso eigenständige skulpturale Arbeiten und raumgreifende Installationen.

    Für sie scheint die traditionelle Unterscheidung zwischen Kunst und Design kaum relevant. Ihre Arbeiten lassen sich nicht immer eindeutig einer Disziplin zuordnen – und müssen es auch nicht.

    Interessanter ist die Frage, was Gestaltung leisten kann, wenn vertraute Kategorien und technische Konventionen nicht als unveränderlich betrachtet werden.

    Marcelis verbindet eine klare, oft minimalistische Formensprache mit einer bemerkenswerten Experimentierfreude. Ihre Arbeiten wirken bisweilen spielerisch, beinahe selbstverständlich. Doch gerade diese Selbstverständlichkeit ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit Materialien, Produktionsverfahren und gestalterischen Möglichkeiten.

    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color

    Eine Ausstellung, die begeistert

    Die Ausstellung im Toni-Areal ist nicht nur eine Präsentation bemerkenswerter Designobjekte. Sie vermittelt auch etwas von der Denkweise einer Gestalterin, deren kreative Neugier offenbar keine festen Grenzen kennt.

    Der persönliche Austausch während des Pressrundgangs machte diesen Ansatz besonders nachvollziehbar. Auch in Gesprächen mit anderen Teilnehmenden zeigte sich eine durchweg begeisterte Resonanz auf die Ausstellung.

    «» lädt dazu ein, genauer hinzusehen und vermeintlich vertraute Materialien und Phänomene neu wahrzunehmen. Sie zeigt, wie viel gestalterisches Potenzial in der Verbindung von kreativer Vision, experimenteller Forschung und technischer Präzision liegt.

    Vielleicht ist genau das die besondere Qualität der Arbeiten von Sabine Marcelis: Sie geben nicht nur Antworten auf gestalterische Fragen, sondern eröffnen immer wieder neue Möglichkeiten.

    Ausstellung: Sabine Marcelis – Light and Color

    Museum für Gestaltung Zürich, Toni-Areal
    Pfingstweidstrasse 96, 8005 Zürich
    30. Oktober 2026 bis 4. April 2027

    Weitere Informationen: Website Museum für Gestaltung Zürich

    Text und Fotografien: Artcircle.ch

    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color / Sabine Marcelis
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color / Kurator Damian Fopp
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color / Autor Ronald Wissler

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

  • «What Remains Unseen» – Drei künstlerische Positionen, ein lebendiger Dialog

    «What Remains Unseen» – Drei künstlerische Positionen, ein lebendiger Dialog

    Pascal Robert Gallery, Zürich | 29. Oktober – 12. Dezember 2026

    Drei Kunstschaffende, drei eigenständige Bildsprachen und eine Ausstellung, die einmal mehr zeigt, wie überzeugend zeitgenössische Kunst präsentiert werden kann. Mit «What Remains Unseen» vereint die Pascal Robert Gallery an der Zürcher Rämistrasse Arbeiten von Frederick Terpstra, Selini Demetriou und Seol Kwon. Die Vernissage am 29. Oktober war aussergewöhnlich gut besucht und entwickelte sich zu einem ebenso anregenden wie kommunikativen Abend.

    Wer die Ausstellungen von Pascal Robert regelmässig besucht, kennt den hohen Anspruch an die Präsentation der Werke. Auch diesmal überzeugten die sorgfältige Auswahl, die grosszügige Hängung und das Zusammenspiel der unterschiedlichen künstlerischen Positionen.

    Auffällig war, dass überwiegend kleinere und mittlere Formate zu sehen waren. Eine Besonderheit, die sich aus den Arbeiten der Kunstschaffenden ergibt und den Ausstellungsräumen eine andere, teilweise intimere Wirkung verlieh als bei früheren Präsentationen.

    Frederick Terpstra – Eine unverwechselbare Handschrift

    Der 1995 geborene Künstler Frederick Terpstra beschäftigt sich in seinen Zeichnungen mit alltäglichen Situationen, urbanen Räumen und flüchtigen Momenten menschlicher Begegnungen. Seine Motive entstehen aus der Beobachtung und zeigen häufig Szenen, die im Alltag kaum besondere Aufmerksamkeit erfahren würden.

    Terpstra beeindruckt durch seine aussergewöhnliche Zeichentechnik und die hohe handwerkliche Qualität seiner Arbeiten. Besonders markant ist seine eigenständige Bildsprache, die einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Seine überwiegend kleinformatigen Werke zeichnen sich durch bemerkenswerte Präzision, intensive Hell-Dunkel-Kontraste und eine besondere atmosphärische Dichte aus. Eine unverwechselbare Handschrift, an der sich seine Arbeiten auch ohne Kenntnis des Urhebers erkennen lassen.

    Dabei geht es um weit mehr als die detailgetreue Wiedergabe einer Situation. Terpstra hält Momente fest, die zwischen Beobachtung und Erinnerung angesiedelt sind. Seine Bilder lassen Raum für eigene Assoziationen und Geschichten, ohne diese vollständig zu erzählen.

    Pascal Robert Gallery Selini Demetriou · Frederick Terpstra · Seol Kwon What remains unseen
    Pascal Robert Gallery Selini Demetriou · Frederick Terpstra · Seol Kwon
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    Selini Demetriou – Die Kraft der Zurückhaltung

    Einen spannenden Gegenpol bilden die Arbeiten der 1982 in Zürich geborenen schweizerisch-zypriotischen Künstlerin Selini Demetriou. Ihre interdisziplinäre Praxis umfasst Malerei, Fotografie, Skulptur und Installation. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Materialität, Raum, Erinnerung und Wahrnehmung.

    Demetrious Werke wirken angenehm zurückhaltend und zeitlos. Ihre gestalterische Reduktion verleiht ihnen eine eigenständige Präsenz, die ohne grosse Gesten auskommt.

    Häufig beschäftigt sie sich mit scheinbar unscheinbaren Materialien, räumlichen Strukturen und alltäglichen Fundstücken. Durch Verschiebungen, Wiederholungen und neue Zusammenhänge verändert sie deren Wahrnehmung. Was zunächst vertraut erscheint, erhält eine andere Bedeutung.

    Gerade diese Offenheit macht ihre Arbeiten interessant. Sie drängen sich nicht auf, sondern entfalten ihre Wirkung bei genauerer Betrachtung. Das Verhältnis zwischen Objekt, Raum und Betrachter wird dabei selbst zum Bestandteil des künstlerischen Ausdrucks.

    Pascal Robert Gallery Selini Demetriou · Frederick Terpstra · Seol Kwon What remains unseen
    Pascal Robert Gallery Selini Demetriou · Frederick Terpstra · Seol Kwon
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    Seol Kwon – Farbe mit Souveränität

    Die 1972 in Seoul geborene Künstlerin Seol Kwon setzt mit ihrer Malerei einen ausgesprochen lebendigen Akzent. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Abstraktion und gegenständlichen Assoziationen. Formen entstehen, überlagern sich und lösen sich wieder auf. Farbe übernimmt dabei eine zentrale gestalterische Funktion.

    Besonders beeindruckend ist Kwons souveräner Umgang mit Farbe. Ihre Malerei ist emotional und ausdrucksstark, ohne jemals überladen oder aufdringlich zu wirken. Trotz intensiver Farbigkeit bewahren die Kompositionen eine bemerkenswerte Balance.

    Dabei entstehen komplexe Bildräume, in denen sich Formen und Farbfelder gegenseitig beeinflussen. Der Blick wandert über die Leinwand, entdeckt neue Zusammenhänge und verändert immer wieder seine Wahrnehmung.

    Die scheinbare Spontaneität der Malerei verbindet sich mit einer ausgeprägten kompositorischen Sicherheit. Gerade dieses Zusammenspiel aus Dynamik und Kontrolle macht ihre Arbeiten so überzeugend.

    Pascal Robert Gallery Selini Demetriou · Frederick Terpstra · Seol Kwon
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    Eine Vernissage, die Kunst und Menschen zusammenbringt

    Neben den künstlerischen Positionen bleibt vor allem die besondere Atmosphäre des Eröffnungsabends in Erinnerung. Die Galerie war aussergewöhnlich gut besucht. So viele Gäste hatte man in diesen Räumen bei früheren Vernissagen kaum erlebt.

