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  • Sabine Marcelis – Wenn Kreativität Licht und Material neu definiert

    Sabine Marcelis – Wenn Kreativität Licht und Material neu definiert

    Eine Ausstellung über kreative Visionen, experimentelle Gestaltung und die Suche nach neuen Möglichkeiten. Artcircle war beim Pressrundgang im Museum für Gestaltung Zürich dabei.

    Wo endet Design, wo beginnt Kunst? Für Sabine Marcelis scheint diese Frage keine besondere Bedeutung zu haben. Die niederländisch-neuseeländische Designerin denkt nicht in festen Kategorien, sondern in Möglichkeiten. Licht, Farbe und Material sind für sie Ausgangspunkte einer gestalterischen Forschung, bei der das Experiment ebenso wichtig ist wie das Ergebnis.

    Ihre Ausstellung «Light and Color» im Museum für Gestaltung Zürich zeigt eindrucksvoll, wie aus dieser Haltung aussergewöhnliche Objekte und räumliche Erlebnisse entstehen. Was auf den ersten Blick selbstverständlich und mühelos erscheint, ist häufig das Ergebnis komplexer Entwicklungsprozesse, technischer Herausforderungen und höchster Präzision.

    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color

    Einblicke in eine aussergewöhnliche Arbeitsweise

    Beim Pressrundgang am 29. Oktober führten Sabine Marcelis und Kurator Damian Fopp gemeinsam durch die Ausstellung. Weniger eine klassische Führung als vielmehr ein lebendiger Dialog, in dem die Künstlerin Einblicke in ihre Ideen, ihre Arbeitsweise und die Entstehung einzelner Werke gab.

    Dabei zeigte sich Marcelis als ausgesprochen offene, sympathische und kreative Persönlichkeit. Ihre Begeisterung für das Experimentieren war ebenso spürbar wie ihre Neugier auf neue Materialien, Verfahren und technische Möglichkeiten.

    Bemerkenswert ist dabei ihr Umgang mit Herausforderungen. Was zunächst kaum realisierbar erscheint, wird zum Ausgangspunkt weiterer Überlegungen. Nicht die vorhandenen technischen Möglichkeiten bestimmen allein den Entwurf. Vielmehr entsteht aus einer gestalterischen Vision die Frage, wie sich diese tatsächlich verwirklichen lässt.

    Dass solche Projekte nur mit einem erfahrenen Team und spezialisierten Partnern umgesetzt werden können, betonte Marcelis ausdrücklich. Ein Film in der Ausstellung vermittelt zusätzliche Einblicke in die aufwendigen Entwicklungs- und Fertigungsprozesse. Kreativität zeigt sich hier nicht als isolierte Leistung einer einzelnen Person, sondern als Zusammenspiel von Vorstellungskraft, Erfahrung und technischem Können.

    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color / Kurator Damian Fopp und Sabine Marcelis

    Wenn aus Experimenten neue Dimensionen entstehen

    Besonders anschaulich wird diese Haltung bei den monumentalen «Mathmos Lava Columns». Die vertraute Lavalampe, seit Jahrzehnten ein populäres Designobjekt, wird in eine völlig neue Grössenordnung übertragen. Die raumhohen Leuchtkörper verwandeln das bekannte Prinzip in eine eindrucksvolle Installation aus Licht, Farbe und Bewegung.

    Dabei geht es um weit mehr als die blosse Vergrösserung eines bestehenden Objekts. Neue Dimensionen verlangen neue technische Lösungen. Die Installation zeigt exemplarisch, wie Marcelis vertraute Formen hinterfragt und ihnen durch experimentelle Weiterentwicklung eine neue Wirkung verleiht.

    Ein anderes Beispiel ist «Plume Fountain», eine mehrere Meter hohe Skulptur, deren Realisierung aussergewöhnliche Präzision erfordert. Bereits kleinste Material- oder Verarbeitungsfehler können das gesamte Werk unbrauchbar machen. Die scheinbar selbstverständliche Eleganz der fertigen Arbeit lässt kaum erahnen, welcher technische Aufwand dahintersteht.

    Gerade dieser Gegensatz zwischen ästhetischer Leichtigkeit und komplexer Herstellung macht viele ihrer Arbeiten so faszinierend.

    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color / Sabine Marcelis

    Licht und Farbe als räumliches Erlebnis

    Die Ausstellung vereint zentrale Werke aus rund fünfzehn Jahren ihres Schaffens mit eigens für Zürich entwickelten Installationen. Möbel, Leuchten, Spiegel und skulpturale Objekte zeigen die Vielfalt ihres gestalterischen Ansatzes.

    Charakteristisch ist der Umgang mit Materialien wie Glas, Kunstharz und Naturstein. Transparenz, Reflexion und gezielte Lichtführung verändern deren Wirkung. Farben erscheinen nicht einfach als Oberflächen, sondern entwickeln eine eigene räumliche Präsenz.

    Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies im «VARMBLIXT Tunnel», einer Installation mit Leuchten aus Marcelis‘ Zusammenarbeit mit IKEA. Durch Spiegelungen entsteht ein scheinbar unendlicher Lichtraum, in dem sich die gewohnten räumlichen Grenzen auflösen.

    Auch Arbeiten wie die «Candy Cubes» verdeutlichen, wie stark sich die Wahrnehmung eines Objekts durch Lichteinfall, Materialstärke und Blickwinkel verändern kann.

    Die reduzierte Formensprache ist dabei kein Selbstzweck. Sie schafft Raum für die eigentlichen Protagonisten ihrer Gestaltung: Licht, Farbe und Material.

    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color

    Zwischen Kunst, Design und technischer Innovation

    Sabine Marcelis arbeitet für internationale Unternehmen und Marken, entwickelt aber ebenso eigenständige skulpturale Arbeiten und raumgreifende Installationen.

    Für sie scheint die traditionelle Unterscheidung zwischen Kunst und Design kaum relevant. Ihre Arbeiten lassen sich nicht immer eindeutig einer Disziplin zuordnen – und müssen es auch nicht.

    Interessanter ist die Frage, was Gestaltung leisten kann, wenn vertraute Kategorien und technische Konventionen nicht als unveränderlich betrachtet werden.

    Marcelis verbindet eine klare, oft minimalistische Formensprache mit einer bemerkenswerten Experimentierfreude. Ihre Arbeiten wirken bisweilen spielerisch, beinahe selbstverständlich. Doch gerade diese Selbstverständlichkeit ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit Materialien, Produktionsverfahren und gestalterischen Möglichkeiten.

    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color

    Eine Ausstellung, die begeistert

    Die Ausstellung im Toni-Areal ist nicht nur eine Präsentation bemerkenswerter Designobjekte. Sie vermittelt auch etwas von der Denkweise einer Gestalterin, deren kreative Neugier offenbar keine festen Grenzen kennt.

    Der persönliche Austausch während des Pressrundgangs machte diesen Ansatz besonders nachvollziehbar. Auch in Gesprächen mit anderen Teilnehmenden zeigte sich eine durchweg begeisterte Resonanz auf die Ausstellung.

    «» lädt dazu ein, genauer hinzusehen und vermeintlich vertraute Materialien und Phänomene neu wahrzunehmen. Sie zeigt, wie viel gestalterisches Potenzial in der Verbindung von kreativer Vision, experimenteller Forschung und technischer Präzision liegt.

    Vielleicht ist genau das die besondere Qualität der Arbeiten von Sabine Marcelis: Sie geben nicht nur Antworten auf gestalterische Fragen, sondern eröffnen immer wieder neue Möglichkeiten.

    Ausstellung: Sabine Marcelis – Light and Color

    Museum für Gestaltung Zürich, Toni-Areal
    Pfingstweidstrasse 96, 8005 Zürich
    30. Oktober 2026 bis 4. April 2027

    Weitere Informationen: Website Museum für Gestaltung Zürich

    Text und Fotografien: Artcircle.ch

    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color / Sabine Marcelis
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color / Kurator Damian Fopp
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color
    Museum für Gestaltung Zürich Sabine Marcelis Preview Light and Color / Autor Ronald Wissler

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

  • «What Remains Unseen» – Drei künstlerische Positionen, ein lebendiger Dialog

    «What Remains Unseen» – Drei künstlerische Positionen, ein lebendiger Dialog

    Pascal Robert Gallery, Zürich | 29. Oktober – 12. Dezember 2026

    Drei Kunstschaffende, drei eigenständige Bildsprachen und eine Ausstellung, die einmal mehr zeigt, wie überzeugend zeitgenössische Kunst präsentiert werden kann. Mit «What Remains Unseen» vereint die Pascal Robert Gallery an der Zürcher Rämistrasse Arbeiten von Frederick Terpstra, Selini Demetriou und Seol Kwon. Die Vernissage am 29. Oktober war aussergewöhnlich gut besucht und entwickelte sich zu einem ebenso anregenden wie kommunikativen Abend.

    Wer die Ausstellungen von Pascal Robert regelmässig besucht, kennt den hohen Anspruch an die Präsentation der Werke. Auch diesmal überzeugten die sorgfältige Auswahl, die grosszügige Hängung und das Zusammenspiel der unterschiedlichen künstlerischen Positionen.

    Auffällig war, dass überwiegend kleinere und mittlere Formate zu sehen waren. Eine Besonderheit, die sich aus den Arbeiten der Kunstschaffenden ergibt und den Ausstellungsräumen eine andere, teilweise intimere Wirkung verlieh als bei früheren Präsentationen.

    Frederick Terpstra – Eine unverwechselbare Handschrift

    Der 1995 geborene Künstler Frederick Terpstra beschäftigt sich in seinen Zeichnungen mit alltäglichen Situationen, urbanen Räumen und flüchtigen Momenten menschlicher Begegnungen. Seine Motive entstehen aus der Beobachtung und zeigen häufig Szenen, die im Alltag kaum besondere Aufmerksamkeit erfahren würden.

    Terpstra beeindruckt durch seine aussergewöhnliche Zeichentechnik und die hohe handwerkliche Qualität seiner Arbeiten. Besonders markant ist seine eigenständige Bildsprache, die einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Seine überwiegend kleinformatigen Werke zeichnen sich durch bemerkenswerte Präzision, intensive Hell-Dunkel-Kontraste und eine besondere atmosphärische Dichte aus. Eine unverwechselbare Handschrift, an der sich seine Arbeiten auch ohne Kenntnis des Urhebers erkennen lassen.

