Mit „Renaissance Paintings Reloaded“ zeigt die Galerie Peter Kilchmann in Zürich neue Arbeiten von Andy Denzler. Historische Bildwelten treffen auf eine unverwechselbar zeitgenössische Malerei – und auf einen Künstler, dessen eigene Handschrift stärker denn je erscheint.
Alte Meister, neue Bilder
Was geschieht, wenn Bilder der Renaissance nicht als abgeschlossene Kunstgeschichte betrachtet werden, sondern als Material für etwas Neues?
Andy Denzler gibt darauf in seiner aktuellen Ausstellung „Renaissance Paintings Reloaded“ eine ebenso kraftvolle wie eigenständige Antwort. Für seine neuesten Arbeiten greift der Schweizer Künstler auf Bildmotive bedeutender Renaissancekünstler wie Tizian und Tintoretto zurück. Ihn interessieren dabei insbesondere Bewegung, Licht und Dramatik – Qualitäten, die er aus ihrem historischen Kontext löst und in seine eigene malerische Sprache überführt.
Dabei geht es nicht um Neuinterpretationen im Sinne moderner Kopien. Die historischen Vorbilder bilden vielmehr einen Ausgangspunkt. Denzler zerlegt, überlagert und verfremdet sie, bis etwas entsteht, das eindeutig in der Gegenwart verankert ist.
Zwischen Präzision und Auflösung
Charakteristisch ist Denzlers Technik der horizontalen Verwischung. Pastose Farbschichten, fliessende Pinselbewegungen und bewusst gesetzte Verzerrungen lassen Figuren und Räume gleichzeitig präsent und flüchtig erscheinen. Konturen lösen sich auf, Körper werden fragmentiert, einzelne Partien treten mit grosser malerischer Intensität hervor.
Gerade darin liegt für mich eine der grossen Qualitäten der Ausstellung: Denzlers Arbeiten besitzen einen hohen Wiedererkennungswert, ohne sich zu wiederholen. Trotz unterschiedlicher Formate und Motive zieht sich seine unverwechselbare Handschrift konsequent durch die gesamte Präsentation.
Interessant ist auch, wie diese Wirkung entsteht. Denzler beginnt häufig mit einer relativ präzisen Darstellung und führt sie anschliessend durch Übermalung, Zerstörung und erneute Bearbeitung immer weiter in die Verfremdung. Die Spuren dieses Prozesses bleiben im fertigen Bild sichtbar.
Renaissance ohne Nostalgie
Die Beschäftigung mit historischen Vorbildern könnte leicht in kunsthistorischer Referenz oder Nostalgie enden. Bei Denzler passiert das Gegenteil.
Seine intensive Farbigkeit, die gestische Malerei und die teilweise fast wie Bildstörungen wirkenden Verschiebungen schaffen eine bemerkenswerte Distanz zum Original. Vergangenheit und Gegenwart existieren gleichzeitig im Bild – Wiedererkennbarkeit trifft auf Auflösung, Schönheit auf Irritation, klassische Komposition auf eine visuelle Erfahrung, die ebenso von Fotografie und Film wie von unserer heutigen, medial geprägten Wahrnehmung beeinflusst scheint.
Das passt zu einer zentralen Idee hinter der Werkgruppe: Historische Meisterwerke versteht Denzler nicht als statische Relikte, sondern als Teil eines visuellen Archivs, das immer wieder neu gelesen werden kann.
Eine Ausstellung, die unmittelbar funktioniert
Bei der Vernissage war auffällig, wie unmittelbar die Arbeiten auf das Publikum wirkten. In den Gesprächen, die ich an diesem Abend führte, war die Begeisterung durchgängig gross. Das ist durchaus bemerkenswert bei einer Malerei, die weder gefällig noch einfach dekorativ ist.
Vielleicht liegt genau darin eine Stärke dieser Ausstellung: Man muss die kunsthistorischen Bezüge nicht kennen, um von den Bildern angesprochen zu werden. Wer Tizian oder Tintoretto wiedererkennt, entdeckt zusätzliche Ebenen. Wer ohne dieses Wissen vor den Arbeiten steht, erlebt zunächst Farbe, Bewegung, Körperlichkeit und eine enorme malerische Präsenz.
Beides funktioniert.
Und vielleicht ist das die überzeugendste Form, historische Kunst in die Gegenwart zu holen: nicht indem man sie erklärt, sondern indem man aus ihr Bilder schafft, die wieder ganz selbstverständlich für sich selbst stehen können.





















ANDY DENZLER
Renaissance Paintings Reloaded
29. August – 17. Oktober 2026
Galerie Peter Kilchmann
Rämistrasse 33, 8001 Zürich
Website Galerie Peter Kilchmann
Die Ausstellung ist Denzlers zweite Einzelausstellung in der Galerie Peter Kilchmann und umfasst neue gross- und mittelformatige Gemälde sowie Arbeiten auf Papier.