    Bemerkenswert war dabei nicht nur die grosse Resonanz, sondern vor allem die offene und kommunikative Stimmung. Überall entstanden Gespräche, neue Begegnungen und ein lebendiger Austausch über Kunst.

    Dazu trug auch Galerist Pascal Robert bei, der mit seiner freundlichen, aufmerksamen und zuvorkommenden Art einmal mehr ein hervorragender Gastgeber war. Ebenso prägten die Gäste selbst den Abend mit ihrer Offenheit und ihrem Interesse.

    Es sind solche Begegnungen, die eine Vernissage über die reine Präsentation von Kunst hinaus zu einem besonderen Erlebnis machen.

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    Pascal Robert Gallery Selini Demetriou · Frederick Terpstra · Seol Kwon
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    Drei Positionen, eine überzeugende Ausstellung

    What Remains Unseen verbindet drei sehr unterschiedliche künstlerische Ansätze, die sich gegenseitig ergänzen, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren.

    Die zeichnerische Präzision von Frederick Terpstra, die zeitlose Zurückhaltung von Selini Demetriou und die ausdrucksstarke Farbigkeit von Seol Kwon schaffen ein spannendes Zusammenspiel.

    Der gemeinsame Ausstellungstitel verweist dabei auf etwas, das alle drei Positionen verbindet: die Auseinandersetzung mit Wahrnehmung und mit dem, was sich nicht unmittelbar erschliesst. Ob in flüchtigen Alltagsszenen, reduzierten räumlichen Interventionen oder vielschichtigen Farbkompositionen – die Werke laden dazu ein, genauer hinzusehen.

    Eine überzeugend präsentierte Ausstellung und eine Vernissage, die eindrucksvoll gezeigt hat, dass Kunst nicht nur vom Betrachten, sondern ebenso vom Austausch und von persönlichen Begegnungen lebt.


    Ausstellung: What Remains Unseen
    Kunstschaffende: Frederick Terpstra, Selini Demetriou, Seol Kwon
    Ort: Pascal Robert Gallery, Rämistrasse 5, 8001 Zürich
    Dauer: 29. Oktober – 12. Dezember 2026

    Website Pascal Robert Gallery

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    Pascal Robert Gallery Selini Demetriou · Frederick Terpstra · Seol Kwon
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    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

  • Art Salon Zürich 2026 – Kunst entdecken, Menschen begegnen

    Art Salon Zürich 2026 – Kunst entdecken, Menschen begegnen

    Vier Tage zeitgenössische Kunst, internationale Galerien und persönliche Begegnungen: Vom 22. bis 25. Oktober 2026 fand in der Halle 622 in Zürich-Oerlikon die fünfte Ausgabe des Art Salon Zürich statt. Die Messe zeigte einmal mehr, dass Kunst nicht nur vom Betrachten lebt, sondern auch vom persönlichen Austausch.

    Mit rund 40 Galerien und Stiftungen sowie Werken von über 200 Künstlerinnen und Künstlern bot der Art Salon Zürich 2026 ein vielseitiges Spektrum moderner und zeitgenössischer Kunst. Etablierte Positionen trafen auf neue Entdeckungen, Schweizer Kunst auf internationale Perspektiven.

    Seit seiner Gründung im Jahr 2022 hat sich der Art Salon einen festen Platz im Zürcher Kunstkalender erarbeitet. Die überschaubare Grösse und der persönliche Charakter der Messe schaffen einen Rahmen, in dem nicht nur Kunstwerke, sondern auch die Menschen dahinter im Mittelpunkt stehen.

    Art Salon Zürich 2026 Preview & Vernissage
    Art Salon Zürich 2026 Preview & Vernissage

    Kunst in ihrer ganzen Vielfalt

    Malerei, Skulptur, Fotografie und Arbeiten auf Papier prägten das Bild der diesjährigen Ausgabe. Von gegenständlichen Darstellungen bis zu abstrakten Bildwelten, von reduzierten Kompositionen bis zu expressiven Positionen reichte das Spektrum der präsentierten Kunst.

    Neben den Galerieständen boten verschiedene Sonderprojekte und thematische Parcours zusätzliche Einblicke. Die Vielfalt lud dazu ein, Bekanntes wiederzuentdecken und sich auf neue künstlerische Positionen einzulassen.

    Gerade die überschaubare Grösse erwies sich dabei als Vorteil. Sie ermöglichte es, sich intensiver mit einzelnen Arbeiten auseinanderzusetzen und auch jenen Werken Aufmerksamkeit zu schenken, die sich erst auf den zweiten Blick erschliessen.

    Art Salon Zürich 2026 Preview & Vernissage
    Art Salon Zürich 2026 Preview & Vernissage
    Art Salon Zürich 2026 Preview & Vernissage
    Art Salon Zürich 2026 Preview & Vernissage
    Art Salon Zürich 2026 Preview & Vernissage
    Art Salon Zürich 2026 Preview & Vernissage

    Die Kunst der Begegnung

    Was den Art Salon Zürich besonders macht, ist nicht allein die Vielfalt der ausgestellten Werke. Es sind vor allem die Menschen und die Gespräche, die einen Messebesuch bereichern.

    Zahlreiche Begegnungen mit Galeristen und Kunstschaffenden eröffneten spannende Einblicke in künstlerische Arbeitsweisen, Hintergründe und Entstehungsprozesse. Dazu gehörten persönliche Gespräche mit den Künstlern Daniel Cherubim, Jürgen Paas und Dario Norelli. Ihre Erläuterungen ermöglichten einen vertieften Blick auf einzelne Arbeiten und machten deutlich, wie viel sich hinter einem Kunstwerk entdecken lässt, wenn man die Gelegenheit zum direkten Austausch nutzt.

    Auch der Künstler Tiziano Autera, der bereits mit einem eigenen Profil auf Artcircle vertreten ist, war mit zwei Werken auf der Messe präsent.

    Hinzu kamen zahlreiche Begegnungen mit bekannten Gesichtern aus der Zürcher Kunstwelt, interessante Gespräche und neue Kontakte. Gerade dieser persönliche Austausch macht den Art Salon zu einem lebendigen Treffpunkt, der weit über die Präsentation und den Verkauf von Kunst hinausgeht.

    Art Salon Zürich 2026 Preview & Vernissage
    Art Salon Zürich 2026 Preview & Vernissage

    Werke, die in Erinnerung bleiben

    Bei der grossen Vielfalt an künstlerischen Positionen fiel es nicht leicht, einzelne Werke hervorzuheben. Dennoch gab es einige Arbeiten, die nachhaltig beeindruckten.

    Dazu gehörten die grossformatigen Gemälde der ägyptischen Künstlerin Nada Baraka, präsentiert von der Galerie Helvetika 1575, ebenso wie die Werke von Christine Keruth am Stand der Galerie Gerig und die fotografischen Arbeiten der chinesischen Künstlerin und Buchautorin Xiao Hui Wang, die von der Galerie Glaab gezeigt wurden.

    Dies sind nur einige Beispiele aus einer Vielzahl bemerkenswerter künstlerischer Positionen. Die begleitenden Fotografien vermitteln weitere Eindrücke von der Vielfalt der ausgestellten Kunst.

    Art Salon Zürich 2026 Preview & Vernissage
    Art Salon Zürich 2026 Preview & Vernissage

    Zweimal besuchen, zweimal entdecken

    Bereits die Preview und Vernissage am Donnerstag boten Gelegenheit, erste Eindrücke zu sammeln, Kunstwerke kennenzulernen und mit den Ausstellenden ins Gespräch zu kommen.

    Ein zweiter Besuch am Samstag eröffnete nochmals neue Perspektiven. Die Eindrücke des ersten Tages liessen sich vertiefen, Gespräche fortsetzen und weitere Werke entdecken.

    Interessant war dabei auch, wie sich die Präsentationen innerhalb weniger Tage verändert hatten. Einige Arbeiten waren inzwischen verkauft und durch andere Werke ersetzt worden. So gab es selbst an bereits besuchten Galerieständen Neues zu sehen.

    Diese Dynamik gehört zum Charakter einer Kunstmesse. Sie zeigt, dass eine Ausstellung während ihrer Laufzeit keineswegs statisch sein muss, sondern sich durch Verkäufe, neue Hängungen und Begegnungen immer wieder verändert.