    Dabei geht es um weit mehr als die detailgetreue Wiedergabe einer Situation. Terpstra hält Momente fest, die zwischen Beobachtung und Erinnerung angesiedelt sind. Seine Bilder lassen Raum für eigene Assoziationen und Geschichten, ohne diese vollständig zu erzählen.

    Pascal Robert Gallery Selini Demetriou · Frederick Terpstra · Seol Kwon What remains unseen
    Pascal Robert Gallery Selini Demetriou · Frederick Terpstra · Seol Kwon
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    Selini Demetriou – Die Kraft der Zurückhaltung

    Einen spannenden Gegenpol bilden die Arbeiten der 1982 in Zürich geborenen schweizerisch-zypriotischen Künstlerin Selini Demetriou. Ihre interdisziplinäre Praxis umfasst Malerei, Fotografie, Skulptur und Installation. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Materialität, Raum, Erinnerung und Wahrnehmung.

    Demetrious Werke wirken angenehm zurückhaltend und zeitlos. Ihre gestalterische Reduktion verleiht ihnen eine eigenständige Präsenz, die ohne grosse Gesten auskommt.

    Häufig beschäftigt sie sich mit scheinbar unscheinbaren Materialien, räumlichen Strukturen und alltäglichen Fundstücken. Durch Verschiebungen, Wiederholungen und neue Zusammenhänge verändert sie deren Wahrnehmung. Was zunächst vertraut erscheint, erhält eine andere Bedeutung.

    Gerade diese Offenheit macht ihre Arbeiten interessant. Sie drängen sich nicht auf, sondern entfalten ihre Wirkung bei genauerer Betrachtung. Das Verhältnis zwischen Objekt, Raum und Betrachter wird dabei selbst zum Bestandteil des künstlerischen Ausdrucks.

    Pascal Robert Gallery Selini Demetriou · Frederick Terpstra · Seol Kwon What remains unseen
    Pascal Robert Gallery Selini Demetriou · Frederick Terpstra · Seol Kwon
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    Seol Kwon – Farbe mit Souveränität

    Die 1972 in Seoul geborene Künstlerin Seol Kwon setzt mit ihrer Malerei einen ausgesprochen lebendigen Akzent. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Abstraktion und gegenständlichen Assoziationen. Formen entstehen, überlagern sich und lösen sich wieder auf. Farbe übernimmt dabei eine zentrale gestalterische Funktion.

    Besonders beeindruckend ist Kwons souveräner Umgang mit Farbe. Ihre Malerei ist emotional und ausdrucksstark, ohne jemals überladen oder aufdringlich zu wirken. Trotz intensiver Farbigkeit bewahren die Kompositionen eine bemerkenswerte Balance.

    Dabei entstehen komplexe Bildräume, in denen sich Formen und Farbfelder gegenseitig beeinflussen. Der Blick wandert über die Leinwand, entdeckt neue Zusammenhänge und verändert immer wieder seine Wahrnehmung.

    Die scheinbare Spontaneität der Malerei verbindet sich mit einer ausgeprägten kompositorischen Sicherheit. Gerade dieses Zusammenspiel aus Dynamik und Kontrolle macht ihre Arbeiten so überzeugend.

    Pascal Robert Gallery Selini Demetriou · Frederick Terpstra · Seol Kwon
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    Pascal Robert Gallery Selini Demetriou · Frederick Terpstra · Seol Kwon
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    Eine Vernissage, die Kunst und Menschen zusammenbringt

    Neben den künstlerischen Positionen bleibt vor allem die besondere Atmosphäre des Eröffnungsabends in Erinnerung. Die Galerie war aussergewöhnlich gut besucht. So viele Gäste hatte man in diesen Räumen bei früheren Vernissagen kaum erlebt.

    Bemerkenswert war dabei nicht nur die grosse Resonanz, sondern vor allem die offene und kommunikative Stimmung. Überall entstanden Gespräche, neue Begegnungen und ein lebendiger Austausch über Kunst.

    Dazu trug auch Galerist Pascal Robert bei, der mit seiner freundlichen, aufmerksamen und zuvorkommenden Art einmal mehr ein hervorragender Gastgeber war. Ebenso prägten die Gäste selbst den Abend mit ihrer Offenheit und ihrem Interesse.

    Es sind solche Begegnungen, die eine Vernissage über die reine Präsentation von Kunst hinaus zu einem besonderen Erlebnis machen.

    Pascal Robert Gallery Selini Demetriou · Frederick Terpstra · Seol Kwon What remains unseen
    Pascal Robert Gallery Selini Demetriou · Frederick Terpstra · Seol Kwon
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    Drei Positionen, eine überzeugende Ausstellung

    What Remains Unseen verbindet drei sehr unterschiedliche künstlerische Ansätze, die sich gegenseitig ergänzen, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren.

    Die zeichnerische Präzision von Frederick Terpstra, die zeitlose Zurückhaltung von Selini Demetriou und die ausdrucksstarke Farbigkeit von Seol Kwon schaffen ein spannendes Zusammenspiel.

    Der gemeinsame Ausstellungstitel verweist dabei auf etwas, das alle drei Positionen verbindet: die Auseinandersetzung mit Wahrnehmung und mit dem, was sich nicht unmittelbar erschliesst. Ob in flüchtigen Alltagsszenen, reduzierten räumlichen Interventionen oder vielschichtigen Farbkompositionen – die Werke laden dazu ein, genauer hinzusehen.

    Eine überzeugend präsentierte Ausstellung und eine Vernissage, die eindrucksvoll gezeigt hat, dass Kunst nicht nur vom Betrachten, sondern ebenso vom Austausch und von persönlichen Begegnungen lebt.


    Ausstellung: What Remains Unseen
    Kunstschaffende: Frederick Terpstra, Selini Demetriou, Seol Kwon
    Ort: Pascal Robert Gallery, Rämistrasse 5, 8001 Zürich
    Dauer: 29. Oktober – 12. Dezember 2026

    Website Pascal Robert Gallery

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    Pascal Robert Gallery Selini Demetriou · Frederick Terpstra · Seol Kwon
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    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

  • Als Plakate die Welt verändern wollten

    Als Plakate die Welt verändern wollten

    Avantgarde – Grafikdesign im Aufbruch: Das Museum für Gestaltung Zürich zeigt, wie gesellschaftliche Umbrüche vor hundert Jahren eine neue visuelle Sprache hervorbrachten. Und warum uns diese Zeit heute noch erstaunlich nahe ist.

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch

    Was passiert mit der Gestaltung, wenn eine Gesellschaft ihre bisherigen Vorstellungen von der Welt infrage stellt? Wenn politische Systeme zerbrechen, technische Entwicklungen den Alltag verändern und eine neue Generation nicht länger bereit ist, die Regeln der Vergangenheit zu akzeptieren?

    Vor rund hundert Jahren waren diese Fragen von brennender Aktualität. Die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg waren geprägt von politischen Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheit, aber auch von einem beinahe grenzenlosen Glauben an den Fortschritt. Eine neue Gesellschaft sollte entstehen. Und mit ihr eine neue Gestaltung.

    Die Ausstellung «Avantgarde – Grafikdesign im Aufbruch» im Museum für Gestaltung Zürich führt zurück in diese bewegte Epoche. Sie zeigt eindrucksvoll, dass Design weit mehr sein kann als die ästhetische Gestaltung unserer Umwelt.

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch

    Eine neue Welt braucht eine neue Formensprache

    Die Avantgarde wollte nicht einfach schönere Plakate entwerfen. Sie wollte mit den gestalterischen Konventionen ihrer Zeit brechen.

    Ornamente verschwanden, geometrische Formen rückten in den Vordergrund. Klare Linien, starke Kontraste und eine neue, experimentelle Typografie ersetzten die dekorative Bildsprache früherer Jahrzehnte. Fotografie und Fotomontage eröffneten zusätzliche Ausdrucksmöglichkeiten.

    Dieser Wandel beschränkte sich keineswegs auf die Grafik. Auch Architektur, Möbel, Alltagsgegenstände und Mode veränderten sich grundlegend. Funktionalität, Sachlichkeit und die Möglichkeiten industrieller Fertigung prägten ein neues Verständnis von Gestaltung.

    Es war eine Zeit, in der die Grenzen zwischen Kunst und Design zunehmend durchlässig wurden. Künstler wurden zu Gestaltern, Gestaltung wurde zum gesellschaftlichen Statement.

    Besonders faszinierend ist dabei, wie eng die neuen ästhetischen Vorstellungen mit politischen und sozialen Utopien verbunden waren. Gestaltung sollte nicht nur die neue Welt abbilden, sondern aktiv zu ihrer Entstehung beitragen.

    Plakate als Spiegel ihrer Zeit

    Mehr als 150 Plakate sowie Fotografien, Filme und Objekte der visuellen Alltagskultur machen diesen Aufbruch in Zürich sichtbar.

    Zu entdecken sind Arbeiten bedeutender Vertreter der internationalen Avantgarde. El Lissitzky und Valentina Kulagina stehen für die radikale Bildsprache des russischen Konstruktivismus. Adolphe Mouron Cassandre verbindet grafische Präzision mit der Eleganz des Art Déco. Jan Tschichold revolutionierte die Typografie, während Fotografinnen wie Lucia Moholy und Binia Bill neue Perspektiven auf die sichtbare Welt eröffneten.

    Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich die gestalterischen Antworten auf dieselbe Epoche ausfallen konnten. Mal streng geometrisch und rational, mal expressiv, dynamisch oder überraschend poetisch.

    Besonders eindrucksvoll ist das berühmte Plakat für den Nord Express von Cassandre. Die monumentale Lokomotive, die dramatische Perspektive und die auf wenige Elemente reduzierte Komposition vermitteln bis heute eine beinahe körperlich spürbare Vorstellung von Geschwindigkeit und technischem Fortschritt.

    Dass diese Arbeiten teilweise fast hundert Jahre alt sind, gerät beim Betrachten schnell in Vergessenheit. Viele wirken noch immer erstaunlich modern.

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch

    Wenn die Ausstellung selbst zur Gestaltung wird

    Bemerkenswert ist nicht nur, was gezeigt wird, sondern auch, wie.

