Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld

Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld

Ein ehemaliges Büro im Zürcher Seefeld, ein Fotograf mit jahrzehntelanger New-York-Geschichte und Arbeiten, die Fotografie, Malerei, Glamour und Irritation miteinander verbinden. Die Artist Residency von Rafael Fuchs zeigt, warum sich der zweite Blick lohnt.

Der zweite Blick lohnt sich

Manchmal beginnt eine interessante Kunsterfahrung dort, wo man sie nicht unbedingt erwartet. An der Seefeldstrasse 147 in Zürich ist für einige Wochen eine Pop-up-Galerie entstanden. Kein White Cube, keine spektakuläre Architektur, sondern ehemalige Büroräume eines Copyshops. Auf den ersten Blick wirkt die Präsentation entsprechend zurückhaltend.

Doch dann beginnt man zu schauen.

Und ziemlich schnell wird deutlich, dass hier ein Künstler zu entdecken ist, dessen Biografie und Werk weit über diesen temporären Zürcher Ausstellungsort hinausreichen: Rafael Fuchs, Fotograf und Künstler aus New York.

Von Tel Aviv über Manhattan nach Brooklyn

Rafael Fuchs wurde in Tel Aviv geboren, studierte Fotografie an der Bezalel Academy in Jerusalem und machte später New York zu seinem Lebensmittelpunkt. Dort arbeitete er über viele Jahre erfolgreich als Fotograf für Fashion-, Lifestyle- und Editorial-Magazine und porträtierte zahlreiche Persönlichkeiten.

Diese Erfahrung ist seinen freien Arbeiten anzusehen. Fuchs kennt die Mechanismen inszenierter Bilder. Er weiss, wie Glamour entsteht, wie Menschen vor der Kamera zu Figuren werden und wie Fotografie unsere Wahrnehmung von Schönheit, Status und Persönlichkeit beeinflusst.

Doch als Künstler belässt er es nicht bei der perfekten Aufnahme.

Wenn Bilder ihre Eindeutigkeit verlieren

Besonders interessant wird das Werk von Rafael Fuchs dort, wo unterschiedliche Bildwelten aufeinandertreffen. Fotografie verbindet sich mit malerischen Eingriffen, Motive werden überlagert oder in neue Zusammenhänge gestellt.

Was zunächst vertraut erscheint, beginnt zu irritieren.

Besonders eindrücklich zeigte sich das in Zürich in einer Serie mit Motiven aus St. Moritz. Man sieht jene Welt, die untrennbar mit dem Ort verbunden scheint: luxuriöse Hotels, gesellschaftliche Ereignisse, elegante Besucher eines Poloturniers. Bilder einer Welt, die sich ihrer eigenen Inszenierung durchaus bewusst ist.

Doch Fuchs konfrontiert diese Fotografien mit erotischen Aufnahmen nackter oder leicht bekleideter Frauen in offensiven Posen.

Luxus trifft auf Körperlichkeit, gesellschaftliche Inszenierung auf Intimität, Hochglanz auf Provokation. Gerade aus dieser Reibung entsteht eine Spannung, die den Bildern ihre vermeintliche Eindeutigkeit nimmt. Man kann sie schön finden, irritierend, provokant oder widersprüchlich – gleichgültig lassen sie einen kaum.

Vielleicht erklärt das auch die vielen Gespräche an diesem Abend. Die Ausstellung war gut besucht, doch wichtiger als die Zahl der Gäste war die spürbare Neugier: Vor den Arbeiten wurde stehen geblieben, diskutiert und immer wieder genauer hingesehen.

Fotografie trifft Malerei

Auch formal verweigert sich Fuchs einer klaren Grenze zwischen den Disziplinen. Fotografie ist bei ihm nicht zwangsläufig das fertige Bild, sondern häufig dessen Ausgangspunkt.

Malerische Elemente, Überzeichnungen, Farbflächen und weitere Eingriffe verändern das fotografische Material. Realität und Interpretation liegen plötzlich übereinander.