    Art Salon Zürich 2026 Preview & Vernissage
    Art Salon Zürich 2026 Preview & Vernissage

    Mehr als eine Kunstmesse

    Nach fünf Ausgaben hat der Art Salon Zürich ein eigenständiges Profil entwickelt. Seine Stärke liegt nicht im Streben nach immer grösseren Dimensionen, sondern in einem Format, das Kunst und Menschen zusammenbringt.

    Die Ausgabe 2026 bot zahlreiche Gelegenheiten, neue künstlerische Positionen kennenzulernen, vertraute Namen wiederzuentdecken und persönliche Kontakte zu vertiefen.

    Dabei wurde einmal mehr deutlich, wie sehr persönliche Gespräche den Blick auf Kunst verändern können. Ein Werk, das zunächst vor allem visuell fasziniert, gewinnt durch die Gedanken und Erzählungen seiner Urheber oft eine zusätzliche Dimension.

    Vielleicht liegt genau darin der nachhaltigste Wert einer solchen Veranstaltung: Kunst nicht nur zu betrachten, sondern über sie ins Gespräch zu kommen – und mit neuen Eindrücken, Gedanken und Begegnungen nach Hause zu gehen.

    Art Salon Zürich 2026
    22.–25. Oktober 2026
    Halle 622, Zürich-Oerlikon
    www.artsalonzurich.com

    Art Salon Zürich 2026 Preview & Vernissage
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    Art Salon Zürich 2026, Ronald Wissler (Artcircle.ch)
    Art Salon Zürich 2026, Ronald Wissler (Artcircle.ch)

    Galerien Art Salon 2026:

    Lenz Klotz Art Collection

    mianki.Gallery

    PYTHONGALLERY

    Laurent Marthaler Contemporary 

    Sarasin Art 

    von fraunberg art gallery

    augsburg contemporary 

    Galerie Reitz 

    BK Chromatic

    Helvetika 1575 

    Galerie Greulich

    Steinberger Galerien

    Galerie Drees

    Galerie Barbara von Stechow

    Galerie Voss

    Safetec-Gallery 

    Galerie Obrist 

    Galerie WOS 

    Galerie Gerig

    Vivere Arte Art Gallery

    MOOS fine art 

    ART FORUM UTE BARTH

    Galerie Geißler-Bentler 

    bechter kastowsky galerie 

    Galerie Alex Schlesinger

    GALERIE ANJA KNOESS 

    Galerie 94

    Rodler Gschwenter Gallery

    Galerie am Lindenhof

    FHNW, Sarasin Kunststiftung 

    Galerie Glaab

    Keller-Wedekind Stiftung

    Galerie am Lindenplatz

    Fabian & Claude Walter Galerie

    Kunstbroker 

    Galerie Meridian 

    Peter Bichsel Fine Books

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

  • Als Plakate die Welt verändern wollten

    Als Plakate die Welt verändern wollten

    Avantgarde – Grafikdesign im Aufbruch: Das Museum für Gestaltung Zürich zeigt, wie gesellschaftliche Umbrüche vor hundert Jahren eine neue visuelle Sprache hervorbrachten. Und warum uns diese Zeit heute noch erstaunlich nahe ist.

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch

    Was passiert mit der Gestaltung, wenn eine Gesellschaft ihre bisherigen Vorstellungen von der Welt infrage stellt? Wenn politische Systeme zerbrechen, technische Entwicklungen den Alltag verändern und eine neue Generation nicht länger bereit ist, die Regeln der Vergangenheit zu akzeptieren?

    Vor rund hundert Jahren waren diese Fragen von brennender Aktualität. Die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg waren geprägt von politischen Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheit, aber auch von einem beinahe grenzenlosen Glauben an den Fortschritt. Eine neue Gesellschaft sollte entstehen. Und mit ihr eine neue Gestaltung.

    Die Ausstellung «Avantgarde – Grafikdesign im Aufbruch» im Museum für Gestaltung Zürich führt zurück in diese bewegte Epoche. Sie zeigt eindrucksvoll, dass Design weit mehr sein kann als die ästhetische Gestaltung unserer Umwelt.

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
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    Eine neue Welt braucht eine neue Formensprache

    Die Avantgarde wollte nicht einfach schönere Plakate entwerfen. Sie wollte mit den gestalterischen Konventionen ihrer Zeit brechen.

    Ornamente verschwanden, geometrische Formen rückten in den Vordergrund. Klare Linien, starke Kontraste und eine neue, experimentelle Typografie ersetzten die dekorative Bildsprache früherer Jahrzehnte. Fotografie und Fotomontage eröffneten zusätzliche Ausdrucksmöglichkeiten.

    Dieser Wandel beschränkte sich keineswegs auf die Grafik. Auch Architektur, Möbel, Alltagsgegenstände und Mode veränderten sich grundlegend. Funktionalität, Sachlichkeit und die Möglichkeiten industrieller Fertigung prägten ein neues Verständnis von Gestaltung.

    Es war eine Zeit, in der die Grenzen zwischen Kunst und Design zunehmend durchlässig wurden. Künstler wurden zu Gestaltern, Gestaltung wurde zum gesellschaftlichen Statement.

    Besonders faszinierend ist dabei, wie eng die neuen ästhetischen Vorstellungen mit politischen und sozialen Utopien verbunden waren. Gestaltung sollte nicht nur die neue Welt abbilden, sondern aktiv zu ihrer Entstehung beitragen.

    Plakate als Spiegel ihrer Zeit

    Mehr als 150 Plakate sowie Fotografien, Filme und Objekte der visuellen Alltagskultur machen diesen Aufbruch in Zürich sichtbar.

    Zu entdecken sind Arbeiten bedeutender Vertreter der internationalen Avantgarde. El Lissitzky und Valentina Kulagina stehen für die radikale Bildsprache des russischen Konstruktivismus. Adolphe Mouron Cassandre verbindet grafische Präzision mit der Eleganz des Art Déco. Jan Tschichold revolutionierte die Typografie, während Fotografinnen wie Lucia Moholy und Binia Bill neue Perspektiven auf die sichtbare Welt eröffneten.

    Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich die gestalterischen Antworten auf dieselbe Epoche ausfallen konnten. Mal streng geometrisch und rational, mal expressiv, dynamisch oder überraschend poetisch.

    Besonders eindrucksvoll ist das berühmte Plakat für den Nord Express von Cassandre. Die monumentale Lokomotive, die dramatische Perspektive und die auf wenige Elemente reduzierte Komposition vermitteln bis heute eine beinahe körperlich spürbare Vorstellung von Geschwindigkeit und technischem Fortschritt.

    Dass diese Arbeiten teilweise fast hundert Jahre alt sind, gerät beim Betrachten schnell in Vergessenheit. Viele wirken noch immer erstaunlich modern.

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
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    Wenn die Ausstellung selbst zur Gestaltung wird

    Bemerkenswert ist nicht nur, was gezeigt wird, sondern auch, wie.

    Die von Dr. Bettina Richter kuratierte Ausstellung überzeugt durch eine Präsentation, die weit über eine klassische Plakatschau hinausgeht. Mehr als 150 Plakate, Fotografien, Filme und Objekte treten miteinander in einen Dialog. Dabei werden nicht nur gestalterische Entwicklungen sichtbar, sondern auch die gesellschaftlichen Ideen und Widersprüche, aus denen sie hervorgegangen sind.

    Die Plakate hängen nicht einfach in einer konventionellen Abfolge an den Wänden. Stattdessen stehen sie auf offenen, teilweise raumhohen Trägerstrukturen, die den Ausstellungsraum gliedern und immer neue Blickbeziehungen ermöglichen.

    Man bewegt sich zwischen den Arbeiten, entdeckt Motive aus unterschiedlichen Perspektiven und erlebt die Ausstellung als räumliche Komposition.

    Besonders reizvoll ist das Zusammenspiel mit der Architektur des Museums. Die klaren Linien, die sichtbare Konstruktion und die sachliche Formensprache des Gebäudes treten in einen fast selbstverständlichen Dialog mit den ausgestellten Werken.

    Hier begegnen sich Architektur und Grafikdesign auf Augenhöhe. Beide folgen einer gestalterischen Haltung, die auf Klarheit, Konstruktion und bewusste Reduktion setzt.