    Die von Dr. Bettina Richter kuratierte Ausstellung überzeugt durch eine Präsentation, die weit über eine klassische Plakatschau hinausgeht. Mehr als 150 Plakate, Fotografien, Filme und Objekte treten miteinander in einen Dialog. Dabei werden nicht nur gestalterische Entwicklungen sichtbar, sondern auch die gesellschaftlichen Ideen und Widersprüche, aus denen sie hervorgegangen sind.

    Die Plakate hängen nicht einfach in einer konventionellen Abfolge an den Wänden. Stattdessen stehen sie auf offenen, teilweise raumhohen Trägerstrukturen, die den Ausstellungsraum gliedern und immer neue Blickbeziehungen ermöglichen.

    Man bewegt sich zwischen den Arbeiten, entdeckt Motive aus unterschiedlichen Perspektiven und erlebt die Ausstellung als räumliche Komposition.

    Besonders reizvoll ist das Zusammenspiel mit der Architektur des Museums. Die klaren Linien, die sichtbare Konstruktion und die sachliche Formensprache des Gebäudes treten in einen fast selbstverständlichen Dialog mit den ausgestellten Werken.

    Hier begegnen sich Architektur und Grafikdesign auf Augenhöhe. Beide folgen einer gestalterischen Haltung, die auf Klarheit, Konstruktion und bewusste Reduktion setzt.

    Es sind gerade diese sorgfältig entwickelten Zusammenhänge, die erkennen lassen, wie intensiv sich das Ausstellungsteam mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Die Geschichte des Grafikdesigns wird nicht einfach dokumentiert, sondern in ihren vielfältigen Beziehungen erfahrbar gemacht.

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch

    Zwischen Aufbruch und Widerspruch

    Bei aller Begeisterung für die gestalterischen Experimente darf man eines nicht übersehen: Die Avantgarde war keine einheitliche Bewegung.

    Ihre Vertreter verband häufig der Wunsch nach Veränderung, doch ihre politischen Überzeugungen und gesellschaftlichen Vorstellungen konnten weit auseinanderliegen.

    Während manche Künstler und Gestalter auf eine gerechtere, offenere Gesellschaft hofften, wurden die neuen visuellen Ausdrucksmittel später auch von autoritären und totalitären Bewegungen vereinnahmt.

    Die Ausstellung verschweigt diese Widersprüche nicht. Sie zeigt eine Epoche voller kreativer Energie, aber auch voller Konflikte. Mit dem Erstarken totalitärer Regime endete Mitte der 1930er-Jahre eine aussergewöhnlich intensive Phase gestalterischer Experimente.

    Ihre Ideen allerdings überlebten.

    Wie viel Avantgarde steckt noch in unserer Gegenwart?

    Vielleicht liegt gerade darin die besondere Aktualität dieser Ausstellung.

    Auch heute erleben wir tiefgreifende Veränderungen. Neue Technologien stellen vertraute Arbeitsweisen infrage, gesellschaftliche Gewissheiten geraten ins Wanken und die Möglichkeiten visueller Kommunikation entwickeln sich in rasantem Tempo.

    Vor hundert Jahren waren es unter anderem Fotografie, Film und industrielle Reproduktion, die neue Ausdrucksformen ermöglichten. Heute verändern digitale Medien und künstliche Intelligenz die Art, wie Bilder entstehen und verbreitet werden.

    Natürlich lassen sich die beiden Epochen nicht einfach gleichsetzen. Doch die grundlegende Frage ist erstaunlich ähnlich geblieben: Wie reagieren Kunst und Design auf eine Welt im Wandel?

    Und können sie selbst zu diesem Wandel beitragen?

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch

    Eine Ausstellung, die zum Nachdenken anregt

    Bereits die ausgesprochen gut besuchte Vernissage Anfang September zeigte, auf welches Interesse dieses Thema stösst. Nach der Begrüssung durch Karin Mairitsch, Rektorin der Zürcher Hochschule der Künste, führte Kuratorin Dr. Bettina Richter in die Ausstellung ein.

    Bei dieser Gelegenheit hatte ich auch die Möglichkeit, die Kuratorin persönlich kennenzulernen. Im Gespräch wurde deutlich, mit wie viel Überzeugung sie sich diesem Thema widmet.

    Bei einem weiteren Besuch, diesmal mit mehr Zeit zum Betrachten und Fotografieren, erschloss sich mir die Vielschichtigkeit der Ausstellung noch einmal auf andere Weise.

    Es geht nicht allein um herausragende Plakatgestaltung. Es geht um Ideen, gesellschaftliche Hoffnungen und den Versuch, mit gestalterischen Mitteln eine neue Wirklichkeit zu schaffen.

    Die Ausstellung macht sichtbar, wie sehr unsere heutige visuelle Kultur von diesen Experimenten geprägt wurde.

    Und sie erinnert daran, dass wirklich neue Gestaltung selten dort entsteht, wo man sich mit dem Bestehenden zufriedengibt.

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch

    Avantgarde – Grafikdesign im Aufbruch

    Museum für Gestaltung Zürich
    Ausstellungsstrasse 60, 8005 Zürich

    Ausstellungsdauer: 3. September 2026 bis 21. Februar 2027

    Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10–17 Uhr; Donnerstag bis 20 Uhr, ab 17 Uhr freier Eintritt.

    Weitere Informationen: museum-gestaltung.ch
    Download Flyer zur Ausstellung

    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
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    Museum für Gestaltung Zürich 2026 Plakatausstellung AVANTGARDE -Grafikdesign im Aufbruch
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    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

  • Was ist uns eigentlich heilig?

    Was ist uns eigentlich heilig?

    Ein Kreuz aus Discokugeln, eines aus Federn, ein anderes aus Perlen oder Fundstücken. Die Ausstellung «Sacred Pop Art» im Zürcher SiloSilo zeigte, wie aus einem jahrtausendealten Symbol eine überraschend zeitgenössische und farbenfrohe Kunstwelt entstehen kann. Und stellte dabei eine Frage, die weit über religiöse Vorstellungen hinausgeht.

    Ein ehemaliges Industriesilo, mächtige Stahlkonstruktionen, kaum Tageslicht. Schon der Ort war ungewöhnlich. Doch was Jeanine Merz und Christian Breitschmid hier unter dem Titel «Sacred Pop Art» präsentierten, war weit mehr als eine Kunstausstellung in spektakulärer Kulisse.

    222 Kunstwerke, ein einziges formales Motiv: das Kreuz. Und dennoch schien sich keine Idee zu wiederholen.

    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo

    Ein Symbol, unzählige Interpretationen

    Das Kreuz gehört zu den bekanntesten Symbolen unserer Kultur. Seit Jahrhunderten wird es verehrt, getragen und dargestellt. Doch was geschieht, wenn man es aus seinem gewohnten Zusammenhang löst und mit vollkommen anderen Materialien und Bedeutungen verbindet?

    Die beiden Kunstschaffenden haben darauf eine ebenso spielerische wie konsequente Antwort gefunden.

    Pailletten, Stoffreste, Federn, Perlen, Spielzeug, glänzende Folien und Dinge, die andernorts vielleicht längst im Abfall gelandet wären, wurden zu eigenständigen Kunstobjekten. Mal schrill und überbordend, mal filigran und zurückhaltend. Manche Arbeiten wirkten humorvoll, andere poetisch, wieder andere fast meditativ.

    Gerade diese gestalterische Vielfalt war beeindruckend. Denn obwohl das Kreuz als Grundform immer wiederkehrte, eröffnete jedes Werk eine neue Perspektive.

    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo

    Alles ist heilig

    Hinter dieser kreativen Fülle steht ein Gedanke, der zunächst überraschend einfach klingt: Alles ist heilig.

    Nicht nur das Kostbare oder religiös Verehrte. Auch das Alltägliche, das Künstliche, das Vergessene und das scheinbar Wertlose.

    Eine Plastikperle besitzt in dieser Vorstellung nicht weniger Bedeutung als Gold. Eine Feder aus einem alten Kostüm kann ebenso viel Energie in sich tragen wie ein kostbares Relikt.

    Es geht dabei weder um eine religiöse Ausstellung im klassischen Sinn noch um eine Kritik am Christentum. Vielmehr wird das Kreuz zum Sinnbild einer universellen Verbundenheit. Einer Energie, die nach Vorstellung der Kunstschaffenden alles durchdringt und keine Unterscheidung zwischen heilig und profan kennt.

    Das ist ein durchaus philosophischer Ansatz. Und vielleicht gerade deshalb so interessant, weil er nicht mit schwerer Symbolik vermittelt wird, sondern mit Farbe, Humor und einer bemerkenswerten gestalterischen Freiheit.

    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo

    Wenn Architektur zur Inszenierung wird

    Ebenso eindrucksvoll wie die Kunstwerke war ihre Präsentation.

    Das weitgehend fensterlose SiloSilo mit seinen gewaltigen Stahlträgern, industriellen Oberflächen und ungewöhnlichen Raumdimensionen entwickelte eine ganz eigene Atmosphäre. Das künstliche Licht setzte gezielte Akzente und liess die farbenfrohen Arbeiten vor der rauen Architektur besonders intensiv wirken.

    Bemerkenswert war vor allem, wie selbstverständlich die Kunstwerke in die vorhandene Konstruktion integriert wurden. Manche waren direkt in den Profilen der Stahlträger befestigt, andere hingen frei an dünnen Schnüren im Raum.

    Nichts wirkte wie eine nachträglich eingerichtete Galerie. Vielmehr schienen Architektur und Kunst eine gemeinsame Sprache gefunden zu haben.

    Gerade der Kontrast zwischen den massiven industriellen Strukturen und den oft filigranen, spielerischen Objekten machte den Rundgang zu einem besonderen Erlebnis.

    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo

    Was bleibt?

    Im persönlichen Gespräch mit den beiden Kunstschaffenden wurde deutlich, mit wie viel Begeisterung und kreativer Energie dieses Projekt entstanden ist. Magisch, frisch und «wow» – so beschreiben sie selbst ihre Ausstellung. Und tatsächlich treffen diese Begriffe die Atmosphäre erstaunlich gut.

    Was besonders in Erinnerung bleibt, ist nicht allein die Vielfalt der 222 Arbeiten oder die aussergewöhnliche Inszenierung. Es ist die Konsequenz, mit der eine einzige Idee immer wieder neu gedacht wurde.