Gerade darin liegt ein besonderer Reiz seiner Arbeiten. Wer Fuchs ausschliesslich als Fotografen betrachtet, greift zu kurz. Seine Bilder bewegen sich zwischen Fotografie, Malerei und Collage und nutzen die unterschiedlichen Medien, um neue Ebenen zu öffnen.

Und dann geht es eine Treppe hinunter

Der vielleicht spannendste Teil des Abends befand sich allerdings nicht in den eigentlichen Ausstellungsräumen.

Im Keller hat Rafael Fuchs während seiner Zürcher Artist Residency ein temporäres Atelier eingerichtet. Und plötzlich verändert sich die Perspektive vollkommen.

Hier begegnet man nicht mehr nur fertigen Arbeiten an der Wand, sondern ihrem Entstehungsprozess. Materialien, Farben, Fotografien, Arbeitsflächen und Spuren des künstlerischen Prozesses schaffen eine Atmosphäre, die sich kaum inszenieren lässt.

Es ist ein Atelier auf Zeit – und gerade deshalb wirkt es erstaunlich authentisch.

Wer hier hinuntergeht, bekommt etwas zu sehen, das Ausstellungen normalerweise verbergen: den Raum zwischen Idee und fertigem Werk.

Vielleicht ist genau das die besondere Qualität dieser Artist Residency. Rafael Fuchs wird in Zürich nicht nur ausgestellt. Für einige Wochen arbeitet er hier, spricht über seine Kunst und ermöglicht Begegnungen, die über die klassische Betrachtung von Bildern hinausgehen.

Drei Wochen, drei Perspektiven

Das Programm der Seefeld Gallery ist in drei Themenwochen gegliedert. Die erste widmet sich Rafael Fuchs und seinem Weg als Fotograf und Künstler von Tel Aviv über Manhattan bis nach Brooklyn.

In der zweiten Woche steht die Hauri Collection im Mittelpunkt – eine Sammlung, die zwischen Montreal, New York, St. Petersburg und Zürich entstanden ist. Gemeinsam mit Dr. Luca Gurtner werden Einblicke in ihre Entstehung gegeben.

Die dritte Woche richtet den Blick schliesslich auf New York: SoHo, Chelsea, Lower East Side, Brooklyn und Tribeca – erzählt aus der Perspektive eines Künstlers, für den die Stadt über Jahrzehnte Lebens- und Arbeitsraum geworden ist.

Die einzelnen Veranstaltungen verbinden Ausstellung, Gespräch und Apéro und schaffen damit bewusst einen persönlichen Rahmen.

Eine seltene Gelegenheit in Zürich

Vielleicht braucht diese Ausstellung gerade keinen perfekten White Cube.

Denn nach einiger Zeit tritt der Raum ohnehin in den Hintergrund. Was bleibt, sind die Bilder, die Gespräche und die ungewöhnliche Möglichkeit, einem international erfahrenen Künstler nicht nur über seine fertigen Werke, sondern auch über seinen Arbeitsprozess zu begegnen.

Rafael Fuchs bringt ein Stück New Yorker Fotografie- und Kunstgeschichte ins Zürcher Seefeld – für wenige Wochen und in einem Rahmen, der näher am Künstler ist, als es viele klassische Ausstellungen ermöglichen.

Und manchmal zeigt sich Qualität eben erst auf den zweiten Blick.

Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
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Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld
Rafael Fuchs in Zürich: New Yorker Fotokunst im Seefeld

Rafael Fuchs – Artist Residency

Seefeld Gallery
Seefeldstrasse 147
8008 Zürich

Die Residency umfasst drei Themenwochen mit Veranstaltungen jeweils mittwochs und donnerstags ab 18 Uhr sowie sonntags ab 13 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist limitiert; eine Anmeldung ist erforderlich.

Weitere Informationen und Termine: Seefeld Gallery

Die gezeigten Fotografien entstanden im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen. Abgebildete Personen und Kunstwerke dienen ausschliesslich der redaktionellen Berichterstattung über das Ausstellungsgeschehen. Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen und Galerien.