    Es sind gerade diese sorgfältig entwickelten Zusammenhänge, die erkennen lassen, wie intensiv sich das Ausstellungsteam mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Die Geschichte des Grafikdesigns wird nicht einfach dokumentiert, sondern in ihren vielfältigen Beziehungen erfahrbar gemacht.

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
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    Zwischen Aufbruch und Widerspruch

    Bei aller Begeisterung für die gestalterischen Experimente darf man eines nicht übersehen: Die Avantgarde war keine einheitliche Bewegung.

    Ihre Vertreter verband häufig der Wunsch nach Veränderung, doch ihre politischen Überzeugungen und gesellschaftlichen Vorstellungen konnten weit auseinanderliegen.

    Während manche Künstler und Gestalter auf eine gerechtere, offenere Gesellschaft hofften, wurden die neuen visuellen Ausdrucksmittel später auch von autoritären und totalitären Bewegungen vereinnahmt.

    Die Ausstellung verschweigt diese Widersprüche nicht. Sie zeigt eine Epoche voller kreativer Energie, aber auch voller Konflikte. Mit dem Erstarken totalitärer Regime endete Mitte der 1930er-Jahre eine aussergewöhnlich intensive Phase gestalterischer Experimente.

    Ihre Ideen allerdings überlebten.

    Wie viel Avantgarde steckt noch in unserer Gegenwart?

    Vielleicht liegt gerade darin die besondere Aktualität dieser Ausstellung.

    Auch heute erleben wir tiefgreifende Veränderungen. Neue Technologien stellen vertraute Arbeitsweisen infrage, gesellschaftliche Gewissheiten geraten ins Wanken und die Möglichkeiten visueller Kommunikation entwickeln sich in rasantem Tempo.

    Vor hundert Jahren waren es unter anderem Fotografie, Film und industrielle Reproduktion, die neue Ausdrucksformen ermöglichten. Heute verändern digitale Medien und künstliche Intelligenz die Art, wie Bilder entstehen und verbreitet werden.

    Natürlich lassen sich die beiden Epochen nicht einfach gleichsetzen. Doch die grundlegende Frage ist erstaunlich ähnlich geblieben: Wie reagieren Kunst und Design auf eine Welt im Wandel?

    Und können sie selbst zu diesem Wandel beitragen?

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
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    Eine Ausstellung, die zum Nachdenken anregt

    Bereits die ausgesprochen gut besuchte Vernissage Anfang September zeigte, auf welches Interesse dieses Thema stösst. Nach der Begrüssung durch Karin Mairitsch, Rektorin der Zürcher Hochschule der Künste, führte Kuratorin Dr. Bettina Richter in die Ausstellung ein.

    Bei dieser Gelegenheit hatte ich auch die Möglichkeit, die Kuratorin persönlich kennenzulernen. Im Gespräch wurde deutlich, mit wie viel Überzeugung sie sich diesem Thema widmet.

    Bei einem weiteren Besuch, diesmal mit mehr Zeit zum Betrachten und Fotografieren, erschloss sich mir die Vielschichtigkeit der Ausstellung noch einmal auf andere Weise.

    Es geht nicht allein um herausragende Plakatgestaltung. Es geht um Ideen, gesellschaftliche Hoffnungen und den Versuch, mit gestalterischen Mitteln eine neue Wirklichkeit zu schaffen.

    Die Ausstellung macht sichtbar, wie sehr unsere heutige visuelle Kultur von diesen Experimenten geprägt wurde.

    Und sie erinnert daran, dass wirklich neue Gestaltung selten dort entsteht, wo man sich mit dem Bestehenden zufriedengibt.

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
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    Avantgarde – Grafikdesign im Aufbruch

    Museum für Gestaltung Zürich
    Ausstellungsstrasse 60, 8005 Zürich

    Ausstellungsdauer: 3. September 2026 bis 21. Februar 2027

    Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10–17 Uhr; Donnerstag bis 20 Uhr, ab 17 Uhr freier Eintritt.

    Weitere Informationen: museum-gestaltung.ch
    Download Flyer zur Ausstellung

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
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    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

  • Was ist uns eigentlich heilig?

    Was ist uns eigentlich heilig?

    Ein Kreuz aus Discokugeln, eines aus Federn, ein anderes aus Perlen oder Fundstücken. Die Ausstellung «Sacred Pop Art» im Zürcher SiloSilo zeigte, wie aus einem jahrtausendealten Symbol eine überraschend zeitgenössische und farbenfrohe Kunstwelt entstehen kann. Und stellte dabei eine Frage, die weit über religiöse Vorstellungen hinausgeht.

    Ein ehemaliges Industriesilo, mächtige Stahlkonstruktionen, kaum Tageslicht. Schon der Ort war ungewöhnlich. Doch was Jeanine Merz und Christian Breitschmid hier unter dem Titel «Sacred Pop Art» präsentierten, war weit mehr als eine Kunstausstellung in spektakulärer Kulisse.

    222 Kunstwerke, ein einziges formales Motiv: das Kreuz. Und dennoch schien sich keine Idee zu wiederholen.

    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo

    Ein Symbol, unzählige Interpretationen

    Das Kreuz gehört zu den bekanntesten Symbolen unserer Kultur. Seit Jahrhunderten wird es verehrt, getragen und dargestellt. Doch was geschieht, wenn man es aus seinem gewohnten Zusammenhang löst und mit vollkommen anderen Materialien und Bedeutungen verbindet?

    Die beiden Kunstschaffenden haben darauf eine ebenso spielerische wie konsequente Antwort gefunden.

    Pailletten, Stoffreste, Federn, Perlen, Spielzeug, glänzende Folien und Dinge, die andernorts vielleicht längst im Abfall gelandet wären, wurden zu eigenständigen Kunstobjekten. Mal schrill und überbordend, mal filigran und zurückhaltend. Manche Arbeiten wirkten humorvoll, andere poetisch, wieder andere fast meditativ.

    Gerade diese gestalterische Vielfalt war beeindruckend. Denn obwohl das Kreuz als Grundform immer wiederkehrte, eröffnete jedes Werk eine neue Perspektive.

    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo

    Alles ist heilig

    Hinter dieser kreativen Fülle steht ein Gedanke, der zunächst überraschend einfach klingt: Alles ist heilig.

    Nicht nur das Kostbare oder religiös Verehrte. Auch das Alltägliche, das Künstliche, das Vergessene und das scheinbar Wertlose.

    Eine Plastikperle besitzt in dieser Vorstellung nicht weniger Bedeutung als Gold. Eine Feder aus einem alten Kostüm kann ebenso viel Energie in sich tragen wie ein kostbares Relikt.

    Es geht dabei weder um eine religiöse Ausstellung im klassischen Sinn noch um eine Kritik am Christentum. Vielmehr wird das Kreuz zum Sinnbild einer universellen Verbundenheit. Einer Energie, die nach Vorstellung der Kunstschaffenden alles durchdringt und keine Unterscheidung zwischen heilig und profan kennt.

    Das ist ein durchaus philosophischer Ansatz. Und vielleicht gerade deshalb so interessant, weil er nicht mit schwerer Symbolik vermittelt wird, sondern mit Farbe, Humor und einer bemerkenswerten gestalterischen Freiheit.

    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo

    Wenn Architektur zur Inszenierung wird

    Ebenso eindrucksvoll wie die Kunstwerke war ihre Präsentation.

    Das weitgehend fensterlose SiloSilo mit seinen gewaltigen Stahlträgern, industriellen Oberflächen und ungewöhnlichen Raumdimensionen entwickelte eine ganz eigene Atmosphäre. Das künstliche Licht setzte gezielte Akzente und liess die farbenfrohen Arbeiten vor der rauen Architektur besonders intensiv wirken.

    Bemerkenswert war vor allem, wie selbstverständlich die Kunstwerke in die vorhandene Konstruktion integriert wurden. Manche waren direkt in den Profilen der Stahlträger befestigt, andere hingen frei an dünnen Schnüren im Raum.

    Nichts wirkte wie eine nachträglich eingerichtete Galerie. Vielmehr schienen Architektur und Kunst eine gemeinsame Sprache gefunden zu haben.

    Gerade der Kontrast zwischen den massiven industriellen Strukturen und den oft filigranen, spielerischen Objekten machte den Rundgang zu einem besonderen Erlebnis.