    «Sacred Pop Art» hat gezeigt, dass Kunst nicht kompliziert sein muss, um zum Nachdenken anzuregen. Manchmal genügt ein vertrautes Symbol, ein ungewohnter Blick darauf und die Bereitschaft, scheinbar Selbstverständliches infrage zu stellen.

    Denn vielleicht liegt das Heilige nicht nur dort, wo wir es traditionell vermuten.

    Sondern auch in den Dingen, denen wir bisher kaum Beachtung geschenkt haben.

    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo

    Über das Kunstprojekt

    «Sacred Pop Art» von Jeanine Merz und Christian Breitschmid wurde am 10. Oktober 2026 im SiloSilo in Zürich präsentiert. Die Ausstellung mit 222 Arbeiten ist inzwischen beendet.

    Weitere Informationen zum Projekt: Website iamholy.art

    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
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    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
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    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
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    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
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    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
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    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo
    Ausstellung Vernissage «Sacred Pop Art» Jeanine Merz und Christian Breitschmid im Zürcher SiloSilo

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

  • Was bleibt von Kunst, wenn sie niemand sieht?

    Was bleibt von Kunst, wenn sie niemand sieht?

    Die Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich bringt Werke ans Licht, die seit mindestens 50 Jahren nicht mehr öffentlich zu sehen waren. Einen Stock höher verschwindet die Kunst dagegen vollständig. Eine Ausstellung über Sichtbarkeit – und darüber, was mit Kunst passiert, wenn niemand sie sieht.

    Man weiss zunächst gar nicht, wohin man schauen soll.

    Bilder hängen dicht an dicht, teilweise bis fast unter die Decke. Grosse Gemälde neben kleinen Zeichnungen, Porträts neben Landschaften, Abstraktion neben Gegenständlichem. Dazwischen stehen rohe Holzregale, in denen weitere Werke stecken. Manche sieht man vollständig, von anderen nur einen Ausschnitt, einen Rahmen oder sogar nur die Rückseite.

    So sieht eine Ausstellung normalerweise nicht aus.

    Museen und Galerien geben Kunst Raum. Werke werden ausgewählt, auf Abstand gebracht, ins richtige Licht gesetzt. Im ersten Stock des Helmhaus passiert fast das Gegenteil.

    Die Fülle ist überwältigend – und genau darin liegt die besondere Wirkung von «In der Sonne sitzen».

    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich

    50 Jahre nicht gesehen

    Was hier so dicht nebeneinander hängt und steht, stammt aus öffentlichen Kunstsammlungen. Und keines dieser Werke wurde in den vergangenen 50 Jahren öffentlich ausgestellt. Manche waren vermutlich noch wesentlich länger nicht zu sehen.

    Plötzlich bekommt die Präsentation in den Holzregalen eine zusätzliche Bedeutung. Sie erinnert nicht nur an ein Depot. Sie macht sichtbar, was normalerweise tatsächlich hinter verschlossenen Türen geschieht.

    Und damit auch eine Realität des Kunstbetriebs, über die man als Besucher selten nachdenkt.

    Wir kennen Kunst vor allem dann, wenn sie gezeigt wird. Im Museum. In einer Galerie. Auf einer Messe. In einer Sammlung oder vielleicht in einer Wohnung. Doch hinter jedem ausgestellten Werk stehen unzählige andere, die gerade nirgendwo hängen.

    Sie lagern.

    In Museumsdepots, Archiven, Galerielagern, Ateliers, Kellern oder privaten Sammlungen. Manche für einige Monate, andere für Jahre oder Jahrzehnte.

    Gerade wenn man selbst Künstlerinnen und Künstler kennt, bekommt dieser Gedanke eine andere Dimension. Denn ein Bild ist zunächst kein Inventarstück. Jemand hat es geschaffen. Eine Idee entwickelt, Entscheidungen getroffen, verworfen, neu begonnen. Zeit investiert. Vielleicht gezweifelt.

    Und irgendwann entschieden: Jetzt ist es fertig.

    Meist verbunden mit dem Wunsch, dass jemand dieses Werk sieht.

    Was passiert also mit Kunst, wenn genau das nicht geschieht?

    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich

    Sehen – und trotzdem nicht alles sehen können

    Das Helmhaus beantwortet diese Frage nicht. Stattdessen verschärft es sie.

    Denn nun sind all diese Werke endlich wieder öffentlich zu sehen – und gleichzeitig sind es so viele, dass man unmöglich jedem einzelnen die Aufmerksamkeit schenken kann, die es in einer klassischen Ausstellung bekommen würde.

    Vor einer Museumswand kann man zurücktreten und sich auf ein Werk konzentrieren. Hier wandert der Blick ständig weiter. Ein Bild zieht das nächste nach sich. Manche Arbeiten entdeckt man erst auf den zweiten Blick. Andere verschwinden beinahe in der Menge.

    Auch in den Regalen lassen sich nicht alle Werke vollständig betrachten.

    Eigentlich müsste das frustrieren.

    Stattdessen beginnt man zu suchen.

    Man geht näher heran, schaut zwischen Rahmen, entdeckt eine Rückseite, bleibt an einem Gesicht hängen oder an einer Farbe. Und plötzlich schafft es doch wieder ein einzelnes Werk, sich aus der Masse zu lösen.

    Vielleicht liegt genau darin eine der stärksten Erfahrungen dieser Ausstellung.

    Und dann geht man einen Stock höher.

    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich

    Und plötzlich gibt es nichts mehr zu sehen

    Der zweite Stock dreht das Prinzip vollständig um.

    Während unten Hunderte Werke um den Blick der Besucher konkurrieren, werden oben zeitgenössische Kunstwerke präsentiert, die man überhaupt nicht sehen kann.

    Sie wurden eigens für «In der Sonne sitzen» entwickelt. Doch anstatt ihnen gegenüberzustehen, erfährt man von ihnen durch Erzählerinnen und Erzähler. Alle 15 Minuten wird von diesen Arbeiten berichtet.

    Die sichtbare Kunst des ersten Stocks trifft auf unsichtbare Kunst im zweiten.

    Und plötzlich stellt sich dieselbe Frage noch einmal – nur unter vollkommen anderen Vorzeichen.

    Was braucht ein Kunstwerk eigentlich, um in unserer Vorstellung zu existieren?

    Müssen wir es sehen? Oder reicht eine Beschreibung, aus der im Kopf ein eigenes Bild entsteht? Und ist dieses Bild dann noch das Werk der Künstlerin oder des Künstlers – oder bereits ein Stück weit unser eigenes?

    Gerade der Kontrast zwischen den beiden Stockwerken macht das Konzept so spannend.

    Unten möchte man mehr sehen, als man sehen kann.

    Oben kann man nur sehen, was man sich selbst vorstellt.

    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich

    Hinter jedem Bild steht ein Name. Meistens.

    An einer Wand des Helmhaus stehen die Namen der Künstlerinnen und Künstler des ersten Stocks dicht an dicht. Hunderte Namen werden zu einer beinahe grafischen Fläche.

    Bekannte Namen finden sich darunter, andere sind heute nur noch wenigen geläufig. Und zwischen all den Namen taucht immer wieder ein Wort auf: «Unbekannt».

    Auch das bleibt hängen.

    Denn plötzlich wird aus der überwältigenden Menge wieder etwas sehr Individuelles. Hinter fast jedem dieser Werke stand einmal ein Mensch mit einer eigenen Geschichte, einer eigenen Vorstellung davon, was Kunst sein kann – und vermutlich auch mit dem Wunsch, damit wahrgenommen zu werden.

    Erfolg in der Kunst ist dabei erstaunlich relativ.

    Wer wird ausgestellt? Wer wird gesammelt? Welche Werke schaffen es in die Kunstgeschichte? Welche verschwinden für Jahrzehnte in einem Depot? Und welche werden irgendwann wieder hervorgeholt und mit vollkommen anderen Augen betrachtet?

    Darauf gibt es keine einfache Antwort.

    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich

    Vielleicht muss Kunst nicht ständig sichtbar sein

    Es wäre allerdings zu einfach, ein Depot nur als einen Ort zu verstehen, an dem Kunst verschwindet.

    Museen bewahren Werke gerade deshalb auf, damit sie bleiben können. Nicht alles kann gleichzeitig gezeigt werden. Sammlungen überdauern Ausstellungen, Moden und manchmal auch die Aufmerksamkeit, die einem Künstler oder einer Künstlerin zu Lebzeiten zuteilwird.

    Ein Werk kann 50 Jahre nicht zu sehen sein – und trotzdem weiter existieren.

    Bis jemand es wieder hervorholt.

    «In der Sonne sitzen» führt diesen Gedanken auf ungewöhnliche Weise weiter. Die Ausstellung zeigt Kunst, die lange unsichtbar war, und erzählt gleichzeitig von Kunst, die bewusst unsichtbar bleibt.

    Dazwischen stehen wir als Besucher.

    Wir schauen, suchen, entdecken und stellen uns etwas vor.

    Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Stärke dieser Ausstellung. Sie zeigt nicht einfach möglichst viele Kunstwerke. Sie macht bewusst, wie sehr Kunst davon abhängt, dass jemand ihr Aufmerksamkeit schenkt.

    Und wie unterschiedlich diese Aufmerksamkeit aussehen kann.

    Manchmal genügt ein Blick.

    Manchmal braucht es Zeit.

    Und manchmal entsteht das Bild erst im Kopf.

    In der Sonne sitzen
    Helmhaus Zürich
    2. Oktober 2026 bis 3. Januar 2027
    Limmatquai 31, Zürich
    Eintritt frei

    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
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    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
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    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
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    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
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    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
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    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich
    Ausstellung «In der Sonne sitzen» im Helmhaus Zürich

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

  • Wenn die Orientierung verloren geht

    Wenn die Orientierung verloren geht

    Mit «I Can’t Sleep in a Library» verwandelt Tetiana Kartasheva einen kleinen Ausstellungsraum an der Klingenstrasse in Zürich in einen Ort zwischen Wachsein und Schlaf. Malerei, skulpturale Objekte, Licht und Klang verschieben dabei die Wahrnehmung – und zeigen zugleich, wie lebendig die Zürcher Kunstszene auch abseits der grossen Institutionen ist.

