Biografie
Sylvia Agnes Meister wurde 1944 in Locarno, im italienischsprachigen Teil der Schweiz, geboren und wuchs dort auf. Heute lebt und arbeitet sie in Zürich und Kunming, China.
Ihre familiären Wurzeln und die damit verbundenen Lebenswege und Traditionen haben sie nachhaltig geprägt. Ihr Grossvater, Otto Meister (1873–1937), entstammte einer angesehenen Zürcher Juweliersfamilie. Er war Ingenieur und lebte und arbeitete viele Jahre in Japan und China. Ihr Vater, Alfred Jutaro Meister (1913–1987), hatte eine japanische Mutter und war Architekt.
Diese unterschiedlichen kulturellen und beruflichen Einflüsse spiegeln sich auch im Werdegang der Künstlerin wider: die Ausbildung zur Goldschmiedin an der Kunstgewerbeschule Zürich, das Philosophiestudium an der Universität Luzern und ihre mehrjährige Tätigkeit im Industriedesign. Hinzu kommt ein ausgeprägtes Verständnis für technische Zusammenhänge, das in vielen ihrer Arbeiten sichtbar wird.
Während ihrer fünfjährigen Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Zürich begegnete sie auch Vertretern der Zürcher Konkreten, darunter Richard Paul Lohse und Verena Loewensberg. Diese Begegnungen waren für ihre künstlerische Entwicklung inspirierend und prägend. Ähnlich wie bei Loewensberg basiert ihr Werk jedoch weder auf einer eigenen Theorie noch auf strengen mathematischen Regeln. Vielmehr finden sich darin auch Einflüsse japanischer Askese und Lebensphilosophie.
Später lernte sie den Glaskünstler Roberto Niederer kennen und arbeitete vier Jahre eng mit ihm im Bereich Industriedesign zusammen. In dieser Zeit entstanden Glaskreationen, die heute zu den Klassikern der Glasi Hergiswil zählen und teilweise noch immer produziert werden.
In ihrem künstlerischen Schaffen zeigt Sylvia Agnes Meister eine deutliche Nähe zur Minimal Art, teilweise verbunden mit Einflüssen der konkreten Kunst. Dabei verzichtet sie bewusst auf eine strenge geometrische Systematik und bewahrt sich ihre gestalterische Freiheit.
Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die intensive Auseinandersetzung mit Formen, Flächen, Farben und deren Variationen. Charakteristisch ist ein ausgeprägt serieller Arbeitsprozess, bei dem sie unterschiedliche Möglichkeiten erkundet und schrittweise zu einem angestrebten Ergebnis gelangt. Dieser Prozess besitzt eine meditative Qualität, die sich auch in ihren Werken vermittelt – möglicherweise beeinflusst durch ihre japanischen Wurzeln.

Die Künstlerin arbeitet nahezu ausschliesslich mit Ölfarben sowie Gold- und Silberfarben und entsprechenden Pigmenten. Die beiden Edelmetalle begleiten sie seit ihrer Ausbildung zur Goldschmiedin. Ihre Erfahrung im Umgang mit diesen Materialien zeigt sich in der besonderen Sensibilität und Präzision ihrer Arbeiten.
Auch philosophische Fragestellungen spielen eine wesentliche Rolle in ihrem Schaffen. Themen wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie das Verhältnis von Bewusstsein und Unterbewusstsein beschäftigen die Künstlerin und finden auf unterschiedliche Weise Eingang in ihre Werke.
Christina Enderli-Fässler, Mai 2025
Kunst- und Kulturvermittlung, Ebmatingen

























Sylvia Agnes Meister
Geboren
1944 in Locarno, Schweiz
Ausbildung
1966 – Abschluss als Goldschmiedin, Metallklasse, Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK)
1985 – Philosophiestudium, Theologische Fakultät, Universität Luzern
Berufliche Tätigkeit
1985–1989 – Industriedesign und Assistenz von Roberto Niederer, Glasi Hergiswil, Schweiz
Künstlerin
Lebt und arbeitet
In Zürich, Schweiz

Einzelausstellungen
2026
Kulturareal Mühle Tiefenbrunnen, Kornsilo, Zürich, Schweiz
2024
Yunnan University of Finance and Economics, Kunming, China
2009
Grieder Bon Génie, Zürich, Schweiz
2007
Gallery Artepictura, Küsnacht, Schweiz
2005
Lyceum Club, Zürich, Schweiz
2002
Galerie Claudine Hohl, Zürich, Schweiz
Fondazione San Rocco, Visarte Ticino, Schweiz
2001
Galerie Atelier Manart Kunstkeller, Zürich, Schweiz
Galerie Hallwylstrasse, Zürich, Schweiz
1999
Galerie zum Grauen Wind, Zürich, Schweiz
1996
Galleria Il Collezionista Satriano Marina, Satriano, Italien
1985
Gallery Art Front Hillside, Tokio, Japan
Kurator: Fram Kitagawa
Ausgewählte Gruppenausstellungen
2025
Galerie Kupper Modern, Visarte Zürich, Schweiz
2024
Galerie Bommer, Visarte Zürich, Schweiz
2022
Galerie Artischock, Küssnacht, Schweiz
2018
Bobao Museum, Peking, China
Wenlin Museum, Kunming, China
2017
Castelgrande, Bellinzona, Schweiz
2006
Museo Vela, Visarte Ticino, Schweiz
1995
Castello Ruffo, Scilla, Italien
1986
Kunstmuseum Luzern, Schweiz
Ankauf eines Kunstwerks für die Sammlung der Stadt Luzern
Alle Rechte an den gezeigten Werken liegen bei den jeweiligen Künstler:innen.