    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo

    Was bleibt?

    Im persönlichen Gespräch mit den beiden Kunstschaffenden wurde deutlich, mit wie viel Begeisterung und kreativer Energie dieses Projekt entstanden ist. Magisch, frisch und «wow» – so beschreiben sie selbst ihre Ausstellung. Und tatsächlich treffen diese Begriffe die Atmosphäre erstaunlich gut.

    Was besonders in Erinnerung bleibt, ist nicht allein die Vielfalt der 222 Arbeiten oder die aussergewöhnliche Inszenierung. Es ist die Konsequenz, mit der eine einzige Idee immer wieder neu gedacht wurde.

    «Sacred Pop Art» hat gezeigt, dass Kunst nicht kompliziert sein muss, um zum Nachdenken anzuregen. Manchmal genügt ein vertrautes Symbol, ein ungewohnter Blick darauf und die Bereitschaft, scheinbar Selbstverständliches infrage zu stellen.

    Denn vielleicht liegt das Heilige nicht nur dort, wo wir es traditionell vermuten.

    Sondern auch in den Dingen, denen wir bisher kaum Beachtung geschenkt haben.

    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo

    Über das Kunstprojekt

    «Sacred Pop Art» von Jeanine Merz und Christian Breitschmid wurde am 10. Oktober 2026 im SiloSilo in Zürich präsentiert. Die Ausstellung mit 222 Arbeiten ist inzwischen beendet.

    Weitere Informationen zum Projekt: Website iamholy.art

    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
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    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
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    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

  • Wenn die Orientierung verloren geht

    Wenn die Orientierung verloren geht

    Mit «I Can’t Sleep in a Library» verwandelt Tetiana Kartasheva einen kleinen Ausstellungsraum an der Klingenstrasse in Zürich in einen Ort zwischen Wachsein und Schlaf. Malerei, skulpturale Objekte, Licht und Klang verschieben dabei die Wahrnehmung – und zeigen zugleich, wie lebendig die Zürcher Kunstszene auch abseits der grossen Institutionen ist.

    Es gibt diesen kurzen Moment vor dem Einschlafen, in dem Gedanken ihre klare Ordnung verlieren. Räume verändern sich, Bilder tauchen auf und verschwinden wieder, Bekanntes erscheint plötzlich fremd.

    Genau diesem Zustand widmet sich die Ausstellung «I Can’t Sleep in a Library» der Zürcher Künstlerin Tetiana Kartasheva. Ausgangspunkt ist die Schwelle zwischen Wachsein und Schlaf – ein Zustand, in dem vertraute Räume, Gegenstände und Ordnungssysteme ihre festen Koordinaten verlieren.

    Kartasheva übersetzt diese Erfahrung in Malerei, skulpturale Objekte und eine bewusst inszenierte räumliche Situation. Formen und Muster wirken zunächst vertraut, sind aber leicht verschoben. Orientierung wird unsicher, Wiedererkennen geht in Irritation über.

    Venissage I can’t sleep in the library Tetiana Kartasheva

    Wenige Elemente, präzise inszeniert

    Der Ausstellungsraum an der Klingenstrasse 23 ist nicht gross. Gerade das funktioniert hier erstaunlich gut. Die Arbeiten bekommen genügend Raum, ohne dass die Ausstellung distanziert wirkt. Auch die Beleuchtung wurde eigens auf die Präsentation abgestimmt und verstärkt die konzentrierte Atmosphäre.

    Die reduzierte Formensprache ist charakteristisch für Kartashevas Arbeit. Die ukrainisch-schweizerische Künstlerin lebt und arbeitet in Zürich und beschäftigt sich mit dem Menschen in einer zunehmend beschleunigten Welt sowie mit dem Raum als Struktur, in der sich der Körper bewegt und orientiert. Malerei, Grafik und Installation verbindet sie dabei mit reduzierten Formen, räumlicher Balance und rhythmischen Wiederholungen.

    Gerade diese formale Klarheit erzeugt in «I Can’t Sleep in a Library» einen interessanten Widerspruch: Die Bilder erscheinen geordnet, während das Thema der Ausstellung von Kontrollverlust und Desorientierung handelt.

    Venissage I can't sleep in the library Tetiana Kartasheva
    Venissage I can’t sleep in the library Tetiana Kartasheva

    Ein Bett im Schaufenster

    Besonders eindrücklich ist die Installation im Schaufenster. Dort liegt ein Bett – ein alltäglicher, fast intimer Ort des Rückzugs – unmittelbar an der Grenze zwischen Ausstellungsraum und Strasse.

    Mit Kopfhörern lässt sich dort eine Klangarbeit von Dana Borić hören. Die in Zürich lebende Klangkünstlerin, Komponistin und Improvisatorin erweitert Kartashevas Auseinandersetzung mit dem Übergang zwischen Wachsein und Schlaf in den akustischen Raum. Ihre Arbeit bewegt sich zwischen zeitgenössischer Komposition, Klangkunst, Improvisation und Performance und beschäftigt sich unter anderem mit Raum, Erinnerung und körperlichem Hören.

    Durch das grosse Fenster entsteht dabei noch eine weitere Ebene: Innen und Aussen überlagern sich. Ausstellung, Strasse, Spiegelungen und Menschen werden Teil desselben Bildes. Das Bett wirkt wie ein privater Raum, der gleichzeitig vollkommen öffentlich geworden ist.

    Venissage I can't sleep in the library Tetiana Kartasheva
    Venissage I can’t sleep in the library Tetiana Kartasheva

    Kunst entsteht auch durch Begegnung

    Tetiana Kartasheva kannte ich bereits über Instagram. Die Vernissage war deshalb eine gute Gelegenheit, ihre Arbeiten nicht nur im Raum zu erleben, sondern auch länger mit ihr über ihre künstlerische Arbeit zu sprechen.

    Auch Yulia Virts, die gelegentlich für Artcircle schreibt, war vor Ort und hatte Tetiana beim Aufbau der Ausstellung unterstützt. Beide sind befreundete Künstlerinnen. Unter den Gästen waren weitere Künstlerinnen und Künstler aus ihrem Umfeld.

    Das ist vielleicht nur eine Randbeobachtung – und gleichzeitig eine, die viel über eine Kunstszene erzählt.

    Denn zeitgenössische Kunst in Zürich findet nicht nur im Kunsthaus, in Museen oder in den etablierten Galerien statt. Sie entsteht auch in kleinen Projekträumen, temporären Ausstellungen und durch Künstlerinnen und Künstler, die eigene Projekte initiieren, sich gegenseitig unterstützen und Menschen zusammenbringen.

    Gerade solche Abende machen diese andere Seite der Zürcher Kunstszene sichtbar: persönlich, unmittelbar und erstaunlich lebendig.

    Venissage I can't sleep in the library Tetiana Kartasheva
    Venissage I can’t sleep in the library Tetiana Kartasheva

    Tetiana Kartasheva

    Tetiana Kartasheva, geboren 1989, ist eine ukrainisch-schweizerische Künstlerin mit Atelier in Zürich. Sie studierte Bildende Kunst in Kyiv und absolvierte später ein CAS in Curating an der Zürcher Hochschule der Künste. Ihre Arbeiten wurden in der Schweiz und international gezeigt, unter anderem im Helmhaus Zürich, in der Kulturhaus Helferei, bei Visarte Zürich sowie in verschiedenen unabhängigen Kunsträumen und Ausstellungsformaten.

    I Can’t Sleep in a Library
    Tetiana Kartasheva
    2.–7. Oktober 2026
    Klingenstrasse 23, Zürich

    Mit einer Klangarbeit von Dana Borić.

    Venissage I can't sleep in the library Tetiana Kartasheva
    Venissage I can’t sleep in the library Tetiana Kartasheva
    Venissage I can't sleep in the library Tetiana Kartasheva
    Venissage I can’t sleep in the library Tetiana Kartasheva
    Venissage I can't sleep in the library Tetiana Kartasheva
    Venissage I can’t sleep in the library Tetiana Kartasheva

    Textdokument zur Ausstellung

    Tetiana Kartasheva CV und Portfolio

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

  • Wenn abstrakte Kunst körperlich wird

    Wenn abstrakte Kunst körperlich wird

    The Body Within Abstraction im Museum Haus Konstruktiv

    Was hat der menschliche Körper mit abstrakter Kunst zu tun? Auf den ersten Blick vielleicht wenig. Gerade die konstruktiv-konkrete Kunst hat sich lange auf Linie, Farbe, Fläche, Geometrie und mathematische Systeme konzentriert. Der menschliche Körper schien darin kaum eine Rolle zu spielen.