    Es gibt diesen kurzen Moment vor dem Einschlafen, in dem Gedanken ihre klare Ordnung verlieren. Räume verändern sich, Bilder tauchen auf und verschwinden wieder, Bekanntes erscheint plötzlich fremd.

    Genau diesem Zustand widmet sich die Ausstellung «I Can’t Sleep in a Library» der Zürcher Künstlerin Tetiana Kartasheva. Ausgangspunkt ist die Schwelle zwischen Wachsein und Schlaf – ein Zustand, in dem vertraute Räume, Gegenstände und Ordnungssysteme ihre festen Koordinaten verlieren.

    Kartasheva übersetzt diese Erfahrung in Malerei, skulpturale Objekte und eine bewusst inszenierte räumliche Situation. Formen und Muster wirken zunächst vertraut, sind aber leicht verschoben. Orientierung wird unsicher, Wiedererkennen geht in Irritation über.

    Venissage I can’t sleep in the library Tetiana Kartasheva

    Wenige Elemente, präzise inszeniert

    Der Ausstellungsraum an der Klingenstrasse 23 ist nicht gross. Gerade das funktioniert hier erstaunlich gut. Die Arbeiten bekommen genügend Raum, ohne dass die Ausstellung distanziert wirkt. Auch die Beleuchtung wurde eigens auf die Präsentation abgestimmt und verstärkt die konzentrierte Atmosphäre.

    Die reduzierte Formensprache ist charakteristisch für Kartashevas Arbeit. Die ukrainisch-schweizerische Künstlerin lebt und arbeitet in Zürich und beschäftigt sich mit dem Menschen in einer zunehmend beschleunigten Welt sowie mit dem Raum als Struktur, in der sich der Körper bewegt und orientiert. Malerei, Grafik und Installation verbindet sie dabei mit reduzierten Formen, räumlicher Balance und rhythmischen Wiederholungen.

    Gerade diese formale Klarheit erzeugt in «I Can’t Sleep in a Library» einen interessanten Widerspruch: Die Bilder erscheinen geordnet, während das Thema der Ausstellung von Kontrollverlust und Desorientierung handelt.

    Venissage I can't sleep in the library Tetiana Kartasheva
    Venissage I can’t sleep in the library Tetiana Kartasheva

    Ein Bett im Schaufenster

    Besonders eindrücklich ist die Installation im Schaufenster. Dort liegt ein Bett – ein alltäglicher, fast intimer Ort des Rückzugs – unmittelbar an der Grenze zwischen Ausstellungsraum und Strasse.

    Mit Kopfhörern lässt sich dort eine Klangarbeit von Dana Borić hören. Die in Zürich lebende Klangkünstlerin, Komponistin und Improvisatorin erweitert Kartashevas Auseinandersetzung mit dem Übergang zwischen Wachsein und Schlaf in den akustischen Raum. Ihre Arbeit bewegt sich zwischen zeitgenössischer Komposition, Klangkunst, Improvisation und Performance und beschäftigt sich unter anderem mit Raum, Erinnerung und körperlichem Hören.

    Durch das grosse Fenster entsteht dabei noch eine weitere Ebene: Innen und Aussen überlagern sich. Ausstellung, Strasse, Spiegelungen und Menschen werden Teil desselben Bildes. Das Bett wirkt wie ein privater Raum, der gleichzeitig vollkommen öffentlich geworden ist.

    Venissage I can't sleep in the library Tetiana Kartasheva
    Venissage I can’t sleep in the library Tetiana Kartasheva

    Kunst entsteht auch durch Begegnung

    Tetiana Kartasheva kannte ich bereits über Instagram. Die Vernissage war deshalb eine gute Gelegenheit, ihre Arbeiten nicht nur im Raum zu erleben, sondern auch länger mit ihr über ihre künstlerische Arbeit zu sprechen.

    Auch Yulia Virts, die gelegentlich für Artcircle schreibt, war vor Ort und hatte Tetiana beim Aufbau der Ausstellung unterstützt. Beide sind befreundete Künstlerinnen. Unter den Gästen waren weitere Künstlerinnen und Künstler aus ihrem Umfeld.

    Das ist vielleicht nur eine Randbeobachtung – und gleichzeitig eine, die viel über eine Kunstszene erzählt.

    Denn zeitgenössische Kunst in Zürich findet nicht nur im Kunsthaus, in Museen oder in den etablierten Galerien statt. Sie entsteht auch in kleinen Projekträumen, temporären Ausstellungen und durch Künstlerinnen und Künstler, die eigene Projekte initiieren, sich gegenseitig unterstützen und Menschen zusammenbringen.

    Gerade solche Abende machen diese andere Seite der Zürcher Kunstszene sichtbar: persönlich, unmittelbar und erstaunlich lebendig.

    Venissage I can't sleep in the library Tetiana Kartasheva
    Venissage I can’t sleep in the library Tetiana Kartasheva

    Tetiana Kartasheva

    Tetiana Kartasheva, geboren 1989, ist eine ukrainisch-schweizerische Künstlerin mit Atelier in Zürich. Sie studierte Bildende Kunst in Kyiv und absolvierte später ein CAS in Curating an der Zürcher Hochschule der Künste. Ihre Arbeiten wurden in der Schweiz und international gezeigt, unter anderem im Helmhaus Zürich, in der Kulturhaus Helferei, bei Visarte Zürich sowie in verschiedenen unabhängigen Kunsträumen und Ausstellungsformaten.

    I Can’t Sleep in a Library
    Tetiana Kartasheva
    2.–7. Oktober 2026
    Klingenstrasse 23, Zürich

    Mit einer Klangarbeit von Dana Borić.

    Venissage I can't sleep in the library Tetiana Kartasheva
    Venissage I can’t sleep in the library Tetiana Kartasheva
    Venissage I can't sleep in the library Tetiana Kartasheva
    Venissage I can’t sleep in the library Tetiana Kartasheva
    Venissage I can't sleep in the library Tetiana Kartasheva
    Venissage I can’t sleep in the library Tetiana Kartasheva

    Textdokument zur Ausstellung

    Tetiana Kartasheva CV und Portfolio

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

  • Architektur, die nicht um Aufmerksamkeit kämpfen muss

    Architektur, die nicht um Aufmerksamkeit kämpfen muss

    Der Chipperfield-Bau des Kunsthaus Zürich zeigt seine Qualität nicht auf den ersten Blick. Gerade darin liegt seine Stärke.

    Auf den ersten Blick wirkt er streng, monumental, beinahe hermetisch: der Erweiterungsbau des Kunsthaus Zürich von David Chipperfield. Ein grosser, klar geschnittener Kubus aus Stein, der seit 2021 dem historischen Kunsthaus am Heimplatz gegenübersteht.

    Doch je länger man sich mit dem Gebäude beschäftigt, desto mehr beginnt sich dieser erste Eindruck aufzulösen. Hinter der scheinbaren Strenge steckt eine Architektur, die überraschend stark von Licht, Material, Proportionen und feinen Bezügen zur Umgebung lebt.

    Vor allem aber ist es ein Gebäude, das nicht selbst zum Kunstwerk werden will. Es schafft einen Rahmen für die Kunst – mit einer architektonischen Qualität, die sich oft erst auf den zweiten Blick erschliesst.

    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)

    Ein neues Haus, das die alten nicht ignoriert

    Das Kunsthaus ist selbst ein Stück Architekturgeschichte. Der Moser-Bau stammt von 1910, 1958 folgte der Pfister-Bau, 1976 der Erweiterungsbau von Erwin Müller. Chipperfield fügte diesem Ensemble ein weiteres Haus aus einer vollkommen anderen Zeit hinzu.

    Dabei ging es nicht darum, historische Architektur zu imitieren. Chipperfield suchte nach einer zeitgenössischen Antwort auf das Bestehende.

    Das zeigt sich besonders an der Fassade. Ihre schmalen vertikalen Lisenen aus Jurakalkstein erzeugen einen Rhythmus, der Bezüge zu den steinernen Fassaden des historischen Kunsthauses und anderer öffentlicher Zürcher Gebäude herstellt.

    Der Stein selbst ist dabei alles andere als steril. Seine Oberfläche und natürliche Struktur bringen Bewegung in die streng geometrische Ordnung. Je nach Licht verändert sich die Wirkung der Fassade, Schatten wandern über die vertikalen Elemente und lassen den massiven Baukörper lebendiger erscheinen.

    Was aus der Entfernung fast geschlossen wirkt, wird aus der Nähe differenzierter. Hinter und zwischen den steinernen Elementen liegen Fenster und Öffnungen, die asymmetrisch über die Fassade verteilt sind. Dadurch entsteht eine zweite Ebene innerhalb der strengen Ordnung.

    Gerade darin liegt eine Qualität dieses Gebäudes: Es drängt sich nicht mit spektakulären Formen auf. Seine Wirkung entsteht aus Rhythmus, Material, Licht und Proportion.

    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)

    Ein Museum, das nicht selbst zur Skulptur werden will

    Viele zeitgenössische Museumsbauten sind längst selbst zu Attraktionen geworden. Die Architektur wird zur weithin sichtbaren Skulptur und manchmal sogar zum eigentlichen Grund für einen Besuch.

    Der Chipperfield-Bau verfolgt einen anderen Ansatz.

    Sein Konzept basiert auf einem «Haus der Räume». Unterschiedlich grosse und proportionierte Säle bilden eine Folge von Räumen mit jeweils eigenem Charakter. Entscheidend ist dabei auch das Licht: Manche Ausstellungsbereiche lassen sich vollständig kontrollieren, andere beziehen gezielt Tageslicht ein.

    Damit reagiert die Architektur auf sehr unterschiedliche Anforderungen der Kunst – von klassischer Malerei über die Moderne bis zu zeitgenössischen Installationen, Fotografie und neuen Medien.

    Genau diese Funktionalität spielte bereits beim Architekturwettbewerb 2008 eine wesentliche Rolle. Chipperfields Entwurf setzte sich gegen 19 weitere Projekte durch. Die Jury sah darin eine besonders überzeugende Lösung der komplexen städtebaulichen, architektonischen und funktionalen Anforderungen.

    Das Museum sollte nicht nur mehr Fläche bekommen. Es brauchte Räume, die unterschiedlichste Formen der Präsentation ermöglichen und gleichzeitig effizient organisiert sind.