    Die neue Ausstellung «The Body Within Abstraction» im Museum Haus Konstruktiv zeigt, dass diese Trennung weit weniger eindeutig ist. Acht international renommierte Künstlerinnen und Künstler machen auf sehr unterschiedliche Weise sichtbar, wie der Körper zum Massstab, Ausgangspunkt oder sogar zum eigentlichen Material abstrakter Kunst werden kann.

    Zu sehen sind Werke von Heidi Bucher, Eva Fàbregas, Kimsooja, Dóra Maurer, Bruce Nauman, Steven Parrino, Chiharu Shiota und Franz West. Die von Sabine Schaschl und Muriel Pérez kuratierte Gruppenausstellung erstreckt sich über den Ost- und Westteil des Museums.

    Der Körper als Massstab

    Besonders interessant ist dabei, wie unterschiedlich die Künstlerinnen und Künstler den Körper in ihre Arbeiten einbeziehen. Manchmal ist er unmittelbar präsent, manchmal nur durch seine Spuren, Bewegungen oder Proportionen.

    Bei Dóra Maurer wird der eigene Körper beispielsweise zum Messinstrument. In ihrer Filmarbeit «Proportions» von 1979 untersucht sie die Verhältnisse ihrer Gliedmassen zur eigenen Körperlänge und übersetzt diese in ein geometrisches System. Die Arbeit aus der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv bildet einen thematischen Ausgangspunkt der Ausstellung.

    Auch bei Bruce Nauman wird der Körper Teil eines Systems. In «Body Pressure» von 1974 besteht das Werk zunächst lediglich aus einer Anweisung: Der eigene Körper soll gegen eine Wand gedrückt und die Berührungspunkte bewusst wahrgenommen werden. Die Skulptur entsteht damit nicht als Objekt, sondern erst durch die körperliche Erfahrung der Betrachtenden.

    Noch unmittelbarer wird dieses Verhältnis in Naumans «Dance or Exercise on the Perimeter of a Square». Der Künstler bewegt sich entlang eines auf dem Boden markierten Quadrats. Aus einer geometrischen Linie wird Bewegung, aus dem abstrakten System eine körperliche Erfahrung.

    Zwischen Haut, Raum und Erinnerung

    Ganz anders nähert sich Heidi Bucher dem Thema. Ihre «Bodyshells» von 1972 umhüllen den menschlichen Körper wie eine zweite Haut und lassen die Grenze zwischen Mensch, Objekt und Raum verschwimmen. In der Ausstellung sind 2024 gefertigte Ausstellungskopien der vier Bodyshells zu sehen. Ein Film zeigt ihre ursprüngliche Performance am Venice Beach im Jahr 1972.

    Bei Kimsooja wiederum wird Textil zum Träger menschlicher Erfahrung. Ihre «Bottari» – Bündel aus Stoff – verweisen auf Reisen, Aufbruch und die Dinge, die Menschen mit sich tragen. In der Gegenüberstellung mit ihren auf Rahmen gespannten «Meta-Paintings» wird derselbe Stoff zugleich Fläche, Volumen und potenzielle Hülle des menschlichen Körpers.

    Eva Fàbregas lässt ihre Installationen fast selbst zu Körpern werden. Ihre organischen Latexformen erinnern an Haut, Gewebe oder innere Organe. Durch wiederholtes Aufblasen und Entleeren verändern sie sich: Die Oberflächen verlieren ihre Spannung, bilden Falten und werden zunehmend fragiler. Abstraktion erscheint hier beinahe als lebender Organismus.

    Spuren körperlicher Energie

    Bei Steven Parrino schreibt sich körperliche Energie direkt in die Leinwand ein. Er verschiebt, zerknittert und deformiert monochrome Bildflächen. Die klassische Geometrie des Bildträgers bleibt sichtbar, wird aber durch den physischen Eingriff aus ihrer Ordnung gebracht.

    Auch Franz West hinterfragt mit seinen berühmten «Passstücken» die Grenze zwischen Skulptur und Körper. Die abstrakten Gebilde aus Papiermaché und Gips waren ursprünglich dafür gedacht, vom Publikum aufgenommen und wie Erweiterungen oder Prothesen an den eigenen Körper angelegt zu werden.

    Den Abschluss bildet Chiharu Shiota mit «Endless Connections». Rote Fäden verdichten sich zu einem raumgreifenden Netzwerk, das an Blutgefässe oder neuronale Strukturen denken lässt. Unter dem Geflecht liegen Bronzeabgüsse der Hände der Künstlerin. Der Körper selbst ist nicht zu sehen – und scheint dennoch im gesamten Raum präsent.

    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction

    Eine Ausstellung, die den Raum braucht

    Gerade in den grosszügigen Räumen des neuen Museum Haus Konstruktiv entwickelt die Ausstellung eine besondere Wirkung. Die Arbeiten bekommen viel Raum, ohne isoliert zu wirken. Installationen, Filme, Skulpturen und konzeptuelle Arbeiten treten miteinander und mit der Architektur in Beziehung.

    Bei der Vernissage am 25. September wurde dies besonders spürbar. Trotz der vielen Besucherinnen und Besucher blieb die räumliche Wirkung der einzelnen Arbeiten erhalten. Die Präsentation wirkt grosszügig und präzise zugleich – und zeigt, welches Potenzial die neuen Räume im Löwenbräukunst-Areal für umfangreiche Ausstellungen besitzen.

    «The Body Within Abstraction» ist die erste Ausstellung seit dem Umzug, die sämtliche neuen Ausstellungsräume in Ost- und Westtrakt gemeinsam bespielt. Gleichzeitig feiert das Museum mit ihr sein 40-jähriges Bestehen.

    Vielleicht liegt genau darin eine zusätzliche Qualität dieser Ausstellung: Sie beschäftigt sich nicht nur mit Körpern, sondern auch mit deren Verhältnis zum Raum. Und diesen Raum kann man beim Rundgang selbst erfahren.

    The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv, Zürich
    26. September 2026 bis 10. Januar 2027
    Kuratiert von Sabine Schaschl und Muriel Pérez

    Weitere Informationen zur Ausstellung beim Museum Haus Konstruktiv

    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

  • Vessels – wenn ein Gefäss zur Erinnerung wird

    Vessels – wenn ein Gefäss zur Erinnerung wird

    Manchmal beginnt eine Ausstellung mit einer sehr einfachen Form. Bei Jasmin Blasco ist es das Gefäss. In seiner aktuellen Ausstellung „Vessels“ in der Lea Bischofberger Gallery in Zürich wird daraus ein Motiv, das sich immer wieder verändert – und gleichzeitig eine sehr persönliche Geschichte erzählt.

    Nach dem Tod seines Vaters Claude Picasso im August 2023 begann Blasco wieder regelmässig zu zeichnen. In den Tagen rund um dessen Einäscherung beschäftigte ihn die Vorstellung der Urne als Gefäss: Wie kann ein Objekt ein Leben aufnehmen, bewahren oder überhaupt repräsentieren? Gleichzeitig erinnerte er sich an antike griechische Keramiken, die ihm sein Vater bereits in seiner Kindheit nähergebracht hatte. 

    Daraus entwickelte sich eine tägliche zeichnerische Praxis. Von Ende 2023 bis September 2024 wurde das Gefäss zum wiederkehrenden Motiv, teilweise entstanden mehrere Zeichnungen am Tag. Mit wenigen Mitteln – Papier und Farbstiften – variierte Blasco Form, Linie, Farbe und Ornament immer wieder neu. Nicht das fertige Ergebnis stand dabei am Anfang, sondern ein Prozess, dessen Entwicklung bewusst offenblieb.

    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS

    Zarte Arbeiten, starke Räume

    Bemerkenswert ist auch ihre Präsentation. Lea Bischofberger nutzt Farbe immer wieder sehr bewusst als Teil ihrer Ausstellungen. Auch bei „Vessels“ bleiben die Wände nicht neutral: warme Terrakotta- und Rosétöne bilden den Hintergrund für die teilweise sehr feinen und zurückhaltenden Zeichnungen.