    Die Architektur ist damit nicht nur Hülle. Sie ist ein präzise entwickeltes Instrument für das Zeigen von Kunst.

    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)

    Der vielleicht eindrucksvollste Raum liegt zwischen den Ausstellungen

    Wer das Gebäude betritt, erlebt zunächst keine klassische Museumssituation.

    Die zentrale Eingangshalle nutzt die gesamte Höhe des Gebäudes und entwickelt dadurch eine fast monumentale Raumwirkung. Über mehrere Geschosse hinweg öffnet sich ein Raum, dessen Dimensionen man in Zürich kaum erwartet.

    Gleichzeitig verhindern die grossen Glasflächen, dass diese Monumentalität schwer oder abgeschlossen wirkt. Auf der einen Seite öffnet sich der Blick zum Heimplatz und zum historischen Kunsthaus, auf der anderen zum Garten der Kunst.

    So entsteht eine starke Sichtachse. Die Halle verbindet Altbau und Neubau, Stadt und Museum, Architektur und Umgebung.

    Interessant ist dabei auch, dass die grosse Glasfront nicht unmittelbar als Eingang dient. Der Zugang ist seitlich versetzt und über einen Vorraum organisiert. Diese Schleusensituation hat neben der räumlichen Inszenierung auch eine klimatische Funktion und schützt die grosse Halle vor einem direkten Austausch mit dem Aussenraum.

    Bemerkenswert ist vor allem die Materialität. Sichtbeton, weisser Marmor, helles Eichenholz und Messing bestimmen die Architektur. Eigentlich eine sehr reduzierte und puristische Materialwelt – und trotzdem wirkt der Raum nicht kalt.

    Vor allem das Messing spielt dabei eine wichtige Rolle. Es findet sich an Wandflächen, Türen, Handläufen, Liften und in der Signaletik und setzt warme Akzente gegenüber Beton und Stein.

    Hier zeigt sich das Prinzip des gesamten Gebäudes besonders deutlich: Die Architektur sucht nicht den schnellen Effekt. Ihre Qualität erschliesst sich über Proportionen, Materialien und Details – und oft erst auf den zweiten Blick.

    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)

    Die Qualität steckt auch im Detail

    Je länger man sich durch das Gebäude bewegt, desto stärker fallen die kleinen Dinge auf.

    Übergänge, Brüstungen und Handläufe sind sorgfältig ausgearbeitet. Harte geometrische Formen werden an manchen Stellen überraschend weich. Kanten sind gerundet, Messingelemente tauchen immer wieder auf und selbst Türgriffe werden zu kleinen gestalterischen Entdeckungen – teilweise in Form von Tierköpfen.

    Solche Details verändern nicht die Architektur als Ganzes. Aber sie verändern die Wahrnehmung.

    Der grosse, zunächst streng wirkende Bau bekommt dadurch etwas Menschliches. Man spürt, dass hier nicht nur über Kubatur und Quadratmeter nachgedacht wurde, sondern darüber, wie sich Menschen durch Räume bewegen, Materialien berühren und Architektur unmittelbar erleben.

    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)

    Architektur, die vom Licht lebt

    Vielleicht lässt sich der Chipperfield-Bau ohnehin weniger über seine Form als über sein Licht verstehen.

    Von aussen verändert der Schatten der steinernen Fassadengliederung die Wahrnehmung des Gebäudes. Innen wird Tageslicht gezielt eingesetzt, ohne die Anforderungen empfindlicher Kunstwerke aus den Augen zu verlieren.

    Besonders deutlich wird das in der zentralen Halle. Die grossen Glasflächen machen die Stadt zum Teil der Architektur. Der historische Moser-Bau gegenüber wird plötzlich selbst zum Bild.

    So entsteht eine interessante Umkehrung: Der Neubau steht nicht einfach neben dem alten Kunsthaus. Er inszeniert den Blick darauf.

    Alt und Neu treten miteinander in Beziehung, ohne dass das eine das andere imitieren muss.

    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)

    Vom Museum in die Stadt

    Chipperfields Entwurf endet nicht an der Fassade.

    Im Norden schliesst der Garten der Kunst an. Bereits im städtebaulichen Konzept war vorgesehen, zwei unterschiedliche öffentliche Räume zu schaffen: den urbanen Heimplatz auf der einen und einen offenen, grünen Raum auf der anderen Seite. Die zentrale Halle verbindet beide.

    Auch bei der Gestaltung des Gartens wurde die Umgebung mitgedacht. Statt einen vollkommen eigenständigen Landschaftsraum zu schaffen, nimmt die Bepflanzung Bezüge zu den Gärten des Quartiers auf. Der Übergang zwischen Museum und Umgebung soll fliessend wirken.

    Dieser Gedanke ist wesentlich für das Verständnis des Gebäudes. Das Kunsthaus sollte nicht nur zusätzliche Ausstellungsfläche erhalten, sondern sich stärker zur Stadt öffnen.

    Heute sind die Eingangshalle und der Garten auch ohne Besuch einer Ausstellung zugänglich. Menschen treffen sich hier, durchqueren die Halle oder halten sich im Aussenraum auf.

    Aus Museumsfläche wird öffentlicher Raum – ein Ort für Begegnung und Kommunikation.

    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)

    Ein Bau, der Zeit braucht

    Seit seiner Planung und Eröffnung wurde der Chipperfield-Bau kontrovers diskutiert. Seine Grösse, die strenge Geometrie und die steinerne Fassade boten genügend Stoff für Kritik. Gleichzeitig hatte die Zürcher Bevölkerung der Erweiterung des Kunsthauses 2012 in einer Volksabstimmung zugestimmt.

    Vielleicht gehört diese Ambivalenz sogar zu diesem Gebäude.

    Denn der Chipperfield-Bau versucht nicht, durch eine spektakuläre Geste unmittelbar zu gefallen. Er setzt auf etwas anderes: Proportion, Material, Licht, Rhythmus und eine konsequente Umsetzung bis ins Detail.

    Gerade deshalb lohnt es sich, näher hinzusehen.

    Denn hinter dem vermeintlich einfachen Kubus steckt ein erstaunlich komplexes Zusammenspiel aus Stadt, Architektur und Kunst. Der Bau nimmt sich nicht zurück, weil seine Architektur weniger wichtig wäre. Seine Stärke liegt vielmehr darin, präsent zu sein, ohne ständig Aufmerksamkeit einzufordern.

    Vielleicht ist genau das eine seiner grössten Qualitäten: eine Architektur, die nicht um Aufmerksamkeit kämpfen muss.

    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
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    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
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    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
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    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)
    Kunsthaus Zürich Architektur Chipperfield-Bau (Foto: Ronald Wissler)

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

    Ronald Wissler, Gründer von Artcircle
    Ronald Wissler, Gründer von Artcircle
  • Wenn abstrakte Kunst körperlich wird

    Wenn abstrakte Kunst körperlich wird

    The Body Within Abstraction im Museum Haus Konstruktiv

    Was hat der menschliche Körper mit abstrakter Kunst zu tun? Auf den ersten Blick vielleicht wenig. Gerade die konstruktiv-konkrete Kunst hat sich lange auf Linie, Farbe, Fläche, Geometrie und mathematische Systeme konzentriert. Der menschliche Körper schien darin kaum eine Rolle zu spielen.

    Die neue Ausstellung «The Body Within Abstraction» im Museum Haus Konstruktiv zeigt, dass diese Trennung weit weniger eindeutig ist. Acht international renommierte Künstlerinnen und Künstler machen auf sehr unterschiedliche Weise sichtbar, wie der Körper zum Massstab, Ausgangspunkt oder sogar zum eigentlichen Material abstrakter Kunst werden kann.

    Zu sehen sind Werke von Heidi Bucher, Eva Fàbregas, Kimsooja, Dóra Maurer, Bruce Nauman, Steven Parrino, Chiharu Shiota und Franz West. Die von Sabine Schaschl und Muriel Pérez kuratierte Gruppenausstellung erstreckt sich über den Ost- und Westteil des Museums.

    Der Körper als Massstab

    Besonders interessant ist dabei, wie unterschiedlich die Künstlerinnen und Künstler den Körper in ihre Arbeiten einbeziehen. Manchmal ist er unmittelbar präsent, manchmal nur durch seine Spuren, Bewegungen oder Proportionen.

    Bei Dóra Maurer wird der eigene Körper beispielsweise zum Messinstrument. In ihrer Filmarbeit «Proportions» von 1979 untersucht sie die Verhältnisse ihrer Gliedmassen zur eigenen Körperlänge und übersetzt diese in ein geometrisches System. Die Arbeit aus der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv bildet einen thematischen Ausgangspunkt der Ausstellung.

    Auch bei Bruce Nauman wird der Körper Teil eines Systems. In «Body Pressure» von 1974 besteht das Werk zunächst lediglich aus einer Anweisung: Der eigene Körper soll gegen eine Wand gedrückt und die Berührungspunkte bewusst wahrgenommen werden. Die Skulptur entsteht damit nicht als Objekt, sondern erst durch die körperliche Erfahrung der Betrachtenden.

    Noch unmittelbarer wird dieses Verhältnis in Naumans «Dance or Exercise on the Perimeter of a Square». Der Künstler bewegt sich entlang eines auf dem Boden markierten Quadrats. Aus einer geometrischen Linie wird Bewegung, aus dem abstrakten System eine körperliche Erfahrung.

    Zwischen Haut, Raum und Erinnerung

    Ganz anders nähert sich Heidi Bucher dem Thema. Ihre «Bodyshells» von 1972 umhüllen den menschlichen Körper wie eine zweite Haut und lassen die Grenze zwischen Mensch, Objekt und Raum verschwimmen. In der Ausstellung sind 2024 gefertigte Ausstellungskopien der vier Bodyshells zu sehen. Ein Film zeigt ihre ursprüngliche Performance am Venice Beach im Jahr 1972.

    Bei Kimsooja wiederum wird Textil zum Träger menschlicher Erfahrung. Ihre «Bottari» – Bündel aus Stoff – verweisen auf Reisen, Aufbruch und die Dinge, die Menschen mit sich tragen. In der Gegenüberstellung mit ihren auf Rahmen gespannten «Meta-Paintings» wird derselbe Stoff zugleich Fläche, Volumen und potenzielle Hülle des menschlichen Körpers.

    Eva Fàbregas lässt ihre Installationen fast selbst zu Körpern werden. Ihre organischen Latexformen erinnern an Haut, Gewebe oder innere Organe. Durch wiederholtes Aufblasen und Entleeren verändern sie sich: Die Oberflächen verlieren ihre Spannung, bilden Falten und werden zunehmend fragiler. Abstraktion erscheint hier beinahe als lebender Organismus.

    Spuren körperlicher Energie

    Bei Steven Parrino schreibt sich körperliche Energie direkt in die Leinwand ein. Er verschiebt, zerknittert und deformiert monochrome Bildflächen. Die klassische Geometrie des Bildträgers bleibt sichtbar, wird aber durch den physischen Eingriff aus ihrer Ordnung gebracht.

    Auch Franz West hinterfragt mit seinen berühmten «Passstücken» die Grenze zwischen Skulptur und Körper. Die abstrakten Gebilde aus Papiermaché und Gips waren ursprünglich dafür gedacht, vom Publikum aufgenommen und wie Erweiterungen oder Prothesen an den eigenen Körper angelegt zu werden.

    Den Abschluss bildet Chiharu Shiota mit «Endless Connections». Rote Fäden verdichten sich zu einem raumgreifenden Netzwerk, das an Blutgefässe oder neuronale Strukturen denken lässt. Unter dem Geflecht liegen Bronzeabgüsse der Hände der Künstlerin. Der Körper selbst ist nicht zu sehen – und scheint dennoch im gesamten Raum präsent.

    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction

    Eine Ausstellung, die den Raum braucht

    Gerade in den grosszügigen Räumen des neuen Museum Haus Konstruktiv entwickelt die Ausstellung eine besondere Wirkung. Die Arbeiten bekommen viel Raum, ohne isoliert zu wirken. Installationen, Filme, Skulpturen und konzeptuelle Arbeiten treten miteinander und mit der Architektur in Beziehung.

    Bei der Vernissage am 25. September wurde dies besonders spürbar. Trotz der vielen Besucherinnen und Besucher blieb die räumliche Wirkung der einzelnen Arbeiten erhalten. Die Präsentation wirkt grosszügig und präzise zugleich – und zeigt, welches Potenzial die neuen Räume im Löwenbräukunst-Areal für umfangreiche Ausstellungen besitzen.

    «The Body Within Abstraction» ist die erste Ausstellung seit dem Umzug, die sämtliche neuen Ausstellungsräume in Ost- und Westtrakt gemeinsam bespielt. Gleichzeitig feiert das Museum mit ihr sein 40-jähriges Bestehen.

    Vielleicht liegt genau darin eine zusätzliche Qualität dieser Ausstellung: Sie beschäftigt sich nicht nur mit Körpern, sondern auch mit deren Verhältnis zum Raum. Und diesen Raum kann man beim Rundgang selbst erfahren.

    The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv, Zürich
    26. September 2026 bis 10. Januar 2027
    Kuratiert von Sabine Schaschl und Muriel Pérez

    Weitere Informationen zur Ausstellung beim Museum Haus Konstruktiv

    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
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    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
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    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction
    Museum Haus Konstruktiv The Body Within Abstraction

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien/Museen.

  • Vessels – wenn ein Gefäss zur Erinnerung wird

    Vessels – wenn ein Gefäss zur Erinnerung wird

    Manchmal beginnt eine Ausstellung mit einer sehr einfachen Form. Bei Jasmin Blasco ist es das Gefäss. In seiner aktuellen Ausstellung „Vessels“ in der Lea Bischofberger Gallery in Zürich wird daraus ein Motiv, das sich immer wieder verändert – und gleichzeitig eine sehr persönliche Geschichte erzählt.

    Nach dem Tod seines Vaters Claude Picasso im August 2023 begann Blasco wieder regelmässig zu zeichnen. In den Tagen rund um dessen Einäscherung beschäftigte ihn die Vorstellung der Urne als Gefäss: Wie kann ein Objekt ein Leben aufnehmen, bewahren oder überhaupt repräsentieren? Gleichzeitig erinnerte er sich an antike griechische Keramiken, die ihm sein Vater bereits in seiner Kindheit nähergebracht hatte. 

    Daraus entwickelte sich eine tägliche zeichnerische Praxis. Von Ende 2023 bis September 2024 wurde das Gefäss zum wiederkehrenden Motiv, teilweise entstanden mehrere Zeichnungen am Tag. Mit wenigen Mitteln – Papier und Farbstiften – variierte Blasco Form, Linie, Farbe und Ornament immer wieder neu. Nicht das fertige Ergebnis stand dabei am Anfang, sondern ein Prozess, dessen Entwicklung bewusst offenblieb.

    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS

    Zarte Arbeiten, starke Räume

    Bemerkenswert ist auch ihre Präsentation. Lea Bischofberger nutzt Farbe immer wieder sehr bewusst als Teil ihrer Ausstellungen. Auch bei „Vessels“ bleiben die Wände nicht neutral: warme Terrakotta- und Rosétöne bilden den Hintergrund für die teilweise sehr feinen und zurückhaltenden Zeichnungen.

    Gerade dieser Kontrast gibt den Arbeiten Präsenz. Die farbigen Räume konkurrieren nicht mit ihnen, sondern scheinen sie regelrecht einzufassen. Besonders deutlich wird das bei einer Gruppe von zwölf kleinformatigen Zeichnungen, die streng angeordnet gemeinsam an einer Wand hängen. Aus einzelnen Variationen eines Motivs entsteht ein Gesamtbild.

    Auch die grösseren Gefässzeichnungen wirken in dieser Umgebung weniger wie isolierte Arbeiten als vielmehr wie Bestandteile eines Raumes, in dem Kunst und Inszenierung zusammengedacht werden.

    Eine Geschichte über mehrere Generationen

    Ganz im Hintergrund schwingt dabei eine bekannte Kunstgeschichte mit. Jasmin Blasco ist der Sohn von Claude Picasso und damit Enkel von Pablo Picasso. Claude hatte selbst eine enge Beziehung zur Keramik, nicht zuletzt durch seinen Vater, der sich intensiv mit diesem Medium beschäftigte. Blasco greift diese Familiengeschichte nach eigener Darstellung jedoch nicht bewusst als kunsthistorisches Programm auf. Sie bildet vielmehr einen Hintergrund, aus dem das Motiv des Gefässes hervorgegangen ist. 

    Auch zur Familie Bischofberger besteht eine lange persönliche Verbindung. Wie Nina Baier-Bischofberger bei der Vernissage erzählte, kennt die Familie Jasmin Blasco bereits seit seiner Kindheit. Eine kleine Randnotiz, die an diesem Abend dennoch gut zur persönlichen Atmosphäre der Ausstellung passte.

    Zeichnung trifft Sound

    „Vessels“ beschränkt sich zudem nicht auf die Arbeiten an den Wänden. Jasmin Blasco arbeitet eigentlich medienübergreifend mit Sound, Sprache, Film, Installation, Zeichnung und Performance. Für die Ausstellung erscheint auch eine signierte und nummerierte Publikation, die eines seiner ursprünglichen Skizzenbücher vollständig wiedergibt. Ergänzt wird sie durch eine Vinylplatte mit den Soundarbeiten „Water“ und „Ash“. 

    Damit lässt sich die Serie auf unterschiedliche Weise erleben: als einzelne Zeichnung an der Wand, als Abfolge im Skizzenbuch und über den Klang.

    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS

    Eigenständig – auch beim Termin

    Interessant war schliesslich auch der Zeitpunkt der Vernissage. Nur einen Tag zuvor hatte Zürich mit dem gemeinsamen Saisonstart der Galerien einen der dichtesten Kunstabende des Jahres erlebt. Lea Bischofberger entschied sich mit ihrer Eröffnung bewusst für den darauffolgenden Abend.

    Der Galerie geschadet hat das offensichtlich nicht. Zahlreiche Freunde und Wegbegleiter waren gekommen, und die Atmosphäre bot viel Raum für Gespräche. Vielleicht passt gerade diese Eigenständigkeit ziemlich gut zu einer Galerie, die auch bei der Gestaltung ihrer Räume selten den neutralen Weg wählt.

    Jasmin Blasco – Vessels
    18. September bis 31. Oktober 2026
    Lea Bischofberger Gallery, Rämistrasse 23, Zürich 

    Website Lea Bischlofberger Gallery

    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS
    Lea Bischofberger Gallery Vernissage JASMIN BLASCO VESSELS

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.

  • TWELVE ROOMS – wenn zwölf kleine Räume einen grossen Ort schaffen

    TWELVE ROOMS – wenn zwölf kleine Räume einen grossen Ort schaffen

    Manche der interessantesten Kunstorte entdeckt man ungeplant.

    Vernissagen sind nicht nur Orte für Kunst, sondern auch für Begegnungen und Austausch. So ergab sich bei „VESSELS“ in der Galerie Lea Bischofberger im Zürcher Seefeld aus einem Gespräch die spontane Einladung, anschliessend noch eine weitere Vernissage ganz in der Nähe zu besuchen: TWELVE ROOMS.

    Ich kannte den Ort bis dahin nicht. Aus einem kurzen Abstecher wurde ein überraschend langer und besonderer Abend.

    Denn TWELVE ROOMS ist alles andere als eine gewöhnliche Galerie.

    Zwölf Fächer werden zu zwölf Ausstellungsräumen

    An der Seefeldstrasse 9 befindet sich in einer Aussenfassade ein alter Verkaufsautomat mit zwölf verglasten Fächern. Wo früher Kaffee und Tee verkauft wurden, ist heute zeitgenössische Kunst zu sehen – in zwölf Ausstellungsräumen, Room I bis Room XII.

    Hinter TWELVE ROOMS steht der Architekt Roman Sokalski. Die Idee entstand, wie er erzählt, eigentlich durch Zufall. Seit Jahren kam er an dem Automaten vorbei. Seine Büros und Firmen befinden sich zwischen Bellevue und Seefeld, ein befreundeter Geigenbauer arbeitet im selben Haus. Der ungenutzte Automat war einfach immer da – etwas vergessen und gleichzeitig erstaunlich präsent.