    Gerade dieser Kontrast gibt den Arbeiten Präsenz. Die farbigen Räume konkurrieren nicht mit ihnen, sondern scheinen sie regelrecht einzufassen. Besonders deutlich wird das bei einer Gruppe von zwölf kleinformatigen Zeichnungen, die streng angeordnet gemeinsam an einer Wand hängen. Aus einzelnen Variationen eines Motivs entsteht ein Gesamtbild.

    Auch die grösseren Gefässzeichnungen wirken in dieser Umgebung weniger wie isolierte Arbeiten als vielmehr wie Bestandteile eines Raumes, in dem Kunst und Inszenierung zusammengedacht werden.

    Eine Geschichte über mehrere Generationen

    Ganz im Hintergrund schwingt dabei eine bekannte Kunstgeschichte mit. Jasmin Blasco ist der Sohn von Claude Picasso und damit Enkel von Pablo Picasso. Claude hatte selbst eine enge Beziehung zur Keramik, nicht zuletzt durch seinen Vater, der sich intensiv mit diesem Medium beschäftigte. Blasco greift diese Familiengeschichte nach eigener Darstellung jedoch nicht bewusst als kunsthistorisches Programm auf. Sie bildet vielmehr einen Hintergrund, aus dem das Motiv des Gefässes hervorgegangen ist. 

    Auch zur Familie Bischofberger besteht eine lange persönliche Verbindung. Wie Nina Baier-Bischofberger bei der Vernissage erzählte, kennt die Familie Jasmin Blasco bereits seit seiner Kindheit. Eine kleine Randnotiz, die an diesem Abend dennoch gut zur persönlichen Atmosphäre der Ausstellung passte.

    Zeichnung trifft Sound

    „Vessels“ beschränkt sich zudem nicht auf die Arbeiten an den Wänden. Jasmin Blasco arbeitet eigentlich medienübergreifend mit Sound, Sprache, Film, Installation, Zeichnung und Performance. Für die Ausstellung erscheint auch eine signierte und nummerierte Publikation, die eines seiner ursprünglichen Skizzenbücher vollständig wiedergibt. Ergänzt wird sie durch eine Vinylplatte mit den Soundarbeiten „Water“ und „Ash“. 

    Damit lässt sich die Serie auf unterschiedliche Weise erleben: als einzelne Zeichnung an der Wand, als Abfolge im Skizzenbuch und über den Klang.

    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS

    Eigenständig – auch beim Termin

    Interessant war schliesslich auch der Zeitpunkt der Vernissage. Nur einen Tag zuvor hatte Zürich mit dem gemeinsamen Saisonstart der Galerien einen der dichtesten Kunstabende des Jahres erlebt. Lea Bischofberger entschied sich mit ihrer Eröffnung bewusst für den darauffolgenden Abend.

    Der Galerie geschadet hat das offensichtlich nicht. Zahlreiche Freunde und Wegbegleiter waren gekommen, und die Atmosphäre bot viel Raum für Gespräche. Vielleicht passt gerade diese Eigenständigkeit ziemlich gut zu einer Galerie, die auch bei der Gestaltung ihrer Räume selten den neutralen Weg wählt.

    Jasmin Blasco – Vessels
    18. September bis 31. Oktober 2026
    Lea Bischofberger Gallery, Rämistrasse 23, Zürich 

    Website Lea Bischlofberger Gallery

    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.

  • Kunstwerke, die den Blick nicht loslassen

    Kunstwerke, die den Blick nicht loslassen

    Xiao Guo Hui bei Galerie Fabian Lang in Zürich

    Beim Saisonstart der Zürcher Galerien am 17. September ist das Angebot gross, die Qualität hoch – und die Zeit für die einzelnen Stationen entsprechend knapp. Umso bemerkenswerter, wenn aus einem geplanten kurzen Besuch einer der längeren Aufenthalte des Abends wird. So geschehen bei Fabian Lang.

    Dafür gab es gleich mehrere Gründe: die herzliche Begrüssung durch das Galerieteam, vertraute Begegnungen, gute Gespräche mit Fabian Lang und dem Künstler selbst – und vor allem Kunstwerke, vor denen man nicht einfach nach einem kurzen Blick weitergeht.

    Denn je länger man die Arbeiten von Xiao Guo Hui betrachtet, desto mehr beginnt man zu entdecken.

    Mit „This Side of the Mountain, the Other Side of the Water“ zeigt die Galerie Fabian Lang die zweite Einzelausstellung des Künstlers in Zürich. Die aktuelle Werkgruppe entstand über einen Zeitraum von rund zwei Jahren. Xiao Guo Hui arbeitet mit Eitempera auf Leinen – einer traditionellen Maltechnik, die seinen Bildern ihre besondere, beinahe entrückte Wirkung verleiht.

    Doch es ist nicht allein die Technik, die den Blick festhält.

    Impressionen Vernissage Galerie Fabian Lang Xiao Guo_ Hui

    Vertraut – und doch vollkommen anders

    Auf den ersten Blick begegnen uns Szenen und Kompositionen, die bisweilen etwas historisch Vertrautes besitzen. Xiao Guo Hui bezieht sich unter anderem auf die Bildwelten der Frührenaissance und Künstler wie Giotto oder Piero della Francesca. Auch bekannte Motive und Bildordnungen scheinen immer wieder auf.

    Doch das vermeintlich Vertraute beginnt schnell zu kippen.

    Historische Referenzen werden aufgegriffen, verfremdet und mit Elementen unserer Gegenwart verbunden. Religiöse und kunsthistorische Anklänge treffen auf moderne Symbole, gesellschaftliche Konflikte und irritierende Details. Manche Szenen erinnern in ihrer Komposition an Bilder, die tief im kollektiven visuellen Gedächtnis verankert sind – und erzählen dennoch etwas vollkommen anderes.

    Gerade diese Überlagerungen machen die Arbeiten so spannend.

    Je länger man hinsieht, desto mehr entdeckt man

    Man kann Xiao Guo Huis Bilder aus der Distanz betrachten. Ihre eigentliche Faszination entfalten sie jedoch, wenn man näher herantritt und sich Zeit nimmt.

    Dann beginnt das Auge zu wandern.

    Über Figuren und Gesten, Gegenstände und Symbole, über kleine Nebenszenen bis hin zu winzigen Details, die beim ersten Blick kaum auffallen. Was zunächst nebensächlich erscheint, kann plötzlich eine neue Bedeutungsebene öffnen oder die Wahrnehmung der gesamten Szene verändern.

    Das Betrachten wird fast zu einer Form des Lesens – nur ohne vorgegebene Reihenfolge.

    Und genau darin liegt für mich eine besondere Qualität dieser Arbeiten: Sie erschliessen sich nicht auf einen Blick. Man entdeckt etwas, schaut weiter, kehrt zurück und entdeckt erneut etwas, das vorher übersehen wurde.

    Gleichzeitig bleiben die Bilder offen für unterschiedliche Lesarten. Historische Referenzen treffen auf sehr gegenwärtige Themen. Krieg, gesellschaftliche Konflikte und unsere zunehmend medial vermittelte Wahrnehmung von Ereignissen spielen in der aktuellen Werkgruppe eine wichtige Rolle. Wie verändert sich unser Verhältnis zu einem Geschehen, wenn wir es vor allem über Bilder und Bildschirme erleben? Wie nah ist uns etwas, das wir sehen – und wie weit entfernt bleiben wir dennoch?

    Xiao Guo Hui beantwortet diese Fragen nicht. Seine Bilder lassen sie im Raum stehen.

    Wenn aus Kunst Gespräche entstehen

    Die Vernissage war ausgesprochen gut besucht. Trotzdem blieb der Abend nicht bei der klassischen Betrachtung der Werke.

    Fabian Lang führte persönlich in die Ausstellung ein und sprach über Xiao Guo Huis Arbeit und die Hintergründe der neuen Werkgruppe. Anschliessend kam auch der Künstler selbst zu Wort. Xiao Guo Hui und seine Frau waren zur Eröffnung in Zürich, und auch nach der offiziellen Einführung setzte sich der Austausch fort.