    Irgendwann begann Sokalski, das Objekt mit anderen Augen zu betrachten. Gerade aus architektonischer Perspektive lag sein Potenzial eigentlich offen vor ihm: zwölf kleine Räume hinter Glas, mitten in der Stadt und jederzeit für alle sichtbar.

    „Man muss eigentlich gar nicht viel hinzufügen“, sagt Sokalski.

    So entstand 2026 TWELVE ROOMS – verbunden mit einem ebenso einfachen wie treffenden Gedanken:

    Nothing to buy and everything to discover.

    Ein Automat mit eigener Geschichte

    Auch die Geschichte des Ortes macht das Projekt besonders.

    Bis ungefähr zum Jahr 2000 befand sich in dem Haus das Café Gleich, eines der frühen vegetarischen Restaurants Zürichs. Das Gebäude gehört bis heute der Familie Gleich. An der Hausecke wurde der Automat eingebaut, um geröstete Kaffeebohnen und Tee zu verkaufen – jeweils für einen Franken.

    Und er funktioniert vollständig mechanisch. Eine Einfrankenmünze wird eingeworfen, danach lässt sich das entsprechende Fach öffnen.

    Irgendwann wurde ausgerechnet dieser Preis zum Problem. Für einen Franken liess sich kaum noch etwas sinnvoll verkaufen. Das Café verschwand, der Automat blieb – rund 25 Jahre weitgehend ungenutzt. Als Sokalski ihn übernahm, existierten nicht einmal mehr die Schlüssel.

    Gerade diese Vorgeschichte ist für TWELVE ROOMS wesentlich. Der Automat wurde nie als Kunstraum entworfen. Seine Proportionen, seine Mechanik und seine zwölf Fächer waren längst vorhanden.

    Aus zwölf Warenfächern wurden zwölf Ausstellungsräume.

    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld

    Florian Graf – Common Grounds

    An diesem Abend eröffnete mit „Common Grounds“ von Florian Graf bereits die zweite Ausstellung bei TWELVE ROOMS.

    Graf richtet den Blick auf Dinge, die uns im Alltag so selbstverständlich umgeben, dass wir sie kaum noch wahrnehmen: eine Tasse, einen Bleistift, eine Tube Kondensmilch. In seinen Arbeiten werden daraus Objekte, die von Sprache, Gewohnheiten, gesellschaftlichen Übereinkünften und gemeinsamer Erinnerung erzählen.

    Besonders unmittelbar verbindet sich „Botany of Distribution“ mit der Geschichte des Ortes. Die Keramik-Edition erinnert an die ursprüngliche Funktion des Verkaufsautomaten und zugleich an eines unserer alltäglichsten sozialen Rituale: gemeinsam Tee oder Kaffee zu trinken und miteinander ins Gespräch zu kommen.

    Andere Arbeiten spielen mit Sprache und Bedeutung. „2B or not 2B“ und „Bilateral“ nehmen den Bleistift als Werkzeug des Zeichnens, Schreibens, Korrigierens und Verhandelns auf. Bei „Konsensmilch“ wird sogar die Kondensmilch zum Ausgangspunkt einer Reflexion über gesellschaftlichen Konsens – etwas vermeintlich Gemeinsames, das immer wieder neu hergestellt und ausgehandelt werden muss.

    In den zwölf Fächern entsteht daraus keine lineare Erzählung. Vielmehr kreisen die Arbeiten um eine Frage: Wie bekommen alltägliche Gegenstände eine gemeinsame Bedeutung?

    Der Ort könnte dafür kaum passender sein. Wo früher Waren ausgegeben wurden, werden heute Gedanken in Umlauf gebracht.

    Wenn der Massstab plötzlich ein anderer wird

    Bei der Auswahl der Künstlerinnen und Künstler spielt für Sokalski bisher auch der Zufall eine Rolle. Die ersten Positionen verbindet jedoch ein Interesse an Raum und eine gewisse Nähe zur Architektur.

    Gerade Künstler, die normalerweise mit grossen Räumen oder Installationen arbeiten, stehen hier vor einer ungewöhnlichen Aufgabe. Statt einer Halle oder eines klassischen Galerieraums bleiben zwölf winzige Fächer.

    „Der Automat zwingt zu einem völlig anderen Massstab“, beschreibt Sokalski diesen Reiz.

    Zu einem starren kuratorischen Prinzip soll das allerdings nicht werden. Sokalski möchte den eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern möglichst grosse Freiheit lassen. Es gibt keine Vorgaben dafür, wie die zwölf Räume zu bespielen sind. Nicht ein festgelegtes Ausstellungsschema, sondern die Auseinandersetzung der jeweiligen Position mit diesem ungewöhnlichen Ort soll bestimmen, was entsteht.

    Damit wird die räumliche Beschränkung paradoxerweise zu einer Form von Freiheit: Der Rahmen ist extrem klein – was darin passiert, bleibt weitgehend offen.

    Von Sicherheit und Sehnsucht

    Wie unterschiedlich das aussehen kann, zeigte bereits die erste Ausstellung „Halo Konsum / What Remains Is the Longing“ von Matthias Megyeri.

    Megyeri beschäftigt sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit den kulturellen, sozialen und psychologischen Dimensionen von Sicherheit. Zäune, Stacheldraht, Schlösser, Ketten oder Alarmanlagen verlieren bei ihm ihre rein funktionale Bedeutung und werden zu eigentümlich verführerischen Objekten zwischen Schutz und Kontrolle, Anziehung und Abgrenzung.

    Für TWELVE ROOMS wurden Arbeiten aus seinem „Sweet Dreams Security®“-Universum zu Miniaturen und beinahe zu Reliquien. Gerade in einem ehemaligen Verkaufsautomaten bekommt diese Verschiebung eine zusätzliche Ebene: Konsum, Begehren und das Versprechen von Sicherheit treffen auf einen Ort, der ursprünglich für den automatisierten Verkauf geschaffen wurde.

    Megyeri lebt und arbeitet zwischen Stuttgart und London. Seine Arbeiten wurden international gezeigt, unter anderem im Museum of Modern Art in New York, im Design Museum London und im Israel Museum in Jerusalem. Werke seiner „Sweet Dreams Security®“-Serie befinden sich unter anderem in den Sammlungen des MoMA und des Ludwig Museums Budapest.

    Dass sowohl Matthias Megyeri als auch Florian Graf an diesem Abend anwesend waren, machte es möglich, nicht nur die Arbeiten zu betrachten, sondern den Ort und seine Idee unmittelbar im Austausch zu erleben.

    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf (links) und Roman Sokalski (rechts) in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf (links) und Roman Sokalski (rechts) in Zürich Seefeld

    Wenn die Galerie auf die Strasse wächst

    Was mich an diesem Abend mindestens genauso beeindruckt hat wie das Ausstellungskonzept, spielte sich vor den zwölf Räumen ab.

    Die Vernissage war sehr gut besucht. Menschen standen vor der Fassade und auf dem Trottoir, unterhielten sich bei Sekt und Wein, dazu gab es ein Buffet. Viele kannten sich, andere kamen hinzu. Menschen aus Kunst, Architektur und dem kreativen Umfeld trafen aufeinander, Gespräche entstanden und neue Bekanntschaften ebenso.

    Aus einer Vernissage vor zwölf winzigen Ausstellungsräumen wurde im Laufe des Abends fast eine kleine Party, die bis in die späten Stunden dauerte.

    Und damit passierte etwas Interessantes: Die eigentliche Galerie blieb unverändert klein, aber ihr Raum wurde immer grösser.

    Das Trottoir wurde zum Treffpunkt, die Strasse zum Kommunikationsraum.

    Vielleicht liegt genau darin eine besondere Qualität von TWELVE ROOMS. Kunst wird hier nicht durch Quadratmeter definiert. Die zwölf Fächer geben den Werken einen konzentrierten Rahmen – und alles, was daraus an Begegnungen, Gesprächen und Gedanken entsteht, breitet sich davor aus.

    Vom Verkaufsautomaten zum Kunstraum – und wieder zurück

    Sokalski interessiert gerade das Spannungsfeld zwischen der heutigen künstlerischen Nutzung und der ursprünglichen Funktion des Automaten.

    In der Adventszeit soll deshalb aus „Nothing to buy“ vorübergehend wieder etwas werden, das man tatsächlich kaufen kann. Geplant ist, handgeschriebene Witze von Künstlerinnen und Künstlern für einen Franken anzubieten.

    Dann funktioniert der alte Mechanismus wieder wie früher: Münze einwerfen, Fach öffnen, etwas entnehmen.

    Nur dass statt Kaffee oder Tee diesmal eine Idee verkauft wird.

    Es ist eine kleine Intervention, die sehr gut zu TWELVE ROOMS passt. Die Geschichte des Ortes wird nicht nostalgisch konserviert, sondern immer wieder neu aufgegriffen und weitergedacht.

    Was als Nächstes kommt

    Auch die nächste Ausstellung zeigt, wie unterschiedlich die zwölf Räume interpretiert werden können. Im November folgt „Persona Hotel“ von lu:nu einer anonymen dänischen Künstlerin.

    Dann verwandeln sich die Fächer in zwölf identische Hotelzimmer und zugleich in kleine Kinos. In jedem erscheint dasselbe Bild einer einzelnen Figur mit geometrischer Maske. Durch die Wiederholung verschiebt sich der Blick vom Individuum hin zu Fragen nach Identität, sozialer Rolle und dem, was Menschen miteinander verbindet.

    Wieder werden die zwölf Räume also nicht einfach gefüllt. Ihre Architektur wird zum Ausgangspunkt der künstlerischen Idee.

    Vielleicht ist es genau das, was TWELVE ROOMS so interessant macht: ein fast übersehbarer Ort mitten in Zürich, eine vorhandene Struktur, die niemand als Galerie geplant hat, und ein Initiator, der darin das Potenzial für Kunst erkannt hat.

    Für mich begann der Abend mit einer spontanen Einladung. Ich wollte eigentlich nur kurz vorbeischauen und blieb viel länger als gedacht.

    Es sind solche Orte und Begegnungen, die zeigen, wie vielfältig eine Kunstszene sein kann – gerade auch abseits der grossen Museen und etablierten Galerien.

    Man muss sie nur entdecken.

    Website TWELVE ROOMS

    Instagram @twelve_rooms

    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld
    Vernissage TWELVE ROOMS Florian Graf in Zürich Seefeld

    Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.