    Der Künstler sprach mit den Gästen über seine Arbeiten, beantwortete Fragen und gab im persönlichen Gespräch weitere Einblicke in seine Gedanken und seine Arbeitsweise. Auch ich hatte Gelegenheit, mich sowohl mit ihm als auch etwas länger mit Fabian Lang auszutauschen.

    Hinzu kamen spontane Begegnungen – unter anderem mit einer kunstinteressierten Bekannten, die ich dort traf. Genau solche Momente machen eine Vernissage für mich interessant: Kunst wird nicht nur betrachtet, sondern zum Ausgangspunkt für Gespräche und neue Perspektiven.

    Vielleicht war genau das der Grund, warum aus dem geplanten kurzen Besuch einer der längeren Aufenthalte des Abends wurde.

    Die herzliche Atmosphäre in der Galerie, interessante Begegnungen und Gespräche – und vor allem Bilder, bei denen man auch nach längerem Betrachten das Gefühl hat, noch längst nicht alles gesehen zu haben.

    Xiao Guo Hui
    This Side of the Mountain, the Other Side of the Water
    17. September – 7. November 2026
    Galerie Fabian Lang
    Obere Zäune 12, 8001 Zürich

    Website Galerie Fabian Lang

    Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER
Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui
    Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER
    Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui
    Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui
    Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER
    Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui
    Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui
    Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER
    Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui
    Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui
    Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER
    Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui
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    Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui
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    Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui
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    Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui
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    Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER
    Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hu
    Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui
    Vernissage THIS SIDE OF THE MOUNTAIN, THE OTHER SIDE OF THE WATER
    Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui
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    Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui
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    Galerie Fabian Lang Xiao Guo Hui

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.

  • Wann wird ein Kunstwerk zum Meisterwerk?

    Wann wird ein Kunstwerk zum Meisterwerk?

    Monet, Warhol, Picasso, Hodler, Taeuber-Arp oder Tinguely: Das Kunsthaus Zürich versammelt in seiner Ausstellung «Ikonen» Werke, die längst als Meisterwerke gelten. Doch wer entscheidet eigentlich darüber? Und was geschieht, wenn man Vertrautes aus seinem gewohnten Zusammenhang löst?

    Die Frage, wann ein Kunstwerk zum Meisterwerk wird, stand auch bei der Eröffnung von «Ikonen. Ausgewählte Werke der Sammlung» im Raum. Der Begriff «Meisterwerk» fiel an diesem Abend mehr als einmal – und tatsächlich verfügt das Kunsthaus Zürich über zahlreiche Arbeiten, die längst Teil unseres kollektiven Bildgedächtnisses geworden sind.

    Claude Monets Wasserlilien, Andy Warhols «Big Torn Campbell’s Soup Can», Franz Gertschs «Franz und Luciano» oder Werke von Pablo Picasso, Ferdinand Hodler und Sophie Taeuber-Arp: Manche davon kennt man, bevor man ihnen überhaupt im Original begegnet ist.

    Doch was macht ihren besonderen Status aus? Künstlerische Qualität, kunsthistorische Bedeutung, Bekanntheit – oder vielleicht auch die Art, wie wir ihnen begegnen?

    Ikonen – wenn Bekanntes plötzlich anders aussieht

    Für die Ausstellung wurden bekannte Werke aus ihren gewohnten Zusammenhängen gelöst und neu miteinander in Beziehung gesetzt. Das klingt zunächst nach einer einfachen kuratorischen Entscheidung. Tatsächlich verändert es den Blick erstaunlich stark.

    Auf rund 800 Quadratmetern im Chipperfield-Bau begegnen sich Werke, die zwischen 1622 und 1998 entstanden sind. Mal folgt die Präsentation einer zeitlichen Linie, mal setzt sie bewusst auf epochenübergreifende Dialoge.

    Claude Monet trifft auf Ferdinand Hodler, Paul Gauguin und Pierre Bonnard. Jean Tinguelys monumentale Maschinenskulptur begegnet einem Gemälde von H. R. Giger. Pablo Picassos «Grand Nu» wird Heidi Buchers «Das Bett» gegenübergestellt.

    Gerade solche Konstellationen machen den Reiz der von Maja Wismer, Leiterin Sammlung & Forschung am Kunsthaus Zürich, kuratierten Ausstellung aus. Nicht das einzelne Werk verändert sich – sein Umfeld tut es. Und damit verändert sich auch unsere Wahrnehmung.

    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung

    Wer entscheidet, was bedeutend ist?

    Damit berührt «Ikonen» eine weitere interessante Frage: Wer bestimmt eigentlich, welche Werke besondere Bedeutung erlangen?

    Kunstgeschichte, Museen und Sammlungen prägen unseren Blick darauf, was als bedeutend gilt. Doch Bedeutung entsteht ebenso auf einer persönlichen Ebene. Für «Ikonen» haben deshalb bekannte und weniger bekannte Zürcherinnen und Zürcher einzelne Werke aus der Sammlung ausgewählt und erzählen in begleitenden Texten, warum gerade diese Arbeiten für sie besonders sind.

    Das öffnet den Blick über die kunsthistorische Einordnung hinaus. Denn man kann erklären, weshalb ein Werk für die Kunstgeschichte von Bedeutung ist. Welche Wirkung es auf den einzelnen Menschen entfaltet, lässt sich dagegen kaum festlegen.

    Vielleicht ist es genau diese Spannung zwischen allgemein anerkannter Bedeutung und persönlicher Wahrnehmung, die eine Sammlung immer wieder neu interessant macht.

    Ein Kunsthaus für alle?

    Bemerkenswert war in diesem Zusammenhang auch die Eröffnung der Ausstellung am 10. September. Zunächst gehörte der Abend den Mitgliedern des Kunsthauses und ihren Gästen. Ab 20 Uhr öffneten sich die Türen dann unter dem Titel «Eröffnung für alle» kostenlos für die Öffentlichkeit. Die Plätze waren begrenzt, ein Gratis-Ticket beziehungsweise eine vorherige Registrierung war erforderlich.

    Um 20.30 Uhr begrüssten Kunsthaus-Direktorin Ann Demeester, Kuratorin Maja Wismer und weitere Gäste das Publikum im Festsaal des Chipperfield-Baus. Anschliessend blieb bis 22 Uhr Zeit, die Ausstellung selbst zu entdecken, miteinander ins Gespräch zu kommen und den Abend bei einem Glas Wein ausklingen zu lassen.

    Das mag zunächst nur ein Detail im Veranstaltungsprogramm sein. Gleichzeitig steht eine solche Öffnung für einen Gedanken, der weit über diesen Abend hinausgeht: Ein Museum bewahrt und präsentiert nicht nur Kunst. Es kann auch ein Ort der Begegnung sein – und Menschen dazu einladen, sich unabhängig von ihrem Vorwissen mit Kunst auseinanderzusetzen.

    Gerade bei einer Ausstellung, die sich mit herausragenden Werken einer bedeutenden Sammlung beschäftigt, bekommt dieser Aspekt eine zusätzliche Qualität. Denn die Frage, was als Meisterwerk gilt, gehört nicht nur in die Kunstgeschichte. Sie lässt sich auch vor dem Original immer wieder neu stellen.

    Ein neuer Blick auf Bekanntes

    Vielleicht liegt eine der Stärken von «Ikonen» genau darin: Die Ausstellung zeigt bekannte Werke, verändert ihre Nachbarschaften und damit auch unseren Blick auf sie. Sie lässt Raum für kunsthistorische Einordnung ebenso wie für ganz persönliche Begegnungen.

    Und so bleibt am Ende jene Frage offen, die bereits am Anfang stand:

    Wann wird ein Kunstwerk zum Meisterwerk?

    Vielleicht muss eine gute Ausstellung darauf gar keine Antwort geben.

    Manchmal genügt es, die Frage neu zu stellen.

    «Ikonen. Ausgewählte Werke der Sammlung»
    Kunsthaus Zürich, Chipperfield-Bau
    11. September 2026 bis 10. Januar 2027

    Website Kunsthaus Zürich

    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
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    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
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    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
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    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung: Direktorin Ann Demeester
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
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    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung
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    Vernissage Kunsthaus « IKONEN » Ausgewählte Werke der Sammlung

